Neue Müllgebühr: "Nicht gerecht, zudem unsozial"

Ein-Personen-Haushalte werden künftig drastisch benachteiligt, selbst wenn sie wenig Müll entsorgen. Ein Rechenbeispiel.

Plauen.

Wer Müll einspart, spart künftig auch Gebühren. So wirbt das Landratsamt bei Abgeordneten des Kreistages um Zustimmung zu den neuen Müllgebühren, die sie heute beschließen sollen. Aus Sicht von Günter Schneider, Vorstand der AWG Wohnungsgenossenschaft in Plauen, muss man das genau anders herum formulieren: "Für alle, deren Entsorgungsverhalten sich nicht ändert oder kurzfristig ändern kann, steht eine drastische Kostensteigerung ins Haus."

Und Schneider setzt noch einen drauf: Die neuen Gebühren seien nicht verursachergerecht - allen beteuerten Absichten zum Trotz.

Als Beleg führt er den Vergleich zwischen einem Ein- und einem Zwei-Personen-Haushalt an: Jede der Personen produziert in seinem Beispiel nicht mehr als das Volumen, das der Gesetzgeber als geringsten Wert akzeptiert und das auch in der Abfallwirtschaftssatzung des Vogtlandkreises genannt ist - fünf Liter je Person und Woche. Beide Haushalte buchen also die kleinste Restmüll- (80 Liter) und eine Biotonne. Ergebnis: Am Ende des Jahres muss der Alleinstehende 95,16 Euro zahlen, auch wenn er beim Restmüll mit nur drei statt vier Pflichtleerungen ausgekommen wäre. Der Zwei-Personen-Haushalt dagegen kann sich seine Gebühr von 101,16 Euro teilen - Single-Haushalte bezahlen weniger Müll also doppelt so teuer. "Das ist nicht gerecht, zudem unsozial", sagt Schneider. Die geplanten Bereitstellungsgebühren (1,92 Euro/ Jahr für 80-Liter-Restmüll- und 1,44 Euro/Jahr für die 60-Liter-Biotonne) fallen kaum ins Gewicht.

Schneider verweist darauf, dass von seinem Beispiel eine erhebliche Zahl von Mietern betroffen ist: "Unsere durchschnittliche Wohnungsbelegung liegt bei 1,5 Bewohnern." Die AWG und andere Wohnungsgesellschaften unterstützen deshalb die Forderung des Mieterbundes nach einer Vertagung des Gebührenbeschlusses. Die erste öffentliche Diskussion der Müllgebühren dort sei als erste Lesung möglich.

Der Mieterverein steht heute ab 15.15 Uhr vor dem Landratsamt in Plauen, Postplatz 5, für Fragen zu den geplanten Müllgebühren zur Verfügung. Die Sitzung des Kreistages unter anderem zu den neuen Müllgebühren beginnt 16 Uhr.

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2Kommentare
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    aussaugerges
    14.06.2018

    Die Gebühren sind um fast das doppelte gestiegen.

  • 2
    0
    voigtsberger
    14.06.2018

    Und auch Heute stellt sich bei mir die Frage, wer da im Landratsamt und welche politischen Eliten im Kreistag werden diese nicht verursachergerechten Müllgebühren für die kreiseigene Entsorgungswirtschaft und der "Müllmafia" beschließen oder muss man dies? Weil die jährlichen Tarifforderungen im ÖD mit Übernahme auf die Beamten, von Jemanden gestemmt werden muss und wenn nicht mehr Müll anfällt, da muss an der Gebührenschraube gedreht werden, doch für Viele ist dies eine finanzielle Belastung trotz Müllvermeidung und die von diesen Gebühren profitieren können es sich halt leisten! Die Biotonne ist da nur "Mittel zum Zweck"!



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