Vosla testet neues Fahrradlicht

Der Narva-Erbe aus Plauen war bis Januar insolvent. Jetzt will sich der Traditionsbetrieb nicht nur selbst neu erfinden, sondern auch das Licht. Bald könnten Mützen leuchten.

Plauen.

Markus Winkler hat Studenten der Hochschule Aalen auf die Straße geschickt. Sie sollen sich umschauen und mit ihrem unverbrauchten Geist nachdenken. Darüber, was man alles zum Leuchten bringen kann. Zeltschnüre waren so eine Idee, weil jeder Camper schon einmal über diese Dinger gestolpert ist. "Aber der Markt ist noch nicht bereit für leuchtende Zeltschnüre", sagt Markus Winkler.

Er ist einer der drei Geschäftsführer des Speziallampenherstellers Vosla. Seit 70 Jahren werden in dem Werk, das früher die Plauener Narva war, Lampen produziert. Vergangenes Jahr geriet die Vosla in eine Krise und meldete Insolvenz an. Gut 100 Stellen wurden gestrichen, 210 blieben. Jetzt ist der Betrieb saniert, die Insolvenz abgeschlossen. Ein neuer Finanzinvestor steht im Hintergrund, der Geldgeber aus der Wirtschaft mitbringt.

"Wir sind wer in der Branche", sagt Winkler. In der Vosla ist er für Innovation zuständig. Er will neue Technologien entwickeln, offensiver als bisher. Bereits vor vier Jahren bekam das Unternehmen den internationalen Designpreis "Red Dot". Vosla hatte die Glühbirne mit LED-Fäden neu erfunden. Eine, die aussieht wie die alte, die aber wenig Strom frisst. Jetzt haben die Vosla-Ingenieure ein Fahrrad-Rücklicht entwickelt. Es besteht aus einem leuchtenden Faden, den sie im Gepäckträger verbaut haben. Das Ganze nennt sich LED-String. "Da spielen wir ganz vorn mit", sagt Winkler.

Auf der Euro-Bike, der Fahrradmesse im Juli in Friedrichshafen, stellt die Vosla zusammen mit einem E-Bike-Hersteller die Prototypen vor. In Plauen fährt dieser Prototyp seit ein paar Wochen durch die Stadt. Ein Mitarbeiter testet ihn an seinem E-Bike. "Unser Erlkönig", sagt Marketingleiter Bernd Schwieder. Der Gepäckträger zeige die Marschrichtung. Sie fragten den Gepäckträger-Hersteller, der seit Jahren Rücklicht-Lampen bei ihnen bestellt, ob er das Licht in den Gepäckträger einbauen möchte. Und dann spielten sie mit Ideen.

Die Plauener wollen Dinge, die es gibt, zum Leuchten bringen. Gerade stehe das Unternehmen in Kontakt mit einem Hersteller von Outdoor-Kleidung, der beleuchtete Mützen und Jacken mit Licht auf den Markt bringen wolle.

Die Studenten der Hochschule Aalen in Baden-Württemberg sollen recherchieren, wo sich diese LED-Strings aus Plauen noch einbauen lassen. Die Anwendungsgebiete seien enorm. Schwieder spricht von "maßgeschneiderten Lösungen". Bloß keine Massenware, das machen die Großen.

Thomas Knabel, Bevollmächtigter der IG Metall in Zwickau, hat die Turbulenzen des Lampenherstellers begleitet. "Die Vosla muss sich gut aufstellen, damit sie den Sprung in die Zukunft schafft. Darauf kommt es an", sagt er. Schon 2012 gab es Turbulenzen. Das Werk gehörte damals Philips. Der Konzern wollte es schließen, aber der damalige Werkleiter Gerhard Liebscher konnte es mit dem Geld eines börsennotierten Finanzinvestors retten. Zur neuen Krise kam es vergangenes Jahr, als ein Vertrag mit dem Hauptkunden Philips auslief. Im Zuge der Insolvenz trennte sich der Münchener Finanzinvestor von Vosla, und im Herbst übernahm die DI Kapital, eine Beteiligungsgesellschaft aus Frankfurt am Main. Mit Philips gibt es einen neuen Vertrag, aber zu schlechteren Konditionen.

Lampen für Autoscheinwerfer sind nach wie vor das Kerngeschäft der Vosla und die Existenzgrundlage. "Wir bauen unsere Geschäfte aber nicht auf einem Kunden auf", sagt Geschäftsführer Markus Winkler. Er spricht vom Lichtmarkt, der im Umbruch sei, und dem Marktvorteil von "Made in Germany". Auch aufs Ersatzteilgeschäft will er sich konzentrieren und auf die Nutzfahrzeugsparte. Es gebe einige Nischen, aus denen sich die großen Lampenhersteller zurückziehen und in denen die Vosla schon sitzt. Als Beispiele nennt er Halogen-Fahrzeuglampen, Speziallampen für Flugzeuge, Flughäfen und die Medizin. Die geringen Stückzahlen seien für die großen Hersteller nicht interessant. "Wir sind agil. Das ist unsere neue Strategie, der Unterschied zwischen Mittelstand und Konzern", sagt Winkler.

Im Labor forschen seine Ingenieure an neuer Autobeleuchtung. Das Design spiele auch dort eine immer größere Rolle. Winkler hat die Vision, dass man Muttis Auto künftig an Muttis individuellem Licht erkennt. Daran forsche die Vosla gerade, zusammen mit einem Scheinwerferhersteller.

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