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Ein Rapsfeld im Vogtland. Eine üppige Blüte sieht anders aus.

Foto: Kölbel

Gestresste Rapspflanzen wollen nicht so recht blühen

Der Anbau im Vogtland gilt eigentlich als gut zu händeln. Doch 2018 tut sich die Ölpflanze schwer. Es gibt mehrere Gründe.

Von Silvia Kölbel
erschienen am 14.05.2018

Plauen/Lengenfeld. Überall blüht es derzeit im Vogtland in Hülle und Fülle, nur der Raps auf den Feldern will mancherorts nicht so richtig in die Gänge kommen. Statt eines sattgelben Blütenmeers wirken manche Bestände selbst zur Hauptblüte weniger üppig als in anderen Jahren. "Wir haben es hier mit der physiologischen Knospenwelke zu tun", klärt Pflanzenbauberaterin Jana Brückner von der Plauener Außenstelle des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie auf. "Die oberen Knospen kommen nicht zum Aufblühen. Sie verwelken."

Betroffene Pflanzen setzen weniger Samen an. Damit ist jetzt schon klar, dass mit Ertragseinbußen zu rechnen ist. "2018 wird somit das dritte Jahr in Folge, in dem die Erträge auf den betroffenen Flächen beim Raps unter dem langjährigen Durchschnitt bleiben", so Brückner weiter.

Die Fachleute haben gleich mehrere Ursachen für das Schlappmachen der Pflanzen gefunden. Die Witterungsverhältnisse setzten dem Raps zu. Brückner zählt auf: "Auf manchen Flächen war es zur Aussaat so nass, dass die Samen gar nicht aufgelaufen sind. Durch die Kahlfröste mit den rauen Winden haben die Pflanzen einen großen Teil ihrer Blattmasse eingebüßt. Bis Ende März war es kalt. Die Pflanzen konnten sich nicht richtig entwickeln. Im April kamen sommerliche Temperaturen. Für eine reiche Verzweigung braucht die Pflanze aber eine feucht-kühle Witterung." Und als ob das alles nicht schon heftig genug für den Raps wäre, setzte in diesem Jahr an vielen Stellen ungewöhnlich starker Schädlingsbefall durch den Rapsglanzkäfer ein, so stark, dass manche Betriebe gar nicht erst mit der Insektizidspritze rausgefahren sind, weil sie selbst mit dem Pflanzenschutzmittel dem Raps nicht helfen konnten. "Der Rapsglanzkäfer ist ein kleines schwarzes Insekt, das sich auch gerne auf gelbe, grüne oder weiße Autos oder Kleidungsstücke setzt", erläutert Jana Brückner. Die Käfer nagen die Blütenknospen an und saugen den Nektar. Die geschädigte Knospe blüht nicht mehr auf.

Daniel Hirsch, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Am Kuhberg in Coschütz, hat noch nie in seiner beruflichen Praxis einen solch starken Befall erlebt. Er sagt: "Selbst ältere Berufskollegen können sich nicht daran erinnern, dass es so etwas in den letzten 40 Jahren schon einmal gegeben hat. Um den Schädlingsbefall abzuschätzen, stellen die Landwirte sogenannte Gelbfallen auf und zählen die Käfer in den Fallen. "Der Befall war innerhalb von vier Stunden fünf Mal stärker als in anderen Jahren in drei Tagen", berichtet Hirsch vom Ergebnis in Coschütz. Auch die Pflanzenbauberaterin aus Plauen bestätigt: "Es gab mehrere Zuflugwellen der Käfer dicht hintereinander." Auf den Flächen bei Coschütz geht Hirsch von Einbußen durch die Knospenwelke von zwei bis vier Prozent aus. Er sagt: "Es gibt aber auch andere Fälle. Im Erfurter Becken haben Landwirte den Haupttrieb der Pflanzen mit einem Mulchgerät entfernt und hoffen nun, dass die Rapspflanzen noch einmal Seitentriebe ausbilden."

Geschädigte Felder finden sich auch in der Umgebung von Reichenbach. Landwirt Thomas Singer vom gleichnamigen Landwirtschaftsbetrieb hat auf eine Blütenbehandlung mit Insektiziden verzichtet. "Bei den Marktpreisen rechnet sich das nicht", sagt er. Und weiter: "Ich warte jetzt ab. Vielleicht entwickeln sich die verblieben Samenstände zu besonders großen Schoten. Der Raps kann normalerweise viel kompensieren. Aber dieses Jahr sieht es so aus, als ob er es nicht schafft."

Auch die Marienhöher Milchproduktion in Waldkirchen verzichtet auf Insektizide. Geschäftsführer Heiko Hölzel: "Das nutzt überhaupt nichts, wenn wir durchfahren und ein paar Tage später ist der Befall wieder genauso stark. Wir haben den Raps mit einer Kalk- und Mikronährstofflösung gespritzt. Das dient der Pflanzenstärkung. Jetzt warten wir ab, was passiert."

Andere Betriebe haben keine Probleme. Stephan Pissors etwa, Vorstandschef der Agrargenossenschaft Weidagrund in Pausa berichtet: "Wir haben heute eine große Feldrundfahrt gemacht. Wir sind von der Knospenwelke nicht weiter betroffen. Es wird deswegen keine Ernteeinbußen geben". Auch Daniel Höring von der Agrargenossenschaft Bobenneukirchen ist guter Dinge: "Bei uns ist alles schön gelb, so wie es sein muss."

 
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Kommentare
1
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 25.05.2018
    09:02 Uhr

    aussaugerges: In den USA sind da schon 8 Kultur Pflanzen betroffen.

    Ursachen sind bekannt.

    Die Menschheit rafft sich selbst weg,durch die Gier.

    1 1
     

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