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Gedenken an der Gedenkstätte Mühlberg. Reichenbachs OB Raphael Kürzinger und der einstige Mühlberg-Insasse Rolf Schneider aus Reichenbach. Unter den Nazis waren in dem Lager an der Elbe Kriegsgefangene zusammengepfercht, nach dem Krieg unterhielten die Sowjets dort ein längst abgerissenes Speziallager - zu DDR-Zeiten ein Tabuthema. Erst seit der friedlichen Revolution findet das Gedenken in einem öffentlichen Rahmen statt. Heute sind an der Gedenkstätte die Namen vieler Opfer in Tafeln eingraviert.

Foto: privat

Kürzinger setzt ein Zeichen: Erster OB-Besuch in Mühlberg

Der Stadtchef hat bei einer Mahn- und Gedenkveranstaltung im einstigen Speziellager der Sowjets der Reichenbacher Opfer gedacht - mit Rolf Schneider, der im Oktober 1945 wie 40 andere Jungs verhaftet worden war.

Von Gerd Möckel
erschienen am 12.09.2017

Reichenbach/Mühlberg. Es hätte nicht viel gefehlt und der erste Besuch eines Reichenbacher Oberbürgermeisters in der Gedenkstätte Lager Mühlberg wäre ins Wasser gefallen. Denn der Bus, der die Reichenbacher Teilnehmer am Wochenende zu einer Mahn- und Gedenkveranstaltung an die Elbe bringen sollte, hatte eine Panne. Raphael Kürzinger aber und der Reichenbacher Zeitzeuge Rolf Schneider waren individuell an den Standort des einstigen sowjetischen Speziallagers gereist. Der OB war damit einer Einladung des Vereins Initiativgruppe Lager Mühlberg gefolgt. "Die Stadt hatte sich bisher mit Kränzen an dem Gedenken beteiligt. Mir war es jetzt ein Anliegen, persönlich der Reichenbacher Opfer der kommunistischen Willkür zu gedenken", sagte Kürzinger nach seiner Rückkehr.

Der Stadtchef hatte sich bei dem Gedenken mit einer Rede an die dort Jahr für Jahr zusammenkommenden Opfer und deren Angehörige gewandt. "Ich habe ihnen gesagt, dass sie stellvertretend für die Täter leiden mussten und dass sie sich unseres Mitgefühls sicher sein können", sagte der OB. Die Veranstaltung sei für ihn "eine sehr bewegende" gewesen. "Es war etwas ganz anderes, mit den Schicksalen von damals ganz unmittelbar konfrontiert zu werden. Für viele der Menschen, die Mühlberg überlebt hatten, war das Leiden ja nicht vorbei."

Zum Beispiel für Rolf Schneider, der nach drei Jahren Leid in Mühlberg nach Buchenwald kam - in dem KZ der Nazis betrieb der sowjetische Geheimdienst ein weiteres von insgesamt zehn Lagern, in denen oft wahllos Verhaftete unter menschenunwürdigen Bedingungen eingepfercht waren. In Mühlberg, das von 1945 bis 1948 betrieben wurde, waren es insgesamt 21.000. Wer dort nicht starb - die Forschung geht von mindestens 6700 Toten aus - kam anderswo in Haft, zur Zwangsarbeit nach Sibirien oder traumatisiert in die Heimat.

Rolf Schneider war als 16-Jähriger einer von 42 etwa gleichaltrigen Reichenbacher Jungs, die am 11. Oktober 1945 "von Antifa-Leuten" verhaftet und zur sowjetschen Kommandantur gebracht wurden. Dort warf man ihm vor, ein Wehrwolf zu sein - also Mitglied einer nationalsozialistischen Untergrundtruppe. Anderen sagte man, sie hätten die Göltzschtalbrücke gesprengt. Rolf Schneider: "In der Nacht lange Verhöre. Der Russe sagte: ,Du Wehrwolf?' Ich sagte: ,Nein.' Schließlich habe ich ein in russischer Sprache gehaltenes Dokument unterschrieben, das mir nicht übersetzt wurde. Dann wurden wir nach Plauen und Zwickau verlegt." Von dort ging es in Sammeltransporten zum Ort des Grauens, in dem die Menschen aufgrund von Mangelernährung, Kälte und fehlender medizinischer Versorgung wie die Fliegen starben.

In einem Bericht, den Rolf Schneider an OB Kürzinger übergeben hat, schildert der 88-Jährige das Siechen und Sterben in Mühlberg. "Mich lassen die Erinnerungen daran nicht in Ruhe." Die zum Beispiel an Walter Deichmann und Hans Richter, mit denen Rolf Schneider auf der TBC-Station um sein Leben kämpfte. "Beiden musste ich beim Sterben zusehen." Oder an Otto Schreiber, der Monate vorher als Reichenbacher OB die Stadt kampflos an die Amerikaner übergeben hatte. "Er erzählte mir davon und zeigte mir Bilder von seiner Familie. Er überlebte wie so viele nicht."

 
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