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Was für eine Auszeichnung für einen Lehrer. Auf den T-Shirts steht in Anspielung auf einen Begriff aus der Landwirtschaft: "Drei Jahre Rainer Bestand". Gemeint ist Fachlehrer Rainer Peukert (links), der aus der LW 15/2 eine tolle Klasse geformt hat. Einer der Lehrlinge ist Florian Lampka, der Spross eines Riesenbetriebes in der Ukraine ist und für seine Ausbildung extra nach Reichenbach gekommen war. Das fand auch Top-Lehrling Kristin Knobloch (Zweite von rechts) klasse, die ihre Ausbildung in der LW 15/1 von Fachlehrerin Constanze Lange (rechts) bereits ein halbes Jahr eher als die anderen abgeschlossen hat.

Foto: Franko MartinBild 1 / 2

"Ich liebe diesen Beruf über alles"

Der letzter Schultag gestern für 33 angehende Landwirte war auch ein Tag der Bekenntnisse und Erkenntnisse: Genießt doch Reichenbachs BSZ selbst in der Ukraine einen ausgezeichneten Ruf.

Von Gerd Möckel
erschienen am 09.06.2018

Reichenbach. Wenn Florian Lampka über die Dimensionen seiner elterlichen Landwirtschaft in der Ukraine erzählt, verstummen die Gespräche ringsum. Was der 20-Jährige sagt, hat etwas Märchenhaftes. In Wirklichkeit ist es eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, in der fortan ein Kapitel am Beruflichen Schulzentrum Reichenbach spielt. Am BSZ nämlich hat Florian Lampka seine Ausbildung zum Landwirt mit Erfolg gemeistert. Gestern feierte der kernige und in vier Sprachen bewanderte Typ wie 32 andere Lehrlinge dort den letzten Schultag - wie stets gekrönt von einem Traktoren-Korso durch die Stadt.

Die Fahrt an die Göltzschtalbrücke mit Gruppenfoto von den Landwirtschafts-Klassen LW 15/1 und 15/2 war noch einmal ganz großer Bahnhof. Nun nehmen die Neu-Landwirte Land in allen Himmelsrichtungen unter den Pflug. Florian Lampka im Osten. "In der Ukraine gibt es keine solche fundierte Ausbildung wie hier", erzählte der Spross einer Auswanderer-Familie: 2005 hatten die bei Bochum eine Landwirtschaft betreibenden Lampkas Haus und Hof verkauft, um in der Ukraine eine heruntergewirtschaftete Kolchose zu übernehmen. "Mein Vater hatte darüber einen Bericht gelesen und alles auf eine Karte gesetzt." Jetzt bewirtschaften dort 130 Mitarbeiter zigtausend Hektar Ackerland in der Nähe von Lemberg, dem heutigen Lwiw.

Die Erträge sind gigantisch. Dank der fruchtbarsten Böden des Kontinents - auch Florian Lampka kennt das geflügelte Wort von der Kornkammer Europas. "Dort ist meine Zukunft, eines Tages übernehme ich den Betrieb." Das theoretische Rüstzeug dazu erwarb er sich am BSZ, jetzt folgt noch eine Technikerausbildung. Und warum in aller Welt Reichenbach? "Wir haben einen deutschen Unternehmensberater, der hat uns das BSZ empfohlen." Eine top Adresse, sagt Florian Lampka.

Das unterstreicht Top-Lehrling Kristin Knobloch. Die 22-Jährige ist im erzgebirgischen Elterlein bereits eine unverzichtbare Größe im Agrarbetrieb Seitenglanz. Aufgrund ihrer Leistungen hat sie ihre Lehre ein halbes Jahr eher abgeschlossen, mittelfristig peilt sie einen Meisterkurs an. "Die Ausbildung am BSZ Reichenbach ist absolut klasse, der Stoff wird zudem sehr praxisbezogen vermittelt. Ich kann unsere Schule nur jedem empfehlen, der ein Herz für die Landwirtschaft hat." Kristin Knobloch hat es. "Ich liebe diesen Beruf über alles. Und ganz besonders die Arbeit mit den Kühen", erzählte Kristin Knobloch zudem über einen noch rechtzeitig erkannten Irrtum: Zunächst hatte sie Konditorin gelernt, die Lehre jedoch bald abgebrochen. Jetzt hat sie das große Glück, im richtigen Beruf richtig Gas geben zu können.

Drauf freut sich auch der Cunsdorfer Lucas Wohlrab, der in der Marienhöhe Waldkirchen lernt. Allerdings treibt der Schulabgänger seine Meisterausbildung nicht gleich voran. Ende August geht's für ein Jahr nach Australien. Ein Jahr Work and Travel, bei dem Lucas das Angenehme mit dem Nützlichen verbindet. "Rumkommen und auf Farmen arbeiten. Das war schon lange mein Traum." Und dann? Dann will der Vogtländer den nächsten Traum verwirklichen. Und zwar im Vogtland. "Auch wenn da viele lächeln. Ich will den ersten Dromedar-Hof in der Region aufbauen." Eine Vision mit Zukunft; Kamel-Milch gilt längst nicht mehr nur bei Beduinen als hochgesunde Delikatesse.

Pläne wie diese haben gestern auch Fachlehrerin Uta Lenke ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Während sich ihre Kollegen Rainer Peukert und Constanze Lange ein von den Lehrlingen angezetteltes Bobby-Car-Rennen vor der Berufsschule lieferten (klarer Sieg für die Fachlehrerin für Tierproduktion), sagte Uta Lenke: "Herrlich, das Leben geht weiter. Mit diesen jungen Leuten, mit ihren Träumen und ihrer Liebe zum Beruf. Der letzte Schultag ist auch immer ein Anfang."

 
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