Illegale Müllentsorgung nimmt zu: Verursacher kommen meist davon

Das Umweltamt beklagt Vogtlandweit einen Trend und wirkt dabei hilflos. Prävention gibt es nicht, die Bürger sollen helfen.

Reichenbach.

Abfallsäcke, Sperrmüll, unverschlossene Flaschen und Dosen mit Farbe, Öl und Chemikalien - und mittendrin Geschäftskontoauszüge einer Firma, ein Mahnschreiben an eine Frau und weitere Papiere, die auf mögliche Urheber hinweisen: Jener am 15. November 2017 von der "Freien Presse" geschilderte Fall illegaler Abfallentsorgung schien klar zu sein. Die Ermittlungen der Umweltbehörde des Vogtlandkreises liefen dennoch ins Leere. "Da die Betroffenen die Taten bestreiten und keine Zeugen existieren, kann die Abfallablagerung nicht gerichtsfest nachgewiesen werden", erklärt nun Umweltamtsleiter Tobias Pohl. Die Verfahren wurden daher eingestellt.

Jene geschilderte Umweltstraftat ereignete sich in Reichenbach. Das Ordnungsamt der Stadt hatte alles dokumentiert und die Unterlagen ans Landratsamt weitergeleitet.

Doch das ist kein Einzelfall. Im Jahr 2015 gingen in der Umweltbehörde des Vogtlandkreises 268 Anzeigen wegen illegaler Abfallentsorgung ein, 2016 stieg der Wert auf 328 und 2017 auf 340. Innerhalb von zwei Jahren ist das eine Zunahme um 27 Prozent. Die Spur des Umweltfrevels zieht sich "relativ homogen" durchs Vogtland, so Pohl. Viele Abfälle landen auf Parkplätzen und Waldwegen. In Nähe der größeren Städte häufen sich die Fälle.

Weil sich die Verursacher nur selten feststellen lassen, und ihnen die Delikte noch seltener nachzuweisen sind, wird noch nicht einmal jeder zehnte Fall im Vogtlandkreis geahndet. 2016 gab es nach Aussagen von Tobias Pohl 23 Ordnungswidrigkeitsverfahren, das entspricht sieben Prozent der Anzeigen. Für 2017 gibt die Behörde 30 Ordnungswidrigkeitsverfahren an, das sind dann immerhin knapp neun Prozent. Die verhängten Geldstrafen reichten in diesen Fällen von 25 bis 500 Euro. Wie bewertet der Kreis diese Entwicklung? Was unternimmt er, um die Umweltdelikte einzudämmen?

Tobias Pohl räumt ganz offen ein: "Wir rechnen auch mit einer zukünftigen Zunahme." Und: "Präventive Programme sind derzeit noch nicht in Planung." Einstweilen setzt die Behörde auf Vernunft und Courage. "Hier bitten wir alle Vogtländer um Hilfe", sagt Pohl, um so zumindest den Verursachern die Kosten in Rechnung stellen zu können. Denn die muss sonst die Allgemeinheit tragen. 2015 gab der Vogtlandkreis 21.700 Euro aus, 2016 waren es 28.300 Euro - ausschließlich für Beräumung und fachgerechte Entsorgung. Der tatsächliche Aufwand liegt höher. Für 2017 nannte Pohl noch keine Zahl.

Meist sind es alte Möbel, Siedlungsabfälle oder Reifen, die illegal entsorgt werden. Mitunter gibt es Ablagerungen, die Tobias Pohl nur "paradox und bar jeder Vernunft" nennen kann. Wenn Gelbe Säcke in den Wald geworfen werden, gehe der Verursacher völlig unnötig das Risiko ein, erwischt zu werden. Schließlich werden jene Abfälle gratis eingesammelt und entsorgt.


Illegale Abfallentsorgung

Das Spektrum der illegalen Abfallentsorgung ist breit. Die meisten Verstöße fallen in die Zuständigkeit der Umweltbehörden, die sie im Rahmen von Ordnungswidrigkeitsverfahren mit Verwarn- oder Bußgeld ahnden. Paragraf 326 Strafgesetzbuch (StGB) ordnet unerlaubten Umgang mit Abfällen, die explosionsgefährlich oder selbstentzündlich sind oder nachhaltig Gewässer, Luft oder Boden verunreinigen oder Bestände von Tieren oder Pflanzen gefährden könnten, als Straftat ein. Die kann mit Geldstrafe oder mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet werden. (ur)

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