20 Jahre Nachbarschaftsstreit und immer noch kein Frieden

Zwei Meeraner Nachbarn leben wegen eines Gartenzauns in Feindschaft. Selbst das Urteil eines Richters legt den Konflikt nicht bei.

Meerane. 1999 muss das Schicksalsjahr des Nachbarschaftsstreits gewesen sein. Damals trat die mittlerweile deutschlandweit bekannte Regina Zindler aus Auerbach in der Gerichtsshow von Barbara Salesch auf. Ihr Problem: Der Nachbar ließ den Knallerbsenstrauch in ihren Maschendrahtzaun wachsen. Die Klage wurde abgewiesen. Umso erfolgreicher war der Song, den Moderator Stefan Raab hinterher über den Fall komponierte.

Im 44 Kilometer von Auerbach entfernten Meerane brach 1999 ebenfalls ein Streit zwischen zwei Nachbarn aus. Auch dort ging es um einen Gartenzaun. Irgendwann wurde ein Friedensrichter zurate gezogen, es half nichts. Später befassten sich Anwälte und ein Richter mit dem Fall. Doch bis heute herrscht kein Frieden zwischen den Bewohnern der beiden Einfamilienhäuser. Das Problem: Der Gartenzaun gehört einem 69-jährigen Meeraner, der den Streit zwar öffentlich machen, aber anonym bleiben will. Der Zaun samt Betonsäule hat sich im Laufe der Jahre zur Grundstücksseite seines Nachbarn abgesenkt. Daraufhin verlangt der Nachbar, dass er den Zaun richtet. Der 69-Jährige sieht das jedoch nicht ein - schließlich habe eine Ausgrabung des Nachbarn überhaupt erst verursacht, dass sich der Zaun absenkt. 2007 treffen sich beide bei einem Friedensrichter. "Danach ist zwar nichts passiert, es herrschte aber zehn Jahre Ruhe", sagt der 69-Jährige. Im Sommer vergangenen Jahres geht der Ärger von Neuem los, dieses Mal mit Briefen vom Anwalt seines Nachbarn. "Ich habe nachgegeben und die Säule und den Zaun erneuert", sagt der Meeraner. Doch das reicht dem Kläger nicht: Er will, dass alle Zaunsteine, die auf sein Grundstück ragen, begradigt werden.

Wieder treffen sich die beiden bei einem Richter, dieses Mal im November mit zwei Anwälten im Amtsgericht Hohenstein-Ernstthal. Dort einigen sie sich auf einen Vergleich: Der 69-Jährige muss den Großteil der Prozesskosten tragen und im Frühjahr die schrägen Steine richten. "Ich habe mich in der Situation so machtlos gefühlt, obwohl ich doch recht habe", sagt der Senior im Nachhinein. Geschlagen geben will er sich jedoch immer noch nicht. Er möchte mit allen Mitteln beweisen, dass der Nachbar seit 1999 Schuld an der ganzen Misere hat. Der Meeraner Anwalt des Nachbarn, Klaus Günter Orth, äußert sich nicht zu dem Fall.

Laut Günter Elfmann, Direktor des Amtsgerichts Hohenstein-Ernstthal, bleibt die Anzahl an Nachbarschaftsstreitereien, die pro Jahr vor Gericht ausgetragen werden, konstant. "Sie bewegt sich insgesamt auf einem niedrigen Niveau", fügt Elfmann hinzu. Er empfiehlt den Parteien, sich in solchen Angelegenheiten bei einem Schiedsgericht zu einigen und Lösungen zu vereinbaren. Ist jedoch einmal ein gerichtlicher Vergleich ausgehandelt worden, kann dagegen kein Widerspruch eingelegt werden.

Es sieht also eher schlecht für den Meeraner aus. Regina Zindler hat übrigens wegen des Medienrummels ihr Haus in Auerbach 2002 aufgegeben und ist nach Berlin gezogen. Mittlerweile soll sie jedoch wieder in Sachsen leben.

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