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Bei der Einwohnerversammlung in der Neumarker Oberschule stellte Bürgermeister Ralf Fester (links) das Kindergartenprojekt vor.

Foto: Franko MartinBild 1 / 2

Pro und Kontra zur Zentral-Kita

Die Ansichten von Befürwortern und Gegnern prallten bei der Einwohnerversammlung zum geplanten Kita-Neubau in Neumark aufeinander. Am Sonntag ruft dazu ein Bürgerentscheid.

Von Gerd Betka
erschienen am 10.01.2018

Neumark. An die 100 Bürger sind am Montag zur Einwohnerversammlung in die Oberschule Neumark gekommen. Thema war der Bau einer zentralen Kindertagesstätte als Ersatz für die drei vorhandenen Kitas in den drei Ortsteilen.

Bei zunächst schlechter Akustik und Sauna-Temperaturen trug als Erster Bürgermeister Ralf Fester eine Präsentation "als Entscheidungshilfe" für den am Sonntag anstehenden Bürgerentscheid vor. Knackpunkt: Die bisherigen drei Kitas befinden sich in Altbauten. Dort gebe es erhebliche Defizite bei Brandschutz und Sicherheit. "Solche Altbauten werden heute nicht mehr als Kita zugelassen", erklärte er. Die Alternative: ein Neubau mit 150 Plätzen. Konkret: ein barrierefreier Flachbau auf dem Unteren Sportplatz in Neumark. Dieser biete sowohl für die Kinder als auch für das Personal beste Bedingungen. Der 1. Entwurf des Raumkonzeptes, der für den Fördermittelantrag nötig gewesen sei, weist laut Fester für die Krippe vier Gruppenräume für je zehn Kinder und zwei Schlafräume sowie für den Kindergarten acht Gruppenräume für je zwölf Kinder, extra Sport- und Turnräume und eine Freispielfläche aus. Von jedem Gruppenraum solle es einen Zugang ins Freie geben. Die Kosten werden auf 3,75 Millionen Euro beziffert, 25.000 Euro pro Platz. Neue Küche und Straßenbau inklusive. Dafür seien Fördermittel von 750.000 Euro zugesagt. Drei Millionen Euro müsste die Gemeinde per Kredit finanzieren. Nach den 45 Minuten gab es Beifall.

Für die Initiative Pro Kitas Neumark erinnerte Ingrid Wollmann, dass 650 Unterschriften für den Erhalt der bestehenden Kindereinrichtungen in allen drei Ortsteilen gesammelt wurden. "Das Wohl der Kinder ist das Wichtigste. Auf der Zielgeraden treffen wir uns. Aber unser Weg ist ein anderer", sagte sie. Thomas Ehrhardt fasste diesen Weg in einer Präsentation zusammen. Die Vorteile kleiner Kitas sehe man in der familiären Atmosphäre, individueller Betreuung und naturnahen Einzelstandorten. Eine Groß-Kita bedeute indes Stress für die Kinder und eine höhere Wahrscheinlichkeit, sich mit Krankheiten anzustecken. Auch sei in Stoßzeiten an einem Neubau in Neumark ein Verkehrschaos zu befürchten. Jede Kita sei Teil der Identität eines Ortsteils. Mit einer Kita werde ein Ort attraktiver für junge Familien, aber auch für die Wirtschaft. "Wir meinen, dass die Kosten für die Sanierung der Kita Reuth und der Neubau einer Klein-Kita für 70 Kinder in Neumark wesentlich billiger sind als der Neubau einer Großkita." Zumal die Kita Schönbach ja bereits saniert sei. Dafür seien nur 1,5 Millionen Euro Kredit nötig. Die Pro-Kopf-Verschuldung der Gemeinde würde damit nicht so sehr steigen, es blieben Handlungsspielräume für künftige Aufgaben. Nach 19 Minuten gab es auch dafür Beifall.

In der Diskussion gab es Kritik aus Schönbach an den Neubauplänen. Ortschaftsrat Andreas Singer fragte, warum die dortige Kita erst für 400.000 Euro saniert wurde, wenn sie nun geschlossen werden soll. "Das ist nicht nachhaltig", hielt er fest. Die Schulden würden zudem bei einer Kreditlaufzeit von 30 Jahren den nächsten Generationen aufgebürdet. Ortsvorsteher Lothar Mittenzwei erklärte: "Bis auf den Flachbau kann man alles andere auch in den bestehenden Kitas machen." Für ihn steht fest: "Ein Ort ohne Kinder ist kein Ort mehr. Man sollte nicht nur an die Ökonomie denken." Gemeinderätin Barbara Bätz (CDU-Fraktion) hielt entgegen, dass die Zusammenarbeit im Ort nicht nur am Kindergarten hänge. Eine Schönbacherin fand: "Wenn man von Zukunftsfähigkeit spricht, geht es hier immer nur um Neumark." Also die Kerngemeinde.

Eine Neumarkerin sprach sich für den Neubau aus: "Ich komme aus einer Groß-Kita. Es hat mir nicht geschadet. Man muss nicht immer Angst vor Neuem haben", sagte sie. Auf Nachfrage von FDP-Gemeinderat Wolfgang Pammler zu den Betreuungszeiten erklärte Kämmerin Annette Donath, in einem Neubau könne man von 6 bis 18 Uhr öffnen.

Was die Fördermittel für den Neubau in Höhe von 750.000 Euro angeht, so sagte der anwesende Kreisrat Ulrich Lupart (AfD): "Das zweifle ich an." Bürgermeister Fester erklärte, es seien dreimal 250.000 Euro, weitergereichte Bundesmittel. "Haben Sie das schriftlich?", kam die Frage aus der Runde. "Mündlich vom Landrat", antwortete Fester. "Wir brauchen viel, viel mehr Geld", hieß es an die Adresse des anwesenden Landtagsabgeordneten Stephan Hösl (CDU). Der neue Ministerpräsident wolle den ländlichen Raum stärken, es solle mehr Geld für die Kinderbetreuung fließen, sagte dieser und versprach, sich einzusetzen.

Bürgermeister Fester hatte eingangs erklärt, dass alle Gruppen mit ihren Erzieherinnen in den Neubau umziehen würden. "Es wird nichts durcheinandergewürfelt." Kämmerin Donath rechnete vor, dass im August 2019 im Krippenbereich in Reuth 1,4 und in Schönbach 1,5 Betreuer nötig seien, mithin also vier Personen. Im Neubau würden indes drei Personen ausreichen. Wie das gehen soll, ohne Gruppen zusammenzuwürfeln, blieb offen.

Die Sanierungskosten für die drei bestehenden Kitas, die im Dezember-Amtsblatt noch mit 2,95 Millionen Euro angegeben waren, bezifferte Bauamtsleiterin Marion Dick diese am Montag auf 3,28 Millionen Euro. Warum, blieb offen. Ein Problem sieht Ralf Fester darin, wo die Kinder bei einer Sanierung der bestehenden Kitas untergebracht werden sollen. Da konnte Pro Kitas helfen: "Es gibt Containerlösungen. Dazu braucht es aber den Willen, für Alternativen offen zu sein."

FDP-Gemeinderatsfraktionschef Siegfried Kluge sagte, man warte jetzt das Ergebnis des Bürgerentscheids ab. Dann gehe die Arbeit los.

 
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