Zur Premiere läuft Klassiker

Im Plauener Stadtpark erlebten etwa 100 Besucher die erste Kultfilmnacht. Die Veranstalter denken über eine Fortsetzung im nächsten Jahr nach. Eine Idee für eine Film haben sie schon.

Plauen.

"Geh zu ihr und lass deinen Drachen steigen." Beim Film-Song der "Puhdys" zum DEFA-Klassiker "Die Legende von Paul und Paula" bekommen die Besucher im Parktheater immer noch Gänsehaut. Die meisten der etwa 100 Cineasten, die am Samstagabend ins Open-Air-Gelände des Stadtparks kamen, haben den Kinofilm von 1974 mit Angelica Domröse und Winfried Glatzeder schon zigmal gesehen.

Kris Walker gehört dazu. Die Plauenerin besuchte die Kultfilmnacht mit ihrer Freundin. "Der Film hat eine große Authentizität. Er zeigt, wie das Leben aus Sicht von jungen Leuten in der DDR wahrgenommen wurde. Es ist eine Welt, die viele so erlebt haben", erzählt sie.

An diesem Abend gab es jemanden, der von der Kinowelt der DDR wie kein anderer geprägt worden ist. Vor dem Filmstart begrüßte Veranstaltungs-Initiator Matthias Oertel den ehemaligen Filmvorführer des Plauener Capitols, Lothar Hähner. Der gelernte Facharbeiter für Film- und Tonwiedergabe gilt in Plauen als der letzte seiner Zunft. Seine Karriere startete er in den 1970er Jahren als Landfilmvorführer. Die robuste Technik von damals stand am Samstag gleich neben der großen Beamer-Wand.

Übers Land zog der gebürtige Karl-Marx-Städter mit Stativ, dem Projektor von Carl Zeiss und einem flexibles Schaltgerät aus dem Funkwerk Leipzig. Nicht zu vergessen die Filmrollen. "Zu einem kompletten Spielfilm gehörten durchschnittlich vier bis sieben Rollen." In der Hauptsaison zwischen Juli und August pendelte der Kino-Enthusiast zwischen Ferienlagern, Freilichtbühnen und Kinozelten. Von 1986 bis Mitte der 1990 er Jahre arbeitete er als Filmvorführer im Capitol. Zu dieser Zeit war "Der Augenzeuge" als Wochenschau im Kino-Vorprogramm längst Geschichte.

Zur Freude der Parktheater-Besucher wurde bei der Kultfilmnacht das gesamte Kino-Paket aus DDR-Zeiten noch einmal aus der Mottenkiste geholt. In dem zehnminütigen Augenzeugen-Kurzfilm erfuhr das Publikum unter anderem etwas übers Synchronschwimmen, Drachensegeln in Krasnojarsk und Volksliederpflege der Familie Herda in Zeulenroda.

Fehlte nur noch der Orgelspieler, der früher immer vor den Kino-Vorstellungen in die Tasten haute. Diesen Part übernahm diesmal Matthias Oertel. Allerdings auf eine andere Weise. Gemeinsam mit seiner Frau spielte er live im Gastronomie-Gelände des Parktheaters. Geht es nach ihm, wird die Kultfilmnacht im nächsten Jahr fortgesetzt. Eine Idee hat der "Major" auch schon. "Ich würde gern den Film ,Blutige Erdbeeren' zeigen."

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