Neuer Name für Solbrigplatz: Was meinen die Bürger dazu?

Der Reichenbacher Stadtrat will erst im April entscheiden, ob Wolfgang Mattheuer neuer Namensgeber wird. Dazu wurde jetzt eifrig diskutiert.

Reichenbach.

Was die ins Auge gefasste Umbenennung des Solbrigplatzes in Wolfgang-Mattheuer-Platz angeht, so hat Reichenbachs Stadtrat am Montagabend zwar lebhaft darüber debattiert, aber noch nichts beschlossen. Gemäß Absprache im Ältestenrat werde die Abstimmung auf den 9. April vertagt, erklärte Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU). Und: "Wir wollen zu dem Thema erst noch die Bürgerschaft hören." Die Idee ist, den international renommierten Künstler Mattheuer als großen Sohn der Stadt zu ehren. Für den wohltätigen Unternehmer und Politiker Carl Friedrich Solbrig bleibe die Solbrigstraße.

Im Amtsblatt, das am 16. März erscheint, soll zur geplanten Umbenennung des Platzes sowie zur Person von Solbrig und Mattheuer informiert werden. "Unten wird es einen Zettel zum Abtrennen geben. Hier können die Bürger ankreuzen, ob sie dafür sind, den Solbrigplatz umzubenennen. Wenn ja, stehen drei Varianten zur Wahl: Mattheuerplatz, Wolfgang-Mattheuer-Platz und Prof.-Mattheuer-Platz", erläuterte gestern Stadtsprecherin Heike Keßler. Die Zettel kann man im Bürgerbüro oder im Rathaus abgeben.

Die Meinungen der Stadträte gingen am Montag weit auseinander. Thomas Höllrich (Linke) fand es richtig, den Platz nach dem weltbekannten Künstler Mattheuer zu nennen, zumal dort auch dessen Plastik "Jahrhundertschritt" aufgestellt werden soll. "Das kleine Reichenbach sollte über den provinziellen Schatten springen", fand er. Oliver Großpietzsch (SPD) erinnerte an Parallelen zu Leipzig, wo auch ein Exemplar der Plastik öffentlich aufgestellt und eine Straße, der Mattheuerbogen, nach dem Künstler benannt ist. Für Reichenbach sei er für Wolfgang-Mattheuer-Platz und nicht für Prof.-Mattheuer-Platz. Man wolle ja den Künstler und nicht den Lehrer ehren.

Alfons Kienzle (CDU) erklärte, er habe 1991 den Karl-Marx-Platz selbst mit in Solbrigplatz zurückbenannt. "Solbrig ist ein Wohltäter von Reichenbach, der auch so einen Platz verdient hat", erklärte er. Im Aufstellen der Mattheuer-Plastik sehe er keinen unmittelbaren Zusammenhang für eine Umbenennung.

Wenn das Denkmal auf den Platz komme, sollte er auch Mattheuerplatz heißen, fand Peter Tillack (Bitex). Allerdings befürchte er, dass in der Bevölkerung "vielfach gar nicht bekannt ist, welchen Stellenwert Wolfgang Mattheuer in der Kunst des 20. Jahrhunderts hat".

Lutz Quellmalz (Gewerbeverein Mylau) erklärte: "Ich halte es für Unsinn, einen bestehenden Platz umzubenennen." Besser wäre Mattheuer als Namensgeber für eine neue Straße oder ein neues Baugebiet. Letzteres befürwortete auch Birgit Schaller (Gewerbeverein Reichenbach). "Bis jetzt haben wir das Kunstwerk noch gar nicht", sagte sie. Ältere Bürger kannten noch den Solbrigplatz, der 1945 in Karl-Marx-Platz umgetauft wurde. Nach der Wende hieß er wieder Solbrigplatz. Ihn erneut umzubenennen, sei nicht nachvollziehbar. "Viele Bürger wehren sich dagegen", so Schaller. "Deswegen wollen wir Bürgermeinungen sammeln", sagte OB Kürzinger.

Lesermeinungen zur beabsichtigten Umbenennung des Solbrigplatzes schicken Sie bitte an die "Freie Presse", Markt 5, 08468 Reichenbach oder via E-Mail an die Adresse red.reichenbach@freiepresse.de.

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1Kommentare
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    GrauerWolf
    07.03.2018

    Geht doch!
    Da fegt, ausgerechnet durch den Ältestenrat angeregt, ein frischer Wind durch das Kämmerlein des Stadtrates und was mit dem ?Runden Tisch Innenstadt? und den fünf Bürgerworkshops als zartes Plänzlein begann, findet nun in einer Anhörung der Reichenbacher Bürger seine Fortsetzung.

    Aber Vorsicht, nach vielen Jahren der Stagnation muß für gelebte Demokratie auf kommunaler Ebene intensiv geworben werden. Eine hohe Bürgerbeteiligung ist dafür der Lohn.
    Demokratie muß sich weiterentwickeln, neue Konzepte anbieten, zu sehr sehnen sich in unsicheren Zeiten schwache, fragile oder traumatisierte Bürger nach einen wehrbereiten Volks- und Staatskörper mit einen starken ?Oberhaupt oder Führer? und setzen Montags ihr Segel gen Dresden.

    Um bei der Bürgerbefragung mehrere Altersgruppen wirksam anzusprechen, kann ein barrierefreies Informations- und Kommunikationskonzept sehr hilfreich sein.
    So könnte die Bürgerbefragung auf zwei Ebenen als Mischform direkter und digitaler Bürgerbeteiligung realisiert werden. Eine Ebene das Amtsblatt, die zweite Ebene digital im Online-Angebot der Stadt Reichenbach.
    Die Plattform ist bereits vorhanden:
    https://www.reichenbach-vogtland.de/stadt-buerger/stadtpolitik/

    Demokratie ist immer eine gute Investition in die Zukunft. Eine bürgernahe, transparente und unbürokratisch aufgestellte Stadt Reichenbach, mit seinen Bürgern als Souverän an oberster Stelle, immer ein Schritt in die richtige Richtung.

    Mit der Demokratie ist es wie in der Natur, was sich nicht weiterentwickelt, fängt an aufzuhören...

    Meint Ihr Grauer Wolf



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