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BStU-Chef Roland Jahn (im schwarzen Anzug) mit der Bundestagsabgeordneten Magwas und OB Kürzinger auf Tour in Reichenbach. Rechts im Bild: die kürzlich mit der Verfassungsmedaille geehrte Sabine Popp.

Foto: Carsten Steps

Spurensuche in Reichenbach: Roland Jahn besucht Jürgen Fuchs

Der Chef der Stasiunterlagenbehörde und Freund des 1999 verstorbenen Bürgerrechtlers hat sich vor Ort ein Bild gemacht.

Von Petra Steps
erschienen am 17.06.2017

Reichenbach. Eine ungewohnt hohe Zahl an Menschen steht vor dem Haus Am Mühlgraben 13 in der Reichenbacher Altstadt. Dort lebte der Bürgerrechtler, Psychologe und Schriftsteller Jürgen Fuchs (1950 bis 1999). Roland Jahn, der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU), kam am Donnerstagnachmittag mit der CDU-Bundestagsabgeordneten Yvonne Magwas, um an den gebürtigen Reichenbacher zu erinnern.

"Ich finde es schlimm, dass ich nicht mit meinem Freund zusammen hier war. Er ist leider viel zu früh verstorben", erklärte Jahn den Anwesenden, unter ihnen OB Raphael Kürzinger und der Landtagsabgeordnete Stephan Hösl (beide CDU). Jahn kannte Jürgen Fuchs aus der gemeinsamen Zeit in Jena. Nach Gefängnis und Ausweisung trafen sich beide in Westberlin wieder.

Jahn lobte, dass die Tafel am Wohnhaus trotz gebotener Kürze das Wirken von Jürgen Fuchs in seiner Komplexität erfasst, als Psychologe, Schriftsteller und Bürgerrechtler. "Bürgerrechtler blieb er bis an sein Lebensende", erklärte Jahn und berichtete von der Herausgabe der Publikation Dialog, in der Fuchs ab 1986 politische und literarische Texte zusammenstellte und in die DDR schmuggeln ließ. Fuchs sei einer der Stillen gewesen, die nie in den Vordergrund wollten, humorvoll, immer für seine Freunde da, nicht so verbittert wie oft dargestellt. Roland Jahn erzählte davon, wie Jürgen Fuchs einfach seine Strafe zahlte, als er wegen Protestes gegen die Raketenstationierung in Bitburg die Weihnachtszeit im westdeutschen Gefängnis verbringen sollte. Anders als viele, die den Menschen in der ehemaligen DDR ihren Stempel aufdrückten, sei Fuchs immer für Differenzierung eingetreten.

Die Spurensuche führte an Reichenbacher Orte, die mit dem Namen Jürgen Fuchs und der politischen Wende 1989 verbunden sind. Vom Mühlgraben ging es zum Kirchplatz und weiter zur früheren Erweiterten Oberschule, jetzt Goethe-Gymnasium, wo Jürgen Fuchs sein Abitur ablegte. Nach einem kurzen Abstecher zur früheren SED-Kreisleitung in der Bahnhofstraße endete der Rundgang in der Jürgen-Fuchs-Bibliothek. Mitarbeiterin Melanie Schönhoff hatte an den Stationen Gedichte von Jürgen Fuchs gelesen, vom Haus am Mühlgraben und dem Raumbach in seinen bunten Farben, von der Altstadtschule mit ihrem grauen Gebäude und der Schalmeienkapelle, von Reichenbach, das nichts weiter habe als zwei Kinos, drei Kirchen und den Wasserturm als Wahrzeichen, von der damaligen Erweiterten Oberschule und dem Lehrer Hieke, der ihm mehr als ein Lehrer war.

"Sie setzen Zeichen, auch mit dem Bibliotheksnamen", lobte der Bundesbeauftragte die Stadt Reichenbach. Er regte an, eine Tafel mit dem Gedicht über die Reichenbacher Altstadt beim Eingang zum Angerviertel im Park der Generationen anzubringen und dort auf das nahe Geburtshaus hinzuweisen.

Der Bundesbeauftragte will wieder nach Reichenbach kommen und mit Schülern des Gymnasiums über die DDR-Zeit sprechen. Jahn will sich dafür stark machen, dass die Jürgen-Fuchs-Bibliothek wenigstens einen Jahrgang der von Jürgen Fuchs herausgegebenen Publikation "Dialog" erhält. Lutz Niepold, Schulleiter des Gymnasiums, denkt zusammen mit Melanie Schönhoff über ein Jürgen-Fuchs-Thema für eine komplexe Lernleistung nach.

"Der Rundgang war eine gute Kombination und hat mir etwas gegeben. Wir werden schauen, ob wir ein paar Dinge gemeinsam tun können", versprach der Bundesbeauftragte nach dem für ihn wohl bewegendsten Moment des Rundgangs: dem Blick auf ein Fuchs-Porträt in der Bibliothek.

 
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