Pachtzinsrückfluss soll Zukunft der Kleingartenvereine sichern

28 Kleingartenanlagen mit 1200 aktiven Mitgliedern gibt es in Reichenbach und seinen Ortsteilen. Ein Beschluss macht die Stadt jetzt zum Vorreiter.

Reichenbach.

Ab 2018 lässt die Stadt Reichenbach fünf Jahre lang die Pachteinnahmen aus dem Generalpachtvertrag mit dem Regionalverband Göltzschtal der Kleingärtner in die Gestaltung der Kleingartenanlagen zurückfließen. Konkret geht es um 13.990 Euro pro Jahr, die somit für Rückbau, Umbau und Erhalt der Kleingartenanlagen sowie für die Erstellung eines Kleingartenentwicklungskonzeptes zur Verfügung stehen werden. Der Stadtrat hat das mit Blick auf die geordnete Rücknahme brachgefallener Gartenflächen einstimmig beschlossen.

"Mit diesem Beschluss ist Reichenbach Vorreiter in Sachsen. Bislang gab es nur Kommunen, die einen Teil des Pachtzinses dafür zurückstellten", sagt Tommy Brumm, Vorsitzender des Regionalverbandes Göltzschtal. Erste Gespräche habe es auch im oberen Göltzschtal gegeben. Als nächste Stadt werde Rodewisch das Thema angehen.

Laut Baufachbereichsleiter Sven Hörning gibt es in Reichenbach 28 Kleingartenvereine, die im Regionalverband organisiert sind. Der Leerstand betrage hier im Schnitt 21 Prozent, in manchen Anlagen aber auch über 80 Prozent. Nachpächter seien oft nur mühsam zu finden. Wie Tommy Brumm sagt, gibt es noch 1200 aktive Kleingärtner in Reichenbach, die meisten mit Ehepartner. Die Überalterung sei immer mehr zu spüren. Während lukrative Standorte weiter gut genutzt würden, seien manche am Sterben. Wenn Parzellen brach fallen, bleiben meist die Lauben stehen. Das sei ein Problem. Zwar habe man einen eigenen Rückbaufonds gebildet, doch man brauche Fördermittel vom Freistaat. Die gebe es aber nur, wenn man die neue Kleingartenentwicklungskonzeption auf den Tisch legen könne. "Wir müssen die Situation der Vereine analysieren und die Belegungszahlen anschauen. Der Trend ist: Wo viele Menschen wohnen, werden viele Kleingärten benötigt", so Brumm. Extreme Hanglagen seien heute ebenso wenig vermittelbar wie Gärten ohne Strom oder Wasser. In etlichen Vereinen gebe es schon Konzepte für die nächsten zehn und 20 Jahre, was an Pachtland zurückgegeben werden soll.

Den Pachtzinsrücklauf in Reichenbach sieht Brumm als "sehr schöne Zwischenlösung". Die Vereine können fortan Förderanträge für Rückbau, Umbau und Erhalt an den Regionalverband stellen. Ein Gremium aus Revisionskommission, erfahrenen Vereinsvorsitzenden und einem Stadtvertreter entscheide dann über die Mittelvergabe.

Zudem möchten die Kleingärtner verstärkt in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. "Wir wollen wieder aktiver ins Leben", erklärt Tommy Brumm. Der Regionalverband sei daher dem Förderverein Parkanlagen in Reichenbach beigetreten. Auch bei Stadtfesten wolle man künftig präsent sein und für die Kleingärten werben.

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