Staunen bei Kinder-Uni: Schuhe aus dem Drucker

220 Kinder haben am Samstag das Rathaus gescheiter verlassen, als sie gekommen sind. Was war passiert?

Plauen.

Bei der zweiten Vorlesung der Kinderuni Vogtland ist es am Samstag im großen Saal des Plauener Rathauses um 3-D-Drucker gegangen. Dieses Thema versetzt manchen Erwachsenen in Angst und Schrecken, nicht aber die 220 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren aus Plauen und Umgebung. Neugierig verfolgten sie, was Heiko Lang, Dozent an der Staatlichen Studienakademie Plauen, zum Thema sagte.

Der 3-D-Drucker ist die Zukunft. "Mit ihm bedruckt man nicht Papier wie mit dem herkömmlichen Drucker, man stellt verschiedene Gegenstände her", so Lang. Man könne mit den unterschiedlichsten Materialien, wie Kunststoff, Metall, Sand, Gips und Glas Gegenstände bauen. Sie entstehen in einem Stück, ohne sie zusammenzuschrauben. Herstellen könne man auf diese Weise Motoren, Schrauben, Zahnräder, Figuren, Zähne und sogar Teile einer Schädeldecke. Gerade auf medizinischem Gebiet verspreche das Verfahren große Erfolge.

Damit es für die Zuhörer nicht langweilig wurde, ließen die Fachleute große, farbige Plastikschrauben mit Muttern durch die Reihen gehen. Sie waren im 3-D-Druckverfahren hergestellt worden.

Während der Dozent sprach, entstand nebenan auf einer Videowand Schicht für Schicht eine weiße Gestalt. Auf die Frage, was das wohl werden könnte, antworteten einige: Eine Eule! Und sogar die Frage nach dem Sinnbild der Eule konnten einige Junior-Studenten beantworten. Sie sei das Symbol der Weisheit. "Seid ihr aber gescheit", freute sich der Mann. Als dann auf der Videowand gezeigt wurde, wie eine Art Zauberwürfel aus Zahnrädern in Windeseile zusammengebaut wurde, kannten die kleinen Zuhörer kein Halten mehr. Sie trampelten nach Studentenart laut ihren Beifall auf den Fußboden. Nach 45 Minuten, so lang dauert genau eine Unterrichtsstunde, war Schluss. Wer wollte, durfte sich einige 3-D-Drucker ansehen, die eine Reichenbacher Firma mitgebracht hatte.

"Mir hat am besten gefallen, dass man sehen konnte, wie die Teile entstehen", sagte die achtjährige Paula-Elisabeth Dallmann aus Falkenstein. Sie würde es gern einmal selbst probieren. Das könne sie bald, versprach ihr Vater. Sein Klingenthaler Betrieb schaffe bald einen solchen Drucker an, dann dürfe sie auch einmal ran. Die Plauenerin Birgit Müller hatte Enkeltochter Lilly (10) zur Kinderuni begleitet. "Ich finde diese Möglichkeit gut", sagte die Oma. "Man sieht, dass der Bedarf da ist. Auch dass die Kinder einen Studentenausweis bekommen, finde ich gut. Wenn sie drei von vier Vorlesungen besucht haben, gibt's ein Diplom."

Vorschau Am 5. Mai folgt in Oelsnitz die Vorlesung "Die Tricks der weltbesten Gedächtniskünstler", und am 2.Juni in Plauen die Vorlesung "Faszination Gemische (Emulsion)".


"Der Master wäre schön"

Constantin Popp (6), Drittklässler aus der Karl-Marx-Grundschule, ist mit einer der jüngsten Teilnehmer der Kinder-Uni. Sabine Schott sprach mit ihm.

Was würdest du dir denn mal gern mit einem 3-D-Drucker herstellen?

Mmmh, am liebsten eine Glocke. Ich will nämlich später einmal Glockengießer von Beruf werden. Oder einen Fußball. Oder gleich das Logo von meinem Lieblings-Fußballverein Werder Bremen.

Bei der Kinder-Uni bist du ja schon ein alter Hase. Was erhoffst du dir?

Ich möchte mir die Bachelor-Urkunde abholen, die bekommt man nämlich, wenn man zwei Mal teilgenommen hat. Auch der Master wäre schön. Aber da muss ich wohl noch mal wiederkommen.

Bist du nicht ein wenig jung fürs Studium?

Ach nö, ich bin ja auch schon mit knapp fünf Jahren eingeschult worden. Im Juni werde ich sieben. Aber dann komme ich auch schon in die vierte Klasse.

Was sagen deine Eltern?

Die freuen sich.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
 Artikel versenden
Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...