Neue Müllgebühr: "Nicht gerecht, aber unsozial"

Ein-Personen-Haushalte werden künftig drastisch benachteiligt, selbst wenn sie wenig Müll entsorgen. Ein Rechenbeispiel.

Reichenbach.

Wer Müll einspart, spart künftig auch Gebühren. So wirbt das Landratsamt bei Abgeordneten des Kreistages um Zustimmung zu den neuen Müllgebühren, die sie heute beschließen sollen. Aus Sicht von Günter Schneider, Vorstand der AWG Wohnungsgenossenschaft in Plauen, muss man das genau anders herum formulieren: "Für alle, deren Entsorgungsverhalten sich nicht ändert oder kurzfristig ändern kann, steht eine drastische Kostensteigerung ins Haus."

Und Schneider setzt noch einen drauf: Die neuen Gebühren seien nicht verursachergerecht - allen beteuerten Absichten zum Trotz.

Als Beleg führt er den Vergleich zwischen einem Ein- und einem Zwei-Personen-Haushalt an: Jede der Personen produziert in seinem Beispiel nicht mehr als die Müllmenge, die der Gesetzgeber als geringsten Wert akzeptiert und die auch in der Abfallwirtschaftssatzung des Vogtlandkreises genannt ist - fünf Liter je Person und Woche. Beide Haushalte buchen die kleinste verfügbare Restmülltonne (80 Liter). Ergebnis: Am Ende des Jahres muss der Alleinstehende 81 Euro zahlen, auch wenn er aufgrund der Behältergröße mit nur drei statt vier Pflichtleerungen ausgekommen wäre. Der Zwei-Personen-Haushalt dagegen kann sich trotz sechs notwendiger Leerungen in seine Gebühr von 87 Euro teilen. "Das ist nicht gerecht, aber unsozial", sagt Schneider. Die neuen, zusätzlich erhobenen Bereitstellungsgebühren (1,92 Euro pro Jahr für 80-Liter-Tonne) fallen kaum ins Gewicht und sind deshalb in dem Beispiel nicht berücksichtigt.

Schneider verweist darauf, dass von seinem Beispiel eine erhebliche Zahl von Mietern betroffen ist: "Unsere durchschnittliche Wohnungsbelegung liegt bei 1,5 Bewohnern." Die AWG und andere Wohnungsgesellschaften unterstützen deshalb die Forderung des Mieterbundes nach einer Vertagung des Gebührenbeschlusses. Die erste öffentliche Diskussion der Müllgebühren dort sei als erste Lesung möglich.

Der Mieterverein steht heute, ab 15.15 Uhr vor dem Landratsamt in Plauen, Postplatz 5, für Fragen zu den geplanten Müllgebühren zur Verfügung. Die Sitzung des Kreistages unter anderem zu den neuen Müllgebühren beginnt 16 Uhr.


Restmüllentsorgung: Alte und neue Gebühren im Vergleich

2016 seit 2017 geplant ab 2019

Landkreis (außer Plauen)

Festgebühr pro Person39,3543,60pro Haushalt 69,00

Leistungsgebühr je Leerung, vier Pflichtleerungen/Jahr

80-Liter-Tonne3,504,503,00

120-Liter-Tonne4,506,004,50

240-Liter-Tonne8,5011,009,00

1100-Liter-Container33,0045,5041,25

Stadt Plauen

Festgebühr pro Person33,5537,74pro Haushalt 69,00

4-wöchentliche Abholung

60-Liter-Tonne22,0026,30Leerungsgebühren

80-Liter-Tonne29,2034,40siehe oben,

120-Liter-Tonne40,0046,50vier Pflichtleerungen

14-tägliche Abholungpro Jahr.

60-Liter-Tonne44,0052,6060-Liter-Tonnen

80-Liter-Tonne58,4068,80werden nicht mehr

120-Liter-Tonne80,0093,00bereit gestellt.

wöchentliche AbholungIn dieser Übersicht

60-Liter-Tonne88,00105,20nicht enthalten sind

120-Liter-Tonne160,00186,00 die neuen Bereit-

1100-Liter-Container1122,401348,00stellungsgebühren.

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