Tüftler bringen runde Sache ins Rollen

Heute startet die Fußball-WM in Russland: Pünktlich dazu haben zwei Jungunternehmer aus Leipzig einen Ball aus Naturmaterial ersonnen. Dafür wird auf einen Produzenten in Oelsnitz gesetzt.

Oelsnitz.

Die simpelste aller Fußballweisheiten, "der Ball ist rund" (Sepp Herberger) - für einen neuen Ball, der in Oelsnitz hergestellt werden soll, stimmt sie nicht. Es ist erst mal nur eckig, was die Leipziger Spieletüftler Tony Ramenda und Matthias Meister sich ausdachten - ein Chip, der sich zusammenstecken lässt zu Binabo, dem neu erfunden Ball, mit dem die Jungunternehmer zum Start der Fußball-WM heute an die Öffentlichkeit gehen. Ihr Plan: Bei der Oelsnitzer Gesellschaft für Elektrogerätebau und Kunststoffverarbeitung (GEK) soll er in Serie produziert werden. Voraussetzung: Eine Spritzgussform aus Stahl, die 17.000 Euro kostet.

Ein Ball ist ein Ball - was lässt sich da schon groß anders machen als bei den Kugeln, die seit Generationen von Fußballerbeinen getreten werden? Ganz viel. Zum einen ist der bunte Binabo kein Kunststoff-Produkt. Er besteht zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen. Zucker, Harze und Holzfasern sind Bestandteil des stabilen Materials, das von Ingenieuren der Firma Tecnaro im schwäbischen Ilsfeld-Auenstein entwickelt wurde. Zum zweiten: Der Ball ist zum Selberbauen. Wie groß er wird, ob aus er 36, 60 oder 90 Chips besteht, kann jeder selbst entscheiden. Wer mit einem Ball gar nichts anfangen kann, der steckt aus den Chips eben etwas anderes zusammen: ein Tier, ein Haus oder Schmuck - die Fantasie hat hier freien Lauf. Alles geht auf nur ein Teil zurück: Ein Produkt, das sich die Macher der Spielzeugmarke Tictoys aus dem Leipziger Westen inzwischen patentieren lassen haben.

Mit der Oelsnitzer Firma GEK, von Hause aus Kunststoffverarbeiter und im Werkzeugbau für die Kfz-Branche tätig, ist Binabo für die Leipziger nicht die erste Zusammenarbeit. Im März vor fünf Jahren kam Tualoop in den Handel, ein Reifenspiel, dessen Ursprünge bereits im 17. Jahrhundert liegen. Der Reifen wurde mittels Spritzguss-Technik beim vogtländischen Unternehmen hergestellt. Die Spielzeug-Tüftler aus Leipzig waren wegen der Erfahrungen von GEK mit Biowerkstoff auf das mittelständische Unternehmen aus Oelsnitz aufmerksam geworden. Dieses Wissen hat GEK durch das Spritzen von Blockflötenköpfen aus flüssigem Holz erworben. Die Technik dazu hatte die Firma zusammen mit vogtländischen Musikinstrumentenbauern und der Technischen Universität Dresden entwickelt. Vereinfacht gesagt, wird dabei Holz in seine chemischen Bestandteile zerlegt - darunter Glukose, Harze und Holzfasern. Als Flüssigkeit kann es dann wie etwa auch Kunststoff in Formen gespritzt werden. Die Verbindung von Techniken, die aus der Bearbeitung anderer Materialien bekannt sind, und nachwachsenden Rohstoffen liegt auch der Binabo-Idee zugrunde.

Um ihre Idee in die Läden zu bringen, dafür brauchen die 2011 mit der Devise regional, fair, nachhaltig gestarteten Spielzeugentwickler noch Kapital. Bis Ende des Monates suchen Tony Ramenda und Matthias Meister über die Plattform Startnext finanzielle Unterstützer ihrer Idee. Bis Dienstagabend hatten sie über die Crowdfunding-Aktion 4800 von knapp 17.000 Euro für die nötige Spritzgussform bei GEK zusammen.

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