Peinliche Panne: Kleiner Verein sauer auf den Tourismusverband

Der TVV nennt im "Vogtland Journal" falsche Kontaktdaten. Geschäftsführer Kraus räumt den Fehler ein - und er sagt: Die Göltzschtalbrücke genießt keine Priorität.

Netzschkau/Reichenbach.

Das "Vogtland Journal 2018/2019" liegt vor: druckfrisch in einer Auflage von 100.000 Exemplaren, informativ und mit attraktiven Fotos. Doch als Christa Trommer vom kleinen Fremdenverkehrsverein Nördliches Vogtland das Flaggschiff der Werbung des länderübergreifenden Tourismusverbandes Vogtland (TVV) aufschlug, verschlug es ihr die Sprache. Auf der letzten Seite mit den Kontaktdaten aller Tourismusbüros von A wie Adorf bis Z wie Zeulenroda waren für den nordvogtländischen Verein, der sich jährlich um Zehntausende Touristen an der Göltzschtalbrücke kümmert, die falsche Telefonnummer angegeben.

Und das nicht zum ersten Mal. Im Februar 2016 hatte Christa Trommer dem Tourismusverband die neuen Kontaktdaten mitgeteilt - doch der TVV veröffentlichte in seinem "Vogtland Journal" des Vorjahres prompt wieder die alten Telefonnummern. Am 22. März 2017 wies Trommer per E-Mail auf diesen ärgerlichen Fehler hin und bat darum, künftig die richtigen Kontaktdaten zu verwenden. Vergeblich.

Doch als der thüringisch-sächsische TVV fast auf den Tag genau ein Jahr später erneut die falschen Nummern veröffentlichte und außerdem die knapp gehaltenen Angaben zur weltweit größten Ziegelbrücke im "Vogtland Journal" Fehler enthielten, platzte der Vereinsvorsitzenden der Kragen. "Es ist mir unverständlich, dass wichtige Informationen zu unserer Erreichbarkeit einfach ignoriert werden", schrieb Christa Trommer an den Tourismusverband und äußerte einen Verdacht: "Will man hier verhindern, dass der Tourist uns telefonisch erreichen kann?" Denn telefonische Kontakte und direkte Gespräche sollen aus Interessenten und Durchreisenden Vogtland-Touristen oder zumindest Kurz-Urlauber machen.

Eine Woche brauchte der Tourismusverband, dann folgte die Entschuldigung. Es sei "keine böse Absicht", schrieb eine Mitarbeiterin an Christa Trommer, der TVV sei an einer guten Vermarktung im Umfeld der Göltzschtalbrücke interessiert, und dazu gehöre auch die Erreichbarkeit der Tourismusinformationen. Der Fehler sei offenbar "durchgerutscht" und solle sich nicht noch einmal wiederholen, beteuerte die Mitarbeiterin. Dass im "Vogtland Journal" eine falsche Anzahl der Bögen der Göltzschtalbrückegenannt ist, gehe wiederum auf die Kappe der Stadt Reichenbach. Die Tourismus-Publikation setzt auf Zuarbeiten der (zahlenden) TVV-Mitglieder und verlässt sich darauf.

Ende gut - alles gut? Nach Ansicht von TVV-Geschäftsführer Andreas Kraus ist die Panne ausgewertet und der Konflikt damit "intern geklärt" worden. Den Vorwurf, die Göltzschtalbrücke zu benachteiligen, weist er auf Anfrage der "Freien Presse" zurück. Dass auf 96 Seiten das unbestritten als Weltattraktion geltende Bauwerk kaum eine Rolle spielt, räumt Kraus ein, doch das habe Gründe. So gebe es "jedes Jahr bestimmte Prioritäten" - die Göltzschtalbrücke gehöre 2018 nicht dazu.

Ein noch wichtigerer Grund liegt im desolaten Umfeld der Brücke. Der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Vogtland bescheinigt Christa Trommer und ihrem kleinen Verein eine "unermüdliche engagierte Arbeit", jedoch sei die Infrastruktur nach wie vor nicht angemessen. Für den TVV - Slogan: Sinfonie der Natur - sei jedoch klar: "Wir gehen erst in die Vermarktung, wenn die Qualität vor Ort stimmt."

Nach dem Rückzug des Vogtlandkreises, der das Areal an der Brücke an die Stadt Netzschkau zurückgegeben hat, seien die Anrainer-Kommunen zuständig, neben Netzschkau ist das Reichenbach. "Detailfragen sind mit den Bürgermeistern zu bereden", sagt Andreas Kraus.

Kontakt: Fremdenverkehrsverein Nördliches Vogtland, Reichenbach, Weinholdstraße 7, Telefon 0172 2716152 oder 03765 6119926, E-Mail: post@goeltzschtalbruecke.info

www.goeltzschtalbruecke.info

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1Kommentare
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  • 0
    0
    Tauchsieder
    13.04.2018

    Arbeiten wie Amateure!
    Bei dieser Gelegenheit sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der Imbiss "Ketzelmühle", unmittelbar an der Brücke, nicht mehr geöffnet hat. Die Besitzer des Imbiss am ehemaligen Standort des "Ballons" mit dem dadurch größeren Ansturm kaum fertig werden.
    Arbeiten wie Amateure!



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