Als ein Dorf die Stadt bereicherte

Oberreichenbach wurde vor 110 Jahren nach Reichenbach eingemeindet. Dem Gemeinschaftssinn der Oberreichenbacher tat dies keinen Abbruch.

Reichenbach.

Das Dorf Oberreichenbach wurde vor 110 Jahren, am 1. Januar 1908, nach Reichenbach eingemeindet. War bis dahin Reichenbachs Stadtgebiet 694 Hektar groß, wuchs es mit einem Schlag um 556 Hektar. Das entsprach etwa 775 Fußballfeldern. Heute beträgt die Fläche der Stadt Reichenbach 2973 Hektar durch weitere Eingemeinden nach dem Anschluss von Oberreichenbach.

Die Eingemeindung von Oberreichenbach war von wirtschaftlicher Bedeutung für die Stadt. Durch eine Reihe von Fabriken auf der Gemeindeflur stiegen die Gewerbesteuereinnahmen. Bereits um die Jahrhundertwende war Oberreichenbach durch die Eisenbahn mit Reichenbach und Mylau verbunden. Der Gemeinschaftssinn der Oberreichenbacher blieb jedoch bis heute erhalten. Das haben Einwohner und Gäste am 15. Juli 2017 eindrucksvoll bei der 700-Jahr-Feier bewiesen.

In Oberreichenbach gab es vor mehr als 60 Jahren bereits ein großes Fest. Das 75-jährige Bestehen der Dittesschule war 1956 Anlass, ein Schul- und Heimatfest zu feiern. Als Zeitpunkt wurde dafür die "schöne Jahreszeit" in Verbindung mit der Schulentlassung der 8. Klassen gewählt. Berichtet wurde darüber in der "Freien Presse" am 18. Juni 1956. Das Fest begann am Freitag, dem 29. Juni, mit einer Feierstunde in der Turnhalle und der Eröffnung einer Ausstellung in der Schule, in der die Schüler und Lehrer Einblick gaben in den Unterrichtsbetrieb und in das Wirken in "Arbeitsgemeinschaften" im außerunterrichtlichen Bereich, der damals von Mitarbeitern aus Betrieben unterstützt wurde.

Mehrere Theatervorstellungen im Neuberinhaus wurden zu einem Höhepunkt des Festes. Die Premiere fand am Samstag, dem 30. Juni, statt. 150 Schüler der Dittesschule zeigten auf der Bühne des Neuberinhauses ein "heiteres Spiel mit Gesang und Tanz in neuer Bearbeitung" mit dem Titel "Der Raritätenmann aus Sachsen" von Franziscus Nagler. Schüler, Lehrer und Eltern waren mit viel Eifer bei den Proben und erhielten Unterstützung aus der Öffentlichkeit, so durch die Tanzlehrerin Gertrud Büttner und das damalige Kreiskulturorchester. Theatermeister Otto Scholtz und sein Kollege, der Beleuchtungsmeister Fritz Koch, trugen wesentlich zum Gelingen bei.

Die Gesamtleitung für die Theateraufführung lag in den Händen des Lehrers Walter Salzbrenner, der sich auch in besonderer Weise um den Schulchor verdient machte. Geachtet und beliebt bei den Schülern hieß er nur der "Salzer".

Beim "Raritätenmann" entstiegen aus Kisten Personen und bekannte Dinge aus Sachsen und Reichenbach. Das Vorspiel auf der Bühne begann mit dem Einzug einer jugendlichen Wandergruppe auf der höchsten Erhebung des nördlichen Vogtlandes, dem Kuhberg. Der Aussichtsturm und die Anfang der 1950er-Jahre im "Nationalen Aufbauwerk" errichtete Baude bildeten die Kulisse für das Spiel. Mit dem Heimatstück sollten die Zuschauer auf die Schönheiten ("Raritäten") ihrer näheren und weiteren Heimat aufmerksam gemacht werden.

Den "Raritätenmann" spielten die 14-jährigen Schüler Karl-Heinz Krauß und Wolfgang Richter. Aus der Kiste eins (Leipzig) entstiegen Studenten, Thomaner, der Messefuhrmann und Borsdorfer Äpfel. Aus der Kiste zwei (Lausitz) kamen Leineweber, ein Mönch, Pfefferkuchen aus Pulsnitz, der Hochzeitsbitter und ein sorbisches Hochzeitspaar. Die Kiste drei (Dresden) enthielt die Elbe, Meißner Porzellan und Tänze. Mit der Kiste vier kamen das Vogtland und das Erzgebirge zum Zuge. Dabei durften der Bergmann und passende Tänze nicht fehlen. Der Dichter Julius Mosen, der Schönheider Bürstenmann und der Scherenschleifer waren mit von der Partie. Aus Reichenbach kamen die Originale "Vogtländischer Kaspar", der "Raubolds Knittel" und der "Justen Otto" sowie die "Neuberin" und ein Weber vom Reichenbacher Anger. Tänzerinnen und Turnerinnen waren unter Leitung von Gertrud Büttner dabei. Der Abend des 30. Juni war neben der Theateraufführung im Neuberinhaus dem Klassentreffen ehemaliger Dittesschüler im Gasthof Petzold (heute Zimmerei) in Oberreichenbach vorbehalten.

Der Sonntag wurde dann zum Höhepunkt des Schul- und Heimatfestes, indem um 14 Uhr ein großer Festumzug Einblicke in die Geschichte von der Schule und der Gemeinde Oberreichenbach gab. Viele Einwohner unterstützten das Vorhaben mit guten Ideen und durch tatkräftige Mitwirkung. 70 verschiedene Gruppen und Einzeldarbietungen waren Bestandteil des Festumzuges.

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