Werbung/Ads
Menü

Themen:

Sven Kreher und die neue Attraktion des Goldmuseums: Eine Elster-Flussperlmuschel mit freiliegender, unbearbeiteter Perle (Mitte untere Schale) und einer davorliegenden eingewachsenen Perle.

Foto: Franko Martin

Kleine Sensation: Goldmuseum zeigt Elster-Flussperlmuschel

Das Alt-Exemplar mit freiliegender und unbearbeiteter Perle könnte das einzige seiner Art in Sachsen sein. Da hält nicht mal das Grüne Gewölbe mit. Das neue Exponat stellt auch ein Stück vogtländische Kulturgeschichte dar.

Von Gerd Möckel
erschienen am 13.09.2017

Buchwald. Im Vogtländischen Goldmuseum und Naturalienkabinett in Buchwald gibt es nicht wenige Exponate, deren Glanz weit über das Vogtland hinausstrahlt. Zum Beispiel das größte vogtländische Nugget oder das größte Ei Sachsens - vom längst ausgestorbenen Elefantenvogel. Ein paar Nummern kleiner fällt die neue Attraktion des Museums aus: Eine Elster-Flussperlmuschel mit einer freiliegenden Perle, die hinter dem Glas einer Vitrine glänzt. "Das Schalenpaar mit Schalenperle und einer Einzelperle sind ein Stück vogtländische Kulturgeschichte. Für mich ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen", erzählt Museums-Chef Sven Kreher.

Nach Lage der Dinge stehen Muschel und vor allem die Einzelperle einzigartig in Sachens Museums-Landschaft da. Nicht einmal das Adorfer Perlmutter-Museum kann einen solchen, in direktem Bezug zur jahrhundertealten Geschichte der vogtländischen Perlenfischerei stehenden Schatz präsentieren. "Dort gibt es nur Schalenperlen. Perlen also, die mit der Muschelschale verwachsen sind." Auch im Grünen Gewölbe in Dresden findet sich nichts derartiges. Dort glänzen zwar Flussperlen aus dem Vogtland. "Allerdings sind diese zu Schmuck verarbeitet." Bei der Perle des Goldmuseums handelt es sich um ein freiliegendes naturbelassenes Exemplar.

Flussperlmuscheln gab es im Vogtland einst sehr viele - mehr als gebraucht wurden. Auf das Überangebot geht das geflügelte Wort "Perlen vor Säue werfen" zurück. "Damals wurden Muscheln tatsächlich als Schweinefutter missbraucht", sagt Sven Kreher. Der Museums-Chef hat etliche Publikationen zur Flussperlmuschel und die Suche nach ihr verschlungen: Von 1719 bis 1836, das gilt als verbrieft, wurden im Vogtland 15.000 Perlen gesammelt. Allerdings nur von einer Oelsnitzer Familie. Diese besaß über Jahrhunderte das Privileg zum Fischen - erst das Vorrecht des Oelsnitzer Stadtvogts, ab 1621 das des kurfürstlich-sächsischen Königshauses. Auf wilde Perl-Fischerei stand das Händeabhacken als Strafe.

Die Flussperlmuschel hatte dennoch keine Chance, was auch auf die zurückgehende Wasserqualität in Vogtlands Bächen zurückzuführen ist. Heute gibt es wenige, wohl nicht mehr fortpflanzungsfähige Altbestände und aufwändige Aufzuchtprogramme. Sven Kreher verfolgt das Geschehen mit der Hoffnung auf den Fortbestand der Art. Auf die historische Perle für sein Museum hat er 20 Jahre gewartet. "Es gab immer mal heiße Spuren, die allerdings immer in der Sackgasse endeten." In Gesprächen mit Kennern unter den Museumsgästen oder via Suchauftrag bei Ebay etwa.

Dann, im letzten Winter, half die Vorsehung nach - im Gespräch mit einem vogtländischen Sammler. "Wir redeten über Mineralien aus alten Sammlungen. Da sagte er, er habe etwas, was mich auch interessieren könnte", erzählt Sven Kreher. Als er das etwas sah, fuhren die Gefühle Achterbahn. "Aber ich hatte mich halbwegs im Griff. Ein bisschen Pokerface gehört dazu. Wichtig ist, dass der andere weiß, dass seine Stücke in gute Hände kommen."

Die Zeit nach einem solchen Kauf ist des Sammlers höchstes Glück. Immer wieder hielt Sven Kreher die Raritäten in der Hand, verinnerlichte Aussehen, Beschaffenheit und Einzigartigkeit. Erst nach Monaten wanderten Flussperlmuschel und Perle vom Arbeitszimmer in den Ausstellungsraum des Kreherschen Museums-Wohnhauses - und dessen Geschichte. "Der Herkunftsnachweis ist so wichtig wie ein Stück selbst." Die Geschichte der Elster-Flussperlmuschel und ihrer Perle zeichnet so ein Stück vogtländische Sammler-Geschichte nach.

Der Verkäufer hatte die Muschel (und andere von Sven Kreher gekaufte Raritäten) 1967 aus der Sammlung des Plauener Unternehmers Kurt Weißbach erworben. Der wiederum hatte seine Sammlung um Exponate ergänzt, die der 1971 verstorbene Plauener Geologe und Rechtsanwalt Kurt Habenicht zusammengetragen hatte - im Ersten Weltkrieg sogar unter Lebensgefahr: "Fossilproben wurden von mir unter Granatfeuer gewonnen." Für Sven Kreher sind solche Informationen goldwert. In Bezug auf die nachweisbare Herkunft des Sammelguts und dessen Authentizität: Die Beschriftung der Elster-Flussperlmuschel ist ein Weißbach-Original.

Es ist nicht der einzige Neuerwerb aus der Weißbach-Habenicht-Quelle. Im Museum liegt nun auch der größte Bernstein des Vogtlands. Dessen Alter als Sammlerstück: etwa 100 Jahre. Ob die Muschel auch in dieser Zeit Sammlerobjekt wurde, bleibt offen. Das Oelsnitzer Privileg erlosch 1927 mit dem Tod des kinderlos gebliebenen letzten Fischers. Aus jenem Jahr stammt der letzte Nachweis über den Fund einer Muschel mit Perle im Vogtland.

Fotos zu weiteren neuen Ausstellungsstücken sehen Sie auf Seite 10.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
0

Lesen Sie auch

Kommentare
0
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
Bildergalerien
  • 16.11.2017
Jörg Carstensen
Bambi-Gala mit Tränen, Liebe und Schiffer

Berlin (dpa) - Claudia Schiffers Auftritte sind inzwischen selten. Das merkt man bei der Bambi-Gala. Schon vor ihrer Ankunft ist sie diesmal am - schwarzen - Glitzerteppich Gesprächsthema Nummer eins. zum Artikel ... Galerie anschauen

 
  • 13.11.2017
Sebastian Kahnert/dpa
Bundespräsident Steinmeier besucht Oberwiesenthal

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) ist am Montagmittag auf dem Fichtelberg eingetroffen. Sachsen ist die neunte Station seiner Antrittsbesuche in den 16 Bundesländern. ... Galerie anschauen

 
  • 10.11.2017
Bernd von Jutrczenka
Macron und Steinmeier zwischen Gedenken und Aufbruch

Hartmannsweilerkopf (dpa) - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und sein französischer Amtskollege Emmanuel Macron haben die Freundschaft ihrer Länder beschworen und gemeinsam für Reformen in Europa geworben. zum Artikel ... Galerie anschauen

 
  • 10.11.2017
Andreas Seidel
DHL weiht neue Zustellbasis in Chemnitz ein

Die Deutsche Post DHL Group nimmt am Freitag eine mechanisierte Zustellbasis für die Paketzustellung in Chemnitz in Betrieb. ... Galerie anschauen


 
 
 
 
 
 
Wetteraussichten für Reichenbach
Fr

11 °C
Sa

8 °C
So

3 °C
Mo

1 °C
Di

3 °C
 
Unsere Youtube-Videos

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Freie Presse Immobilien
Immobilienangebote für Reichenbach und Umgebung

Finden Sie Ihre Wohnung in der Region Reichenbach

Immobilienportal

Mietangebote

Kaufangebote

 
 
 
 
Ärztliche Notdienste
Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte finden Sie hier.

weiterlesen
 
 
 
 
Freie Presse vor Ort

08468 Reichenbach/V
Markt 5
Telefon: 03765 5595-0
Öffnungszeiten:
Mo./Di./Do. 9:00 - 13:00 Uhr u. 14:00 - 17:00 Uhr
Mi. und Fr. 9:00 - 13:00 Uhr

weiterlesen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
|||||
mmmmm