"Fernziel ist Hochschule in Waldenburg"

Der Vorsitzende der Bildungsstiftung in der Töpferstadt über die schweren Anfänge und die ehrgeizigen Absichten

Vor zehn Jahren wurde die Europäisch-Humanistische Bildungsstiftung Waldenburg gegründet. Sie unterstützt mehrere Schulen in der Region. Über Zinsen, Technikinitiativen und Millionenspenden hat Christian Meyer mit dem Vorstandsvorsitzenden Harald Evers gesprochen.

Freie Presse: Wo steht die Stiftung nach zehn Jahren?

Harald Evers: Ganz ehrlich: Noch am Anfang. Unsere Ziele sind auf Jahrzehnte ausgelegt. Wir waren 2007 froh, überhaupt das nötige Stiftungskapital von 50.000 Euro zusammen bekommen zu haben. Es hatte zwischenzeitlich ein Team vor Ort gefehlt, das die Stiftung vorantreibt. Vor zwei Jahren haben wir uns personell neu aufgestellt, seitdem gibt es Fortschritte. Man kann ehrenamtlich viel bewegen, aber das hat Grenzen. Jemanden hauptamtlich anzustellen, ist uns nicht möglich, wäre auch nicht billig.

Welche konkreten Ziele verfolgt die Stiftung derzeit?

Konkret verfolgen wir momentan fünf Ziele: Die Etablierung des Jugendtechnikklubs in Waldenburg, das Projekt "Digitale Schule" in Meerane, die Unterstützung von Partnerschaften mit polnischen und tschechischen Schulen, künstlerische Angebote und das Zusammentreffen von Gesprächspartnern mit Schülern in der Reihe "Zu Gast am Europäischen Gymnasium".

Und was wollen sie langfristig erreichen?

Ganz allgemein wollen wir dem sächsischen Bildungswesen Impulse vermitteln. Langfristig wollen wir beispielsweise Stipendien an Schüler aus der Region und an talentierte ausländische Schüler vergeben, Auslandsschuljahre ohne Wiederholung des Schuljahrs im Inland ermöglichen oder den Unterricht von Fächern wie Geografie oder Geschichte in einer Fremdsprache realisieren. Wichtig ist auch die Professionalisierung der Schulleitungsebenen. Mein Wunsch ist, dass jemand, der stellvertretender Schulleiter wird, ein Aufbaustudium im Schulmanagement durchläuft - und das eine Voraussetzung ist, um Direktor werden zu können. Meine Erfahrung ist: Es gibt gute Lehrer, aber ein Direktor ist nicht nur Pädagoge, sondern auch Manager, der wissen muss, wie Personalentwicklung, Organisationsmanagement oder Finanzplanung funktionieren.

Sehen Sie, was letzteres angeht, Defizite in den Schulen, die von der Stiftung gefördert werden?

Nein. Aber allgemein muss die Entwicklung dahin gehen, Schulleiter nicht allein als Pädagogen zu sehen, sondern als Führungskräfte. Ähnlich wie in einem mittelständischen Unternehmen müssen sie ein Team von oft mehr als 50 Mitarbeitern führen. Dafür bestehen meist nur geringe Vorkenntnisse, vielmehr herrscht ein "learning by doing" vor.

Welchen Einfluss nimmt die Bildungsstiftung auf solche inhaltlichen Entwicklungen der Schulen?

Unser Einfluss ist begrenzt, eine Förderung gelingt nur, wenn eine Schnittmenge zwischen den Pädagogen und uns besteht. Die Stiftung ist eine Zelle, die Gedanken formuliert. Ein sehr langfristiger Gedanke ist etwa, eine Hochschule nach Waldenburg zu bringen. Mit solchen Gedanken wollen wir Impulse für die öffentliche Diskussion vermitteln.

Solche Ziele setzen Kapital in Millionenhöhe voraus. Mit den 68.000 Euro, die die Stiftung derzeit hat, ist da nicht viel getan.

Das ist ein Anfang, der gepflegt werden muss. Wir müssen Unterstützer finden. Solange wir keine Stifter im Millionenbereich haben, ist es nur eine nette Initiative. Momentan ist die Zinslage schlecht. Die Waldenburger Wirtschaftslage mit wenig Industrie macht es auch nicht leicht.

Und wie will man an zahlungskräftige Sponsoren kommen?

Es gibt durchaus große Unternehmen in der Region, denen wir etwa zeigen, was es konkret bei uns im Bereich Technik gibt, wie den Jugendtechnik-Klub. Das spricht solche Unternehmen an. Und wir können zielgerichtet sagen: Bei diesem Projekt freuen wir uns über Förderung.

Besteht die Gefahr, dass ein Unternehmen Einfluss auf Lehrinhalte nimmt?

Prinzipiell besteht das Risiko, dass jemand eine Summe auf den Tisch legt und dann im Schulalltag mitreden will. Aber dem werden wir widersprechen, weil es für die von uns geförderten Schulen schlecht wäre. Wenn wir den Ruf bekommen, Unternehmenslobby zu betreiben, wird keiner mehr zu uns kommen.

Sie selbst wohnen in der Landeshauptstadt Dresden, engagieren sich aber für die Stiftung in Waldenburg. Warum?

Ich hatte hier prägende Jahre. Viele meiner damaligen Mitschüler haben etwa im technischen oder künstlerischen Sektor Feuer gefangen. Mich hat immer das bürgerschaftliche Engagement fasziniert, der ehrenamtliche Einsatz, um eine besondere Schule zu gestalten. Wir müssen begreifen, dass ein Gemeinwesen von Bürgern getragen wird, nicht allein vom Staat. Wenn alle nur nehmen und meckern, wird nichts vorwärts kommen.

Harald Evers (37) sitzt dem Stiftungsvorstand vor. Der heutige Jurist legte 1998 sein Abitur am Europäischen Gymnasium Waldenburg ab. Die Europäisch-Humanistische Bildungsstiftung unterstützt die Europäischen Schulen in Meerane, Waldenburg, Hartmannsdorf und Lichtenstein sowie die Kita Eurozwerge Lichtenstein und die Freie Jugendkunstschule Waldenburg.

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