Ein Hohelied auf die zupackenden Vogtländer

Eine Führung an der Göltzschtalbrücke ist auch gelebter Lokalpatriotismus. Es gibt gute Gründe, stolz zu sein.

Netzschkau.

Eine mit vielen Kerzen gespickte Torte gab es gestern nicht zum 165. Geburtstag der Göltzschtalbrücke. Wohl aber viele Wünsche. "Wenn jemand spenden will, dann sind wir froh", sagte Christa Trommer vom Fremdenverkehrsverein Nördliches Vogtland. Zumindest dieser Wunsch ging in Erfüllung, als es gegen Ende des launigen Vortrages der engagierten Tourismus-Arbeiterin so mancher der gut 70 Teilnehmer der Brückengeburtstags-Führung in der Spendenbox klimpern ließ.

Der andere Wunsch, dass es endlich ein klares Bekenntnis des Freistaates Sachsen zu dieser vogtländischen Tourismus-Attraktion von Weltrang geben sollte, fand wohl die Zustimmung der Zuhörer. Bis Dresden dürfte er nicht hallen. Es sei denn, einer der Zuhörer nutzt seine Möglichkeiten und trägt die Forderung in Dresden vor: der im Tourismusverein engagierte CDU-Landtagsabgeordnete Stephan Hösl. Er stand, wie auch andere regionale Akteure aus Politik und Wirtschaft, unter den Zuhörern.

Unterdessen ließ Christa Trommer Fakten, Episoden und auch ungeklärte Rätsel auf das Publikum einprasseln. Vom Schulkind bis zum betagten Senioren war alles dabei.

Die 72-Jährige würdigte den Mut und die Entschlossenheit all jener Menschen, die in den Jahren 1846 bis 1851 den Bau der Göltzschtal- und Elstertalbrücke geplant und verwirklicht hatten, ohne dass es irgendwo in der Welt Erfahrungen mit großen Bahnbrücken oder gar einer Vorlage gegeben hätte. Denn der von Nürnberg und Leipzig vorangetriebene Bau der Bahnlinie ging wohl rasch vonstatten, doch die Täler im Vogtland waren seinerzeit die unüberbrückbare Hürde. Um sie zu überwinden gab es Jahre lang den ersten Schienenersatzverkehr - per Fuhrwerk und Postkutsche.

Und es waren mutig und entschlossen zupackende Vogtländer und Sachsen, berichtete Christa Trommer stolz, die alle Hürden überwanden. Nach 81 verworfenen Vorschlägen war es der Wernesgrüner Andreas Schubert, der die seit der Antike bekannten Bogenbrücken aus Ziegelsteinen vorschlug. Und es war Oberingenieur Robert Wilke, der technische Schwierigkeiten löste und mit Kopfarbeit, ohne Statik-Computerprogramme, den Bau aus Sackgassen heraus führte. Und der Reichenbacher Apotheker Heinrich Carl, der vor der Beton-Ära genau den haltbaren Mörtel entwickelte, der das Bauwerk aus 26 Millionen Ziegelsteinen zusammenhält. "Auch wieder ein Vogtländer", ordnete Christa Trommer die Leistung ein. Und es waren mehr als 1700 am Bau beschäftigte Arbeiter, von denen 31 diese Pioniertat mit ihrem Leben bezahlt haben.

Zwischendurch ging ein Regenschauer herunter, doch die gebannt lauschenden Zuhörer verharrten.

Führungen an der Göltzschtalbrücke bietet der Fremdenverkehrsverein Nördliches Vogtland jederzeit. Es wird keine Mindestzahl von Teilnehmern gefordert. Die Anmeldung ist möglich per Telefon unter 03765 6119926 oder 0172 2716152 und außerdem per E-Mail unter post@goeltzschtalbruecke.info.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...