Neuer OB sagt dem Notstand bei Hausärzten den Kampf an

Seit gestern ist Raphael Kürzinger im Amt. Seine Unterschrift hat das perfekt gemacht. Für Ordnung und Sicherheit in der Stadt schwebt ihm eine neue Einsatzgruppe vor.

Reichenbach.

"Wir haben viel vor in Reichenbach. Jetzt kann es losgehen." Mit diesen Worten hat Raphael Kürzinger (CDU) am gestrigen Tag sein Amt als Oberbürgermeister der Stadt Reichenbach im Vogtland angetreten. Seine Unterschrift im Grünen Saal des Rathauses unter ein Papier, in dem er dies gegenüber dem Landratsamt Vogtlandkreis anzeigt, machte die Sache perfekt.

Der Wahlprüfungsbescheid der Kommunalaufsicht traf vorigen Mittwoch im Rathaus ein. Darin wurde die Wahl von Raphael Kürzinger zum hauptamtlichen Oberbürgermeister von Reichenbach für gültig erklärt. Die Prüfung habe keinen Anlass gegeben, das Wahlergebnis zu beanstanden. Damit führt der 49-Jährige für die kommenden sieben Jahre die Geschicke der Stadt. Seine Verpflichtung und Vereidigung wird in der Stadtratssitzung am 6. Juni erfolgen.

Die erste Amtshandlung

"Meine erste Amtshandlung wird es sein, einen Termin mit der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen zu vereinbaren. Thema ist die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums, um dem Hausarztnotstand in Reichenbach entgegenzuwirken", erklärte Kürzinger. Über die Personal-Agentur eines Bekannten aus Zwickau stünden zwei Ärzte aus Osteuropa in der Warteschleife. Optimal wäre, wenn sie mit Fertigstellung des neuen Ärzte- und Wohnhauses der Woba am Solbrigplatz starten könnten.

Ein weiteres wichtiges Thema sei die Aufstockung des gemeindlichen Vollzugsdienstes. Während anderswo Bürgerwehren entstehen, schwebt Kürzinger die Bildung einer nebenberuflichen Einsatzgruppe aus zehn Leuten vor, die auf 450-Euro-Basis Ordnung und Sicherheit in der Stadt durchsetzt - vom Einsatz bei Festen bis hin zum Einschreiten bei Hundekot und wildem Parken. Sie solle sogar mit Schlagstöcken und Pfefferspray ausgestattet werden. "Der Sächsische Städte- und Gemeindetag hält das auf Nachfrage für machbar. Wir sind schließlich die Ortspolizeibehörde", so der OB.

Kürzinger habe schon vor einem Jahr in die Fußstapfen des scheidenden Stadtoberhauptes Dieter Kießling (CDU) treten wollen. Viele Reichenbacher hätten den bisherigen Büroleiter und persönlichen Referenten des OB dazu ermuntert. Auch in der Familie war das besprochen. Dann sei Mylaus Bürgermeister mit der Idee einer Städte-Ehe gekommen. Damit verschob sich die OB-Wahl um ein Jahr.

Eine Einladung an alle

Dass er am 17. April unter vier Kandidaten sofort die absolute Mehrheit bekam, habe Kürzinger "positiv überrascht". Nachdenklich mache ihn indes die geringe Wahlbeteiligung. "Dass es fast 60 Prozent egal war, wer OB wird, stimmt mich traurig. Ich erhoffe mir mehr Engagement für die Stadt und reiche allen die Hand zur Zusammenarbeit", sagt er. Er lädt alle ein, an der Zukunft mitzustricken: "Wir müssen uns neue Ziele setzen, die Stadt neu profilieren." Dass das Oberbürgermeister-Amt in CDU-Hand bleibt, sieht Kürzinger in einem CDU-geführten Land als Vorteil an.

Seinem Amtsvorgänger Dieter Kießling zollt er großen Respekt: "Er hat viel bewegt für Reichenbach. Danke für die 15 Jahre, die mit ihm und durch ihn geprägt wurden." Kießling weilt zurzeit im Urlaub. Seine letzte Amtshandlung war die Leitung der Stadtratssitzung vom Montag voriger Woche. Dort hatte der 65-Jährige seinem Nachfolger zur Wahl gratuliert und ihm Gesundheit, Weisheit und Kraft gewünscht. Nächste Woche wird Kürzinger dann auch ins Amtszimmer des OB einziehen. "Auch wenn es dort keine Engel an der Decke gibt", schmunzelt er.

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