Polizeichef: Beamte genauso vor Ort wie vor zehn Jahren

Conny Stiehl zeichnet das Bild einer guten Sicherheitslage in Reichenbach. Er lobt die Kommune - und nimmt seine Polizisten in die Pflicht.

Reichenbach.

Diese Frage musste kommen: "Ist angedacht, in Reichenbach wieder eine Polizeiwache einzurichten?" Das wollte Stadtrat Frank Otto (BI Mylau) wissen, als Polizeipräsident Conny Stiehl von der Polizeidirektion (PD) Zwickau in der jüngsten Ratssitzung Rede und Antwort stand. "Ich glaube nicht. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, warum", entgegnete Stiehl, der seit fast 42 Jahren Polizist ist.

Das Autobahnpolizeirevier Reichenbach sei rund um die Uhr besetzt und ansprechbar. Stiehl nimmt dabei seine Leute in die Pflicht: "Ich habe jeden unterschreiben lassen: Jeder Polizist ist dafür zuständig, Bürgeranliegen nachzugehen." Niemand sei berechtigt, Bürger wegen Unzuständigkeit wegzuschicken.

Eine Wache, ein Revier sei ein Haus. "Vor Ort sind die Polizisten aber noch genauso da wie vor zehn oder 15 Jahren", sagte Stiehl und listete auf: Der Streifendienst sei ebenso im Einsatz wie Kripo, Einsatzzug und Hundestaffel. Im Autobahnpolizeirevier Reichenbach sei die Verkehrspolizeiinspektion der PD Zwickau angesiedelt worden. Im Bereich Prävention sei man dabei, die Beratung von Schülern und Bürgern wieder aufzubauen. Hinzu kommen die Bürgerpolizisten und die Sächsische Sicherheitswacht. Reichenbach, so lobte Stiehl, gehöre zur wachsenden Zahl von Kommunen, die eine eigene Polizeibehörde unterhalten. Gemeint sind die sechs Frauen und Männer der flexiblen Einsatzgruppe des Ordnungsamtes.

Laut Stiehl gebe es rund 120 Polizeieinsätze im Monat in Reichenbach, vier am Tag. Ein, zwei Funkstreifenwagen seien stets im Raum Reichenbach verfügbar. "Bei allen Einsätzen im letzten Monat waren unsere Kollegen binnen zehn Minuten vor Ort, oft auch schneller." 2017 stehen 1250 Straftaten in Reichenbach zu Buche. Die Aufklärungsrate liege über 60 Prozent und somit "im ganz oberen Bereich von Sachsen", freute sich der Polizeichef.

Stadtrat Jens Pfretzschner (fraktionslos) fragte an, was es mit Gerüchten auf sich habe, wonach es bei Polizisten Unmut über Asylsuchende gebe, weil deren Respekt zu wünschen übrig lasse. Stiehl räumte ein, dass die Kurve der Ausländerkriminalität 2016 einen Ausreißer nach oben hatte. Mit den Asylbewerbern hätten sich die Probleme für seine Mitarbeiter erhöht. Es sei aber besser geworden. 2016 habe es in Reichenbach 115 Ausländer unter den straffällig gewordenen Personen gegeben, 2017 waren es laut Stiehl 90. "Anstand und Achtung untereinander lassen aber generell nach. Das kann man nicht auf Ausländer reduzieren", so der Polizeichef.

Stadtrat Henry Ruß (Linke) meinte, dass die Stadt das Geld, das sie für ihre Polizeibehörde ausgibt, sonst in Jugend- und Sozialarbeit stecken könnte. "Es kann nur eine Ausnahme sein, dass Kommunen Aufgaben des Staates übernehmen", meinte er. "Nein, das ist nicht ausschließlich Aufgabe des Staates. Mit der Polizeibehörde nimmt die Kommune ihre eigene Verantwortung wahr", entgegnete Stiehl. Künftig werde es Regelungen für die Polizeibehörde und für die klassische Polizei, sprich den Polizeivollzugsdienst, geben. Was die von Ruß hinterfragte Überlastung der Polizei betrifft, sagte Stiehl: "Wir sind nicht unterbelastet. Im Schnitt leisten alle sechs Stunden Mehrarbeit im Monat."

Die Bürger ermunterte der Polizeipräsident: "Wenn Sie die Polizei brauchen, dann rufen Sie die 110!" Nicht wegen Unfug, aber bei jedem ernsten Anliegen. "Dann geht ein Kollege vom Lagezentrum ran. Der hat den Überblick und disponiert die Kräfte", erläuterte Stiehl. Das sei besser, als über die Revier-Telefonnummern anzuklingeln.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...