Illegale Müllentsorgung: Spuren sollen Verursacher überführen

Abfallsäcke, Sperrmüll, Chemikalien, Elektronikschrott: Am untere Volksfestplatz herrscht eine gewisse Anarchie. Einem Anwohner platzt der Kragen, das Rathaus reagiert.

Reichenbach.

Immer wieder gibt es illegale Müllablagerungen auf dem unteren Volksfestplatz in Reichenbach. Aktuell wurden neben den Glascontainern diverse Müllsäcke, Kartons und Sperrmüll illegal entsorgt, aber auch Chemikalien, Motoröl, Farben und Elektronikschrott. Der unweit des Container-Standortes wohnende Wolfram Müller (Name auf Wunsch des Betroffenen geändert) spricht von hartnäckigen Wiederholungstätern und hält der Stadt Untätigkeit vor. Er wandte sich daher an die "Freie Presse". Die Stadtverwaltung wiederum sagt, sie gehe den Spuren der Verursacher nach und beziehe dabei auch die Abfallbehörde des Kreises ein.

Dabei dürfte es in diesem Fall relativ einfach sein, verwertbare Hinweise zu finden. Inmitten des umherliegenden Abfalls befanden sich Papiere, deren ursprüngliche Besitzer herauszulesen sind. So lagen dort Geschäftskontoauszüge einer Firma. Ebenso ein Schreiben an einen Mann, der in einen Unfall verwickelt war. Sogar die Mahnung einer Elektrofirma an eine Frau, die ihre Rechnung offenbar noch nicht bezahlt hatte, lag lose im Abfallberg.

Die Selbstverständlichkeit, mit der manche Zeitgenossen Müll auf Kosten der Allgemeinheit wegwerfen, bringt Wolfram Müller auf die Palme. Schon oft habe er Umweltsünder aufgefordert, sie sollten ihren Abfall ordnungsgemäß entsorgen. Doch deren Reaktionen fielen gleichgültig und mitunter auch dreist aus. Die Stadtverwaltung habe seine Hinweise zwar freundlich entgegengenommen, getan habe sich aber nichts. "Wozu haben wir Gesetze?", fragt der Reichenbacher.

Auf eine detaillierte Anfrage der "Freien Presse" reagierte die Stadtverwaltung mit einer umfangreichen Erklärung. "Vermeintliches Gefahrgut, unverschlossene und verschlossene Behälter mit Flüssigkeiten, wurden durch die freiwillige Feuerwehr sichergestellt", erklärt Fachbereichsleiter Matthias Pürzel. Die Menge des an der Cunsdorfer Straße illegal entsorgten Mülls sprenge den Rahmen der Polizeiverordnung der Stadt, daher habe er den Fall an die Abfallbehörde des Vogtlandkreises zur Bearbeitung abgegeben. Im Falle giftiger Substanzen könne es sich um Straftatbestände handeln. Der Kreis habe "zügige Bearbeitung zugesichert". Grundlegende Regelung im Ordnungsamt laut Matthias Pürzel: "Jeder Hinweis wird sofort bearbeitet." Zudem habe der gemeindliche Vollzug der Stadt mit Fotos die Beweise dokumentiert. Und: "Hinweise auf Verursacher wurden festgestellt."

Der Fachbereichsleiter beteuert, die Stadt verfolge Umweltdelikte und beziehe dabei Kreisbehörde und - wenn nötig - Staatsanwaltschaft ein. Mitarbeiter wurden sensibilisiert, auch OB Raphael Kürzingers neu gebildete Ordungstruppe sei bei Kontrollen beteiligt, insbesondere an den Container-Standorten Volksfestplatz und Wasserturm.

Jedoch wird aus der Antwort aus dem Rathaus auch ersichtlich, wo die Säge klemmt. Da das Landratsamt zuständig ist, habe die Kreisbehörde auch den Abtransport zu regeln. Doch das dauere mitunter. Das wiederum führt dazu, "dass Anlieger und vor allem Bürger, die den Missstand meldeten, Untätigkeit vermuten können", räumt Pürzel ein.

Das alles geschieht vor den Augen der Mitarbeiter des städtischen Bauhofes, der am Volksfestplatz seine Zufahrt hat. Aus dem Bauhof hieß es gestern, von den aktuellen Vorgängen erst durch die Presseanfrage erfahren zu haben. Kleinere Ablagerungen beseitigen Bauhof-Mitarbeiter oft selbst. Größere Müllmengen hole der kreiseigene Entsorger KEV meist freitags ab.

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