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Foto: Stephan Jansen/dpa

Versuchte Vergewaltigung: Was ist dran?

Die Schilderung klang dramatisch und erzielte im Internet-Netzwerk Facebook sofort eine Menge Aufmerksamkeit. Was die Polizei zu dem angeblichen Vorfall sagt.

Von Uwe Selbmann
erschienen am 13.10.2017

Plauen. Unter der Überschrift "Wer kann helfen?" wandte sich eine Lisa S. Anfang der Woche an die Facebook-Gruppe Vogtland. Sie sei am 4. Oktober in Plauen von drei jungen Männern überfallen worden, "die mich vergewaltigen wollten", schrieb sie. Und: "Meine Bluse war bereits zerrissen. Ein Mann mit einem Transporter hat dies bemerkt und hat angehalten und mir handfest geholfen."

Lisa S. machte keinen Hehl daraus, dass sie nicht wirklich so wie angegeben heißt. Sie müsse sich jetzt schließlich vor den Tätern schützen. Für eine Aussage bei der Polizei brauche sie aber den hilfsbereiten Mann, den sie anschließend vor allem anhand des Transporters mit einer Aufschrift und weiteren besonderen Kennzeichen näher beschrieb. Die Täter seien Deutsche gewesen und mittlerweile von der Polizei gefasst.

Der Zeugenaufruf stieß sofort auf große Hilfsbereitschaft, der Eintrag auf Mitgefühl. Die Facebook-Gruppe Vogtland - eine von vielen, die sich ständig neu in dem Netzwerk bilden - zählt rund 12.500 Mitglieder. Kaum einer hinterfragte die gemachten Angaben, nur wenige mahnten angesichts des Fake- Profils zur Vorsicht. Binnen kurzer Zeit wurde Erfolg gemeldet: Der Gesuchte sei identifiziert, habe sich bei der Polizei gemeldet, schrieb Lisa S. Wenig später war die gesamte Diskussion gelöscht.

Ende gut, alles gut? Mitnichten. Polizeisprecher Oliver Wurdak erklärt auf Anfrage der "Freien Presse", dass den Ermittlern keine Anzeige über eine versuchte Vergewaltigung in Plauen vom 4. Oktober vorliegt: "Wir wissen schlicht nichts von dem geschilderten Sachverhalt, haben nichts zur Kenntnis bekommen", sagt er. Selbst wenn etwas dran wäre: "Es ist definitiv der falsche Weg, so etwas ins Netz zu stellen."

Wurdak erinnert daran, dass gerade über Facebook wiederholt unwahre Geschichten verbreitet und dann für bare Münze gehalten worden sind. "Wer Kenntnis von einer Straftat oder polizeilich relevanten Sachverhalten hat, sollte zur Polizei gehen", rät er. "Der Staat hat das Gewaltmonopol." Er warnt vor Hobby-Ermittlern, deren wahre Absichten keiner kenne.

Warum wohl viele an einen wahren Hintergrund des Aufrufs glaubten: Die Polizei informiert die Öffentlichkeit von sich aus nicht über jede Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung - zum Schutz der Opfer, wie es heißt. Öffentlich gefahndet wird in solchen Fällen nur, wenn die Polizei nicht über ausreichend andere Ermittlungsansätze verfügt. Laut Statistik wurden 2016 in Plauen 57mutmaßliche Sex-Straftaten angezeigt, 47 gelten als aufgeklärt.

Welche Absicht steckt also in Wirklichkeit hinter dem Bestreben, den Mann mit dem auffälligen Transporter ausfindig zu machen? Eine romantische Idee? Oder droht ihm womöglich Gefahr? Antwort könnte Lisa S. geben. Auf Anfrage der "Freien Presse" beharrte sie auf ihren Angaben, die Polizei wies diese nochmals energisch zurück. Das Facebook-Profil, von dem der Aufruf ausging, ist mittlerweile gelöscht.

 
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