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Foto: Jan Woitas/dpa-Archiv

Wunderlich-Prozess: Häftling schildert Geständnis

Im Prozess schweigt der 62-jährige Angeklagte beharrlich. Einem Zellengenossen soll er aber vom Mord berichtet haben.

Von Gabi Thieme
erschienen am 19.06.2017

Plauen/Zwickau. Im Prozess um den vor 30 Jahren verübten Mord an Heike Wunderlich in einem Wald bei Plauen hat ein Mithäftling den Angeklagten am Montag erheblich belastet. Der 39-Jährige berichtete, dass der Angeklagte Helmut S. ihm am 22. Mai von der Tat berichtet habe. Sie hätten sich da erst seit vier Tagen die Zelle in der JVA Zwickau geteilt. S. habe gesagt, dass er eine Frau vom Moped gezogen, missbraucht und umgebracht habe. Zu dem sogenannten Zellengeständnis sei es gekommen, als er den 62-Jährigen zum Grund seiner Inhaftierung gefragt habe, sagte der Zeuge Stev L.

Er selbst sitzt seit 1. Mai eine achtmonatige Freiheitsstrafe wegen Fahrens ohne Führerschein ab. Es ist nach einer Jugendstrafe sein zweiter Gefängnisaufenthalt. Vor rund zehn Jahren wurde er zudem wegen Falschaussage und Diebstahls zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Als er den Angeklagten nach dem "Warum, Wieso, Weshalb" gefragt habe, hätte der gelacht und gemeint, das werde nie rauskommen. Er habe auch gesagt, dass im Prozess alles gut für ihn laufe. Er habe auf seinen Kalender gezeigt und gemeint, dass er noch zwei Verhandlungstage habe, dann werde er freikommen. Auch seine letzte Partnerin wüsste von der Tat, hätte aber aus Angst nichts gesagt. Er habe angedeutet, dass er auch sie vergewaltigt habe.

Obwohl der Vorsitzende Richter Klaus Hartmann immer wieder nach dem genauen Wortlaut des Gesprächs fragte, stimmten die Aussagen nur sinngemäß - nicht wörtlich - mit denen überein, die der Zeuge bei der polizeilichen Vernehmung am 7. Juni gemacht hatte.

Nebenklageanwalt Guido Zengerle hält ihn trotzdem für "uneingeschränkt glaubwürdig". Es gebe keine wirklichen Widersprüche in den Aussagen. Er führe sie vielmehr auf die "rudimentäre Schulbildung" des Mannes zurück. Für bemerkenswert halte er eine weitere Schilderung des Mithäftlings, der berichtete, wie er sich mit Helmut S. in der Zelle Ende Mai die Wiederholung des RBB-"Tatorts" "Franziska" angeschaut habe. Im Film sei eine Frau vergewaltigt worden, das habe Helmut S. in Erregung versetzt. Er sei mit seinem Stuhl näher an seinen Fernseher gerückt, habe sich vorgebeugt und gelächelt. Bei der Passage, wo man die Todesangst der Frau in ihrem Gesicht sehen konnte, habe er gesagt, dass es so sei: dass man da das Weiße in den Augen sehe.

Als der Richter mit Blick auf die Glaubwürdigkeit des Zeugen weiter feststellte, dass der Angeklagte doch gar keine Sätze formulieren könne, erwiderte L.: "Oh doch, der kann gut reden." Auch sei S. gar nicht so hilfebedürftig, wie es nach dessen Schlaganfall von 2012 den Anschein hat. Weil er Erfahrung als Pfleger besitze, habe er sich in dessen Zelle verlegen lassen. "Aber der kommt gut allein zurecht. Er kann sogar auf einen Stuhl steigen, um aus dem Fenster zu schauen. Er kann sich auch unterhalten. Er überlegt nur länger bei einer Frage, aber er antwortet."

Dass sich Stev L. von seiner Aussage einen Vorteil verspricht, bestritt er am Montag nicht. Obwohl seine achtmonatige Haftstrafe erst am 1. Januar 2018 endet, hat er bereits einen Antrag auf Aussetzung der Reststrafe zur Bewährung gestellt. Nach Aussage der zuständigen Richterin sei der Antrag aber unzulässig, weil er zu früh eingereicht wurde.

Am Mittwoch soll die Vollzugsbedienstete gehört werden, an die sich Stev L. nach dem Zellengeständnis zuerst gewandt hatte. Ob auch der Gefängnispfarrer gehört wird, dem er ebenfalls berichtete, ist offen. Stev L. entband den Geistlichen vorsorglich von seiner Schweigepflicht.

Wie sich Heike Wunderlich und ihr Mörder am Abend des 9. April 1987 begegnen konnten, wurde beim Blick auf einen Plauener Stadtplan deutlich. Wenn die 18-Jährige auf ihrem Heimweg von einer Freundin in Plauen nach Altensalz wegen des Regenwetters mit dem Moped eine Abkürzung genommen hat, wäre sie am Wohnhaus von Helmut S. vorbeigekommen.

 
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