Tourismus: Stärkere Präsenz an der Göltzschtalbrücke nötig

1,2 Millionen Euro gibt die Stadt Reichenbach jährlich für Kultur aus. Was an Geld in den Fremdenverkehr fließt, blieb indes beim 5. Bürgerworkshop unerwähnt. Doch gerade hier braucht es neue Ansätze und Vernetzung.

Reichenbach.

Die Göltzschtalbrücke ist der Dreh- und Angelpunkt für die Entwicklung des Tourismus' in und um Reichenbach. Das wurde am Donnerstagabend beim 5. Bürgerworkshop "Kultur & Tourismus" zum Konzept "Reichenbach 2030" deutlich, zu dem 22 Interessenten ins Rathaus gekommen waren.

"Die größte Ziegelbrücke der Welt zieht die Touristen an. Um sie länger hier zu halten, müssen die Gastronomie entwickelt, das Brückenmuseum offen gehalten und eine Beschäftigung für Kinder angeboten werden. Von hieraus kann man dann andere touristische Ziele anpeilen", sagte OB Raphael Kürzinger (CDU). Sein Referent Dirk Postler verwies auf Wasserturm, Burg und Stadtkirche Mylau, Neuberin-Museum und Alaunwerk. Konkrete Pläne gibt es laut Kürzinger für den Lückenschluss zwischen Göltzschtal- und Elstertalradweg. Dazu werde es übernächste Woche einen Termin mit allen Akteuren aus Sachsen und Thüringen geben. Durch E-Bikes gebe es neues Potenzial.

Für Christa Trommer, Chefin des Fremdenverkehrsvereins "Nördliches Vogtland", der in 25 Jahren über zwei Millionen Gäste an der Göltzschtalbrücke ehrenamtlich beraten hat, steht fest: "Die Präsenz da unten müssen wir verstärken." Klar formulierte sie die Aufgaben: öffentliche Toiletten ganzjährig an der Brücke, eine Überdachung der Pergola am Aussichtspunkt sowie das Freischneiden der Sichtachsen aller fünf Jahre. Gedanken machen müsse man sich über die Gastronomie. Zumal, so Trommer, nach entsprechenden Ankündigungen Ende nächster Saison damit an der Ketzels Mühle Schluss sein könnte. Und: "Wir brauchen einen schönen Rundwanderweg." Letzterer sollte als Uferweg entlang der Göltzsch gestaltet werden, erklärte Regina Möller. "Wir prüfen das im Bauamt", versprach der OB. Zusammen mit der Stadt Netzschkau will er zügig alle Akteure ins Boot holen und ein gemeinsames Konzept stricken. Petra Steps, Autorin und Organisatorin der Krimi-Literatur-Tage Vogtland, forderte, das nötige Geld für den Erhalt des Infopunktes an der Brücke aufzubringen. "Zwei Euro pro Stunde sollten wohl drin sein."

"Die Leute machen kürzere, aber mehr Reisen", erklärte Reisefachfrau Silke Baumann. Dabei sei das Nördliche Vogtland in keinem einzigen Katalog vertreten, bedauerte sie. Sie regte einen Flyer an, der über Freizeitmöglichkeiten informiert und in allen Pensionen und Ferienwohnungen ausliegen sollte. Bergwerksdirektor Werner Albert ging auf die Pflege der Wanderwege ein und freute sich, dass das Besucherbergwerk Alaunwerk Mühlwand noch in diesem Jahr wieder öffnen werde.

Um mehr attraktive Verweilpunkte zu schaffen, kann sich der OB vorstellen, den historischen Stadtrundweg und den Textillehrpfad, die teils durch Vandalen zerstört wurden, wieder herzurichten.

Petra Werner hinterfragte die mögliche Öffnung des Museumszentraldepots im Park der Generationen und machte sich für einen Radweg zum Oberreichenbacher Bad stark. Laut OB wolle man letzteren Vorschlag in die Erarbeitung des Radwegekonzeptes einbeziehen.

Zum Thema Kultur und Kommune informierte Abteilungsleiter Frank-Michael Krüger, dass die Stadt jedes Jahr rund 1,2 Millionen Euro für Kultur ausgibt. Im Einzelnen sind das 435.000 Euro für die Jürgen-Fuchs-Bibliothek, 231.000 Euro für das Neuberin-Museum sowie Zuschüsse in Höhe von 308.000 Euro für die Vogtland-Philharmonie, 72.800 Euro für die Musikschule Vogtland, 85.500 Euro für den Förderverein Burg Mylau, 40.000 Euro als Sitzgemeindeanteil für das Neuberinhaus und 18.000 Euro für Vereine und Verbände. Es gebe im Bereich Kultur und Kunst 27 Vereine und Interessengruppen in der Stadt. Darunter Ars Popularis, den Frauenchor, den Heimatverein Schneidenbach, die Chronical Moshers, die Kunsthalle Vogtland und den Musikverein Mylau-Reichenbach.

Am Runden Tisch gab es laut Krüger zwei Ideen: Zum einen ein stadtweites Theaterevent, zum anderen Filmnächte in leer stehenden Gebäuden. Petra Steps konnte sich mit beidem nicht anfreunden. Sie verwies auf schon jetzt, abgesehen vom Weihnachtsmärchen, nicht ausgebuchte Theateraufführungen von Ars Popularis. Sinnvoller sei es, den Theaterbus nach Plauen wiederzubeleben. Und Filmnächte gebe es im Sommer auf Burg Mylau, auch das Neuberinhaus biete Möglichkeiten dafür. Für den Altkreis Reichenbach und die Nachbarkommunen regte Steps an, einen Flyer zu entwickeln, der alle Veranstalter vereint. Zur Vernetzung und besseren Terminabstimmung schlug sie einen Veranstalter-Stammtisch vor.

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