Tarifkonflikt bei Trafobauer SBG Neumark: Gewerkschaft erhöht mit Warnstreik Druck

Neumark. Mit dem zweiten Warnstreik innerhalb von vier Wochen hat die IG Metall die Gangart in den Haustarifverhandlungen mit dem Trafobauer SBG Neumark verschärft. Nach der jüngst ergebnislos verlaufenen vierten Verhandlungsrunde legten am Dienstag bis zu 200 Beschäftigte die Arbeit nieder und forderten bei Kundgebungen vor dem Werktor lautstark eine Nachbesserung des Arbeitgeberangebotes. "Wir haben nach acht Stunden keinen Kompromiss gefunden, auf den wir uns hätten einlassen können", sagte Gewerkschaftssekretär Florian Hartmann unter Beifall und Pfiffen aus Trillerpfeifen. Deshalb müsse der Druck auf die Arbeitgeberseite erhöht werden.

Bisher weigere sich die SBG-Geschäftsführung, "eine Entwicklung der Grundentgelte sicherzustellen, die im Gesamtvolumen der Entwicklung der Flächentarifverträge entspricht". Der Arbeitgeber habe sein Angebot zwar nachgebessert, unter dem Strich stehe vergleichsweise jedoch immer noch "ein deutliches Minus". Eine "dauerhafte Abkopplung" der Löhne hinsichtlich des im Februar erzielten Pilotabschlusses für die Branche werde es mit der Gewerkschaft aber nicht geben. Nach Aussagen der IG Metall bedeute das Arbeitgeberangebot für die SBG-Beschäftigten im Vergleich mit der Fläche ein Einkommensminus im Grundentgelt von - je nach Entgeltgruppe - zwischen 1300 und 2100 Euro, gerechnet auf die Laufzeit. Dieses "leicht verbesserte Angebot" sei jedoch von "neuen Gegenforderungen" deutlich relativiert worden. "Im Gegenzug will man das durchschnittliche Leistungsentgelt absenken, außerdem will man die Entgeltsicherung für ältere Arbeitnehmer streichen." Bleibe dies so "und wird die Lücke bei der Entwicklung des Grundentgelts nicht geschlossen", stünden überaus konfliktreiche Auseinandersetzungen bevor.

Wie der Gewerkschafter informierte, werde es in dem Tarifkonflikt jedoch nach Lage der Dinge keinen weiteren Warnstreik geben. "Dieses Instrument wollen und können wir nicht endlos einsetzen", sagte Florian Hartmann - auch weil die in den Ausstand getretenen SBG-Mitarbeiter die Streikzeit nicht bezahlt bekommen. Deshalb wurden die Beschäftigten im Rahmen des Arbeitsausstands über die formalen "Abläufe und Folgen einer etwaigen Urabstimmung informiert". Möglich seien längerfristige Streiks, in deren Rahmen Verdienstausfälle ausgeglichen würden. "Wir wollen das aber nicht", sagte Hartmann. Man hoffe weiter auf eine Einigung mit dem Arbeitgeber, der "allerdings seine Blockadehaltung" aufgeben müsse. Die Gewerkschaft will für Ende des Monats zu einer fünften Verhandlungsrunde einladen.

Hintergrund: SBG Neumark war im Januar aus dem tarifgebundenen Arbeitgeberverband ausgetreten. Seither läuft die Auseinandersetzung zwischen der Geschäftsführung und der Gewerkschaft im Rahmen von Haustarifverhandlungen. SBG hatte auf Nachfrage erklärt, sich nicht öffentlich zu Details des Tarifkonflikts äußern zu wollen. (gem)

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