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Betrüger machen sich die Arglosigkeit der Bürger zunutze. "Bei fragwürdigen Rufnummern nicht zurückrufen", raten Verbraucherschützer.

Foto: Jan-Philipp Strobel

Die fiese Masche mit den verpassten Telefonanrufen

Die sogenannten Ping- Anrufe nehmen zu. Den Telefonhörer abheben ist kein Problem - aber ein Rückruf wird schnell teuer.

Von Frank Dörfelt
erschienen am 15.11.2017

Zwickau. Es ging schnell: Das Telefon klingelte nur ganz kurz. Gottfried Schmieder hatte den Anruf gar nicht mitbekommen. An den folgenden Tagen hatte der 74-jährige Zwickauer wiederholt eine fremde aber immer gleiche Nummer auf seinem Telefondisplay stehen. Schließlich siegte die Neugier: Er ruft zurück und landet in einer fiesen Telefonmasche, die ihn rund 40 Euro kosten soll. In einer Warteschleife wird er zehn Minuten lang festgehalten, bis er schließlich auflegt. Doch da ist es bereits zu spät.

Es handelte sich um einen sogenannten Ping-Anruf, der nur einen Zweck hat: einen teuren Rückruf zu provozieren und den Anrufer dann so lange wie möglich in der Leitung zu halten. Wie die Pressesprecherin der Bundesnetzagentur Carolin Bongartz sagte, wird diese Masche derzeit verstärkt angewendet um arglose Festnetz- und Handykunden regelrecht abzuzocken. Mindestens drei Euro werden pro Minute berechnet, nach oben gibt es kaum Grenzen. Im Jahr 2016 gingen bei der Behörde 1909 Beschwerden wegen Ping-Anrufen ein. "Bis Ende Oktober dieses Jahres sind es fast 45.000", sagte Bongartz.

Wurden für die Masche früher die 0180- oder 0900-Nummern genutzt, so sind es heute in der Regel ausländische Rufnummern, die auf den ersten Blick von deutschen Vorwahlen nur schwer zu unterscheiden sind. Besonders auffällig sind Rufnummern der Elfenbeinküste (00225), Tunesien (00216), Seychellen (00248) und Burundi (00257). Neu ist Guinea mit der Landeskennung 00224. Diese Vorwahl wurde auch Liesbeth Schmalfuß zum Verhängnis. Sie glaubte an einen Anruf von ihrer Enkelin aus Hennef. Der Ort hat die Vorwahl 02244.

Ebenso wie Gottfried Schmieder wollte sie nicht zur Polizei gehen. Das tut zumindest im Landkreis Zwickau derzeit kein Betroffener. "Anzeigen wurden bisher keine erstattet", sagte Pressesprecherin Anett Münster. Auch das Landeskriminalamt führt keine Ermittlungen, wie Pressesprecher Tom Bernhardt sagte. "Unsere Beteiligung liegt hier im Bereich der IT-Forensik als Serviceleistung für die tatsächlich ermittelnden Dienststellen." Bernhardt sieht hinter dem System durchaus Strukturen einer Bande. Ob es sich dabei um organisierte Kriminalität handelt, wollte er nicht bestätigen. "Da die Masche mit der deutschen Gesetzgebung nicht funktionieren kann, müssen die Täter aus dem Ausland fungieren", sagte er. Konkrete Ermittlungserfolge seien bisher nicht bekannt geworden. Auch der Bundesnetzagentur liegen keine gesicherten Informationen über den Aufenthaltsort der Hintermänner vor, wie Carolin Bongartz sagte.

Wie hoch der Schaden ist, kann niemand so genau sagen. Allerdings wird es den Betreibern der Netzwerke zunehmend schwerer gemacht an das Geld zu kommen. Rufnummern, die von der Bundesnetzagentur eindeutig einem Ping-System zugeordnet werden können, sind ab diesem Zeitpunkt wertlos. "Wir verhängen ein Rechnungslegungs- und Inkassoverbot", sagte Carolin Bongartz. Damit dürfen die Telefonunternehmen den Betrag gar nicht erst auf die Rechnung setzen.

Wie die Betrüger die Rufnummern ausfindig machen, lässt sich schwer feststellen, wie es aus der Verbraucherschutzzentrale heißt. "Es ist zu vermuten, dass sie über kostenlose Gewinnspiele an die Nummern gelangen", sagte Pressesprecherin Christina Siebenhühner. "Gerade bei kostenlosen Angeboten sollen sich die Verbraucher mit ihren persönlichen Daten anmelden", sagte sie. Dahinter könnten sich die Ping-Anruf-Masche verbergen. Vor der Kostenfalle kann man sich ganz einfach schützen und unbekannte Rufnummern grundsätzlich nicht zurückrufen.

Die Bundesnetzagentur hat eine Seite eingerichtet die über Ping-Anrufe informiert. Dort können auch Nummern zur Prüfung eingereicht werden. Wer ungerechtfertigte Beträge auf seiner Telefonrechnung findet sollte sich an die Verbraucherschutzzentrale wenden.

bundesnetzagentur.de/PingAnruf

 
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