Plauener Schaustickerei zeigt Lochkarten-Kunstwerke

Besuch aus allen Teilen Deutschlands in der Schaustickerei: Die Einrichtung stellt einmal mehr unter Beweis, dass sie weit über die Grenzen des Vogtlandes hinaus wirkt.

Plauen.

Wenn kreative Geister eine historische Lochkarte aus der Stickerei sehen, macht's "Klick". Mit diesen kleinen Löchern im Papier kann man doch was anfangen, man könnte ein paar Fäden hindurchziehen und so ein kleines Kunstwerk erschaffen: So oder so ähnlich ist es den "Alküns" ergangen, als sie vor rund zwei Jahren die Schaustickerei am Obstgartenweg besuchten. Denn dort sind Lochkarten aus der Stickerei vergangener Jahrhunderte in der Region ausgestellt.

Die "Alküns"? Das ist die Abkürzung für "Alternative Künstlerinnen". Und das wiederum ist eine Internetgruppe - bestehend aus 14 Damen aus allen Teilen Deutschlands und eine aus Frankreich, die in ihrer Freizeit schöpferisch tätig sind. "Wir treffen uns einmal im Jahr", berichtete Christina Tomalla aus Berlin am Freitagabend bei der Eröffnung der Schau "Metamorphose des Lochstreifens" und "Alte Handarbeitstechniken neu interpretiert" in der Schaustickerei.

2015 fand das jährliche Treffen der Gruppe im Vogtland statt, der Besuch des Museums in Reusa gehörte zum Besuchsprogramm. Daran anschließend wurden die Frauen in Sachen Lochkarten aktiv. Weil die entstandenen Arbeiten die Ausstellungsräume in der Villa nicht ausgefüllt hätten, kamen noch kleine Kunstwerke zum Thema "Alte Handarbeitstechniken" dazu. Zu eben diesen alten Handarbeitstechniken gehört "Stricken wie die Wikinger". Zu dieser Variante hat sich Renate Tillack aus der Nähe von Hannover entschlossen. "Das ist mit Hilfe eines Rundholzes entstanden", erklärte die ehemalige Kunsterzieherin vor der Vernissage eine ihrer Kreationen, die den Betrachter dreidimensional beeindruckt. Das gestrickte Teil wölbt sich nach vorn heraus. Auch im Filzen hat sich die Künstlerin mit Erfolg versucht.

Die Stars des Abends waren allerdings die gestalteten Lochkarten, und da ist den Damen Einiges eingefallen. "Burgspitzen" nannte Susanne Kontarsky-Blaß aus Hennef nahe Bonn ihre hintereinander gelagerten Bergketten. Oben am Kamm der Berge befinden sich die Löcher der zurechtgeschnittenen Lochkarten, die sie bestickt hat. Andrea Glittenberg-Pollier aus Voglans in Frankreich hat die Karten so belassen, aber eingerollt und weiß bestickt. "Ein wenig rund", nannte sie ihre Arbeit.

Zur musikalischen Umrahmung der Ausstellungseröffnung hatten sich Gabriele Rudolph, die Leiterin der Schaustickerei, und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter etwas Besonderes ausgedacht. Karl-Heinz Teuschler, der Inhaber des kleinsten Musikinstrumentenmuseums der Welt in Mehltheuer, hatte alte Spieldosen mitgebracht und gönnte den Gästen die lieblichen und sanften Klänge berühmter Melodien aus diesen alten Kästen. Die Musik wurde ja einst auf alte Lochplatten gebannt. Der musikalische Teil der Eröffnung passte zum Thema Lochkarte. Besser kann es nicht gehen.

Die Schau ist vielseitig und einen Besuch wert. Die Schaustickerei hat mit Künstlern aus allen Teilen Deutschlands wieder einmal bewiesen, dass sie über die Grenzen der Region hinaus wirkt. In den vergangenen Jahren waren auch immer wieder Nachfahren von bedeutenden Personen der Stickerei-Industrie des Vogtlandes zu Gast.

Die Ausstellung ist bis 31. März montags bis samstags von 10 - 17 Uhr geöffnet. Die letzte Führung beginnt um 16 Uhr. An Sonntagen und Feiertagen sind Besuche für Gruppen ab 20 Personen möglich. Adresse: Schaustickerei Plauen, Obstgartenweg 1.

www.alkuens.de

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...