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Dezente Werbung auf der Heckscheibe. Sebastian G. verkauft Autos nicht mehr direkt. Er vermittelt seinen Kunden günstige Angebote. Bevorzugt für Premium-Modelle.

Foto: Manuela Müller

Zwielichtige Autogeschäfte

Eine goldene Fliege, eine glamouröse Party, teure Autos. Jungunternehmer Sebastian G. hat ein Geschäft, von dem er sich einiges verspricht und mit dem er Schlagzeilen machte. Allerdings hat er die Audi AG betrogen.

Von Manuela Müller
erschienen am 09.09.2017

Plauen. Termin bei seinem Rechtsanwalt. Sebastian G. sitzt im roten Poloshirt im Besprechungszimmer und will reden. Aber nur im Beisein von Oliver Bittmann. Der Jurist lehnt im Stuhl und hört zu. Draußen parkt der graue Audi, mit dem G. da ist. Wunschkennzeichen, goldene Firmenwerbung auf der Heckscheibe: "Business Car Management & Consultancy".

Er geht mit seiner Vergangenheit "extrem offen" um, wie Sebastian G. sagt: "Meine Geschichte kennt jeder in Plauen." Beim Unternehmerfrühstück sei ein Gerichtsurteil gegen ihn aufgetaucht. Bei diesem Treffen frühstücken junge Geschäftsleute zusammen, die sich gegenseitig motivieren. G., 33, war auch dabei. Er hat die Gruppe verlassen. Unangenehm sei es geworden.

G. ist Automakler. So wie andere Immobilien vermitteln, vermittelt er Autos. Er verkauft sie nicht selbst. Er vermittelt zwischen Händlern und Käufern, lebt von der Provision. Bevorzugt sind es Premium-Modelle. "Ich bin die schärfste Konkurrenz der Autohäuser", sagt er über sich. Zu seinen Kunden zählen Fußballprofis und Promis, heißt es.

Das Urteil des Amtsgerichts Auerbach hat mit Autos zu tun und mit G.s Vergangenheit als angestellter Autoverkäufer: 15 Monate Haft, ausgesetzt zu zwei Jahren Bewährung. Vergangenen Sommer ist er wegen Betrugs verurteilt worden. In dem Strafverfahren ging es um fiktive Autoankäufe, so Staatsanwalt Hans-Christian Fink.

Der 33-Jährige hatte bei Audi Eroberungsprämien für ältere Fahrzeuge kassiert. Auf dem Papier kaufte er Autos anderer Marken an, die Kunden angeblich in Zahlung geben wollten, und fälschte die Unterschriften der Besitzer. In Wahrheit gingen die Autos nicht in den Besitz des Autohauses über. Im Verfahren ging es um 22 fiktive Autoankäufe und 18 Unterschriftenfälschungen. Die Eroberungsprämie von Audi lag zwischen 500 und 3000 Euro, so die Staatsanwaltschaft. Den Schaden hatten nicht seine Autokäufer, sondern zunächst der Hersteller.

Die Prämie half, den Preis für Kunden zu drücken. Das wiederum half dabei, Autos zu verkaufen und Umsatz zu machen. "Ich habe im Auftrag meines damaligen Arbeitgebers gehandelt", sagt G. Der kontert. "Ich weiß, was Herr G. draußen rumerzählt. Damals habe ich Selbstanzeige bei Audi gemacht, als ich seine Unterlagen gesehen habe", sagt der Händler auf Nachfrage der "Freien Presse", will aber anonym bleiben. Als Ergebnis eines Zivilverfahrens muss G. ihm 12.000 Euro zahlen. Ein Teil dessen, was der Händler der Audi AG überweisen musste. In kleinen Raten will G. die 12.000 Euro abstottern. Gerade habe er begonnen.
Nicht nur seinem früheren Chef schuldet G. Geld. Nach Recherchen der "Freien Presse" gibt es Vollstreckungsbescheide von mehreren Gläubigern. "Der klassische Weg. Ich habe mich da reingeritten", sagt Sebastian G., der geschieden ist. Er ist Verkäufer. Frühere Chefs bezeichnen ihn als einen, der die Kunden überzeugt.

Sebastian G. möchte nicht ins Bild. Diese goldene Fliege sorgt für Gespräche.

Foto: Thomas Voigt/Archiv

Im Sommer band er sich eine goldene Fliege um, nahm ein Playmate in den Arm und ließ sich unter anderem für die Presse fotografieren. Das war auf einer Edel-Party in Bad Elster, die er unter anderem für seinen Unternehmerstammtisch organisiert hatte. "Unsere Kunden sollten zusammenkommen, um Geschäfte untereinander zu machen." Er reservierte das neue Hotel König Albert, gehobene Vier-Sterne-Kategorie, lud Geschäftspartner und C-Promis ein.

Darunter Tom Barcal, bekannt aus einer RTL-Serie, ein Playmate und Prashant Prabhakar, der bei Pro Sieben in "Stromberg" spielte. Finanziert habe sich das Fest über Eintrittskarten, Sponsoren und einen Gönner, der anonym bleiben wolle. Die goldene Fliege mit kleinem Totenkopf-Logo habe er tragen müssen. "Die war von einem unserer Partner. Mehrere hatten die an." Wenn man auf seine Autos schaue, sehe man außerdem, dass Gold die Farbe des Werbeschriftzuges ist.

Ein Sommerfest mit Folgen. Geschichten über Sebastian G. sprechen sich seitdem herum. "Mich nervt es, dass mich jeder auf meine Vergangenheit anspricht. Muss man jemanden meiden, weil er mal Scheiße gebaut hat?" Dann spricht er über die Automobilbranche und den Kampf um Verkaufszahlen. "Druck ohne Ende" gebe es, und als Verkäufer habe er ein niedriges Grundgehalt bekommen. 15 bis 20 Autos müsse man im Monat verkaufen, um zu verdienen.

In mehreren Autohäusern hat er Hausverbot. Bevor er als Automobilkaufmann anfing, war er in der Versicherungswirtschaft tätig gewesen. "Die Branche ist noch heftiger." Sie trennten sich, nachdem Scheinverträge aufgeflogen waren.

Sebastian G. hat inzwischen sein Büro in Plauen gekündigt. In Plauen will er wohnen bleiben, die Geschäfte aber übers Internet in anderen Bundesländern machen. "Ich glaube an meine Firmenidee", sagt er. Seine Schulden zahle er ab. "Ich weiß, dass in den nächsten zwei Jahren die Schulden weg sind."

Die Edel-Party im Hotel würde er gerne mal wieder feiern. Wenn Ruhe einkehre.

 
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