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Mirijam und Dirk Graupner hegen große Pläne.

Foto: Silvia Kölbel

Lengenfelder planen Mutter-Kind-Haus

Ein mehr als 400 Jahre altes Fachwerkhaus soll eine neue Nutzung erfahren. Familie Graupner wendet sich an Familien in schwierigen Lebenslagen.

Von Silvia Kölbel
erschienen am 17.04.2018

Lengenfeld. Mirijam und Dirk Graupner aus Lengenfeld betreuen seit acht Jahren neben ihren drei eigenen Kindern auch Pflegekinder, zurzeit sind es zwei. Mirijam Graupner sagt: "Sehr schlimm war es für mich in diesen Jahren zu erleben, wie sehr die Kinder und auch die Mütter unter dieser Trennung gelitten haben." Nun will das Ehepaar ein Mutter-Kind-Haus gründen. Das ist eine Einrichtung, in der Mütter oder auch Väter mit ihren Kindern für eine begrenzte Zeit wohnen können und professionelle Unterstützung und Anleitung bei der Bewältigung des Alltages erhalten.

Das Ehepaar wollte stets auch den Eltern helfen. Die Pflegemutter: "Doch das konnten wir auf Dauer nicht leisten. Und das Jugendamt hat mir auch immer gesagt, das es nicht die Aufgabe der Pflegeltern ist, sich um die Eltern der zu betreuenden Kindern zu kümmern." Aus dieser Situation heraus reifte bei dem Ehepaar über mehrere Jahre der Entschluss zum neuen Projekt.

Die Voraussetzungen bei Graup-ners könnten kaum besser sein: Auf dem Grundstück an der Malzhausgasse steht ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus seit mehr als 20 Jahren leer. Den Umbau nimmt das Paar jetzt in Angriff. Mit Hilfe von Fördergeld aus dem Leader-Programm soll ein Gebäude mit 330 Quadratmetern Fläche entstehen, das sechs Müttern mit bis zu zehn Kindern Unterkunft auf Zeit gewährt. Die Leitung des Wohnheimes übernimmt Dirk Graupner, der dafür als ausgebildeter Erzieher die berufliche Qualifikation besitzt. Mindestens drei weitere Fachkräfte werden gebraucht. Mirijam Graupner: "Das Umfeld hier in Lengenfeld ist ideal. Kindereinrichtungen sind in der Nähe, Ärzte, Freizeitangebote, Einkaufsmöglichkeiten, öffentliche Verkehrsmittel." So könnten sich die Mütter mit ihren Kindern selbstständig in der Stadt bewegen und brauchen keinen Fahrdienst. Hilfe für ihr Vorhaben bekam die Familie von vielen Seiten. "Unsere Eltern stehen hinter uns, auch unsere Freunde", so Mirijam Graupner. Nicht zuletzt gebe auch der christliche Glaube Rückhalt.

Das Landesjugendamt, das für die Betriebserlaubnis zuständig ist und auch das Jugendamt des Landkreises freuen sich über die Entstehung derartige Einrichtungen. Von denen es gebe es zu wenige. Für manche Eltern böten sie die letzte Chance, eine Unterbringung der Kinder in einem Heim zu verhindern, berichten Graupners. Auch ein Kreditinstitut signalisierte Zustimmung, ebenso wie der Fördermittelgeber und der Landesdenkmalschutz, so die Graupners. Von letzterer Behörde können sie nur Positives berichten. Veränderungen am Haus seien möglich. Um die Vorgaben für ein Mutter-Kind-Haus zu erfüllen, ist es unter anderem nötig, Fenster zu vergrößern. Zudem bekommt das Gebäude auf einer Seite in der oberen Etage einen auf Ständern stehenden Anbau, um genügend Platz zu schaffen. Zum Platzangebot gehören Zimmer für die Mütter und ihre Kinder und eine große Küche für alle. Jeweils zwei Mütter teilen sich ein Bad. Zudem braucht das Heim Verwaltungs- und Wirtschaftsräume. Zum Konzept gehören eine kleine Tierhaltung und Beete. "Wir wollen den Müttern Freude am Leben mit ihren Kindern vermitteln und auch zeigen, wie man mit wenig Geld sinnvolle Dinge tun kann", sagt Mirijam Graupner.

Während der Vorbereitung stellte sich heraus, dass das Fachwerkhaus eines der ältesten erhaltenen Gebäude von Lengenfeld ist. Relativ genau konnten die Denkmalschützer die Entstehung auf das Jahr 1598 datieren. Damit ist das Fachwerkhaus an der Malzhausgasse fast 100 Jahre älter, als das Stadtmuseum. "Das war für uns völlig neu. Wir dachten bisher, das Haus stammt aus dem 18. oder 19. Jahrhundert", berichtet Mirijam Graupner. Den baulichen Allgemeinzustand beschreibt Dirk Graupner als gut: "Der Dachstuhl ist in einem sehr guten Zustand. Den wollen wir auch erhalten." Vom Fachwerk sei nicht viel zu sehen, weil die Holzteile verputzt sind. "Wir wollen das Fachwerk zumindest teilweise wieder sichtbar machen. Uns ist es wichtig, das Haus möglichst in seinem Originalzustand zu erhalten", so der künftige Heimleiter. Deshalb sollen einige der im Haus noch vorhandenen alten Möbel einen neuen Platz finden.

Die Entrümpelung hat begonnen. Wenn alle Genehmigungen vorliegen, kann der Umbau frühestens im Herbst beginnen. "Wenn alles sehr gut läuft, können wir vielleicht schon Ende nächsten Jahres einziehen", so die Hoffnung von Familie Graupner.

 
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