"Für mich war es gut, dass die Stadt verlassen ist"

Regisseur David Brückner über Glauchau als Horrorkulisse und eine unbürokratische Entscheidung

Glauchau.

Bis zu seinem 25. Lebensjahr hat David Brückner in Remse und Glauchau gewohnt, inzwischen lebt der Filmemacher in Berlin. Seine Horror-Persiflage "Dead Survivors" hat er 2009 in Meerane und Glauchau gedreht - und dafür einen Filmpreis abgeräumt. Für den Dreh zu seinen Film "Iron Wolf" ist er 2012 wieder nach Glauchau gekommen. In englischer Sprache erschienen, feiert heute die deutsche Synchronisation des Werwolf-Streifens beim Obscura Film Festival in Berlin Deutschlandpremiere. Roberto Jurkschat hat mit David Brückner über Horror in Glauchau geredet.

Freie Presse: David, wie kommt es, dass Glauchau so eine gute Kulisse für Horrorfilme abgibt?

David Brückner: Für mich war da ausschlaggebend, dass ich mich hier in der Gegend auskenne. Ich habe verlassene Straßen und eine alte Industrieanlage gesucht und gleich an die ehemalige Schlachterei und andere Orte in Glauchau gedacht. Beim städtischen Kulturbetrieb habe ich nachgefragt und sehr schnell eine Dreherlaubnis bekommen. In Berlin, wo ich jetzt wohne, dauert so eine Suche oft wochenlang, weil die Stadt solche Plätze meist nicht für Filmteams freigibt. Dass das hier so unbürokratisch klappt, ist top.

Es kommt wohl nicht oft vor, dass jemand die leeren Gebäude und Straßen in der Gegend spannend findet.

Für mich haben leere Orte wegen der Atmosphäre einen gewissen Reiz. Aber ich kann verstehen, dass Glauchauer diese Verlassenheit im Alltag nicht schön finden. Wir haben in einer Straße gedreht, wo keine Autos und Menschen unterwegs waren. Ein Kumpel hat mich gefragt, ob wir uns die Erlaubnis für eine Straßensperrung besorgt haben. Aber die haben wir nicht gebraucht, auf der Straße war einfach nichts los.

Sind bei den Dreharbeiten auch Glauchauer beteiligt gewesen?

Ja, einige. Im Film hat zum Beispiel mein bester Freund aus Glauchau, Michael Krug, eine Rolle übernommen. Im Team waren aber auch andere Glauchauer involviert. Aufnahmeleiter, Beleuchter, Komparsen, Drehplanschreiber oder als Set Runner. Die Glauchauer haben den Film also auch möglich gemacht.

Worum genau geht es in "Iron Werewolf"?

Der Film ist eine Mischung aus Satire und Horrorfilm. Es geht um einen Werwolf, den die Nazis in einem biologischen Experiment gezüchtet haben. Die Anlage wird im Krieg aber zerstört. 71 Jahre später spielt eine Punkband in der Ruine ein Konzert und befreit das Monster versehentlich. Ein Werwolf in NS-Uniform, der gejagt und am Ende getötet wird. Das Ganze ist humorvoll gemeint.

Steckt nicht auch eine politische Brisanz in dem Thema?

Man sollte schon unterscheiden zwischen Realität und Unterhaltung. Ich habe ja absichtlich ein total abgedrehtes Szenario entworfen. Daher sollte man "Iron Werewolf" nicht als politisches Statement begreifen. Andererseits habe ich in Meerane und Glauchau früher schon einige Neonazis mit Springerstiefeln und Bomberjacken gesehen. Mir war immer klar, dass ich mit denen nichts zu tun haben will. Viele meiner Freunde sind Punks, in diesem Spektrum habe ich mich damals eher bewegt, weil die Leute friedlicher drauf waren. Als Filmemacher habe ich sowieso eher eine Exoten-Rolle gehabt. Da habe ich mich keiner bestimmten politischen Gruppe angeschlossen.

Seit 2014 ist der Film unter dem Titel "Iron Wolf" in Großbritannien erhältlich, die Originalsprache ist Englisch. Wie kommt der Film in England an?

Die Briten haben einen eigenen Humor, mit dem sie die Deutschen und vor allem das Dritte Reich gerne aufs Korn nehmen. Der Verleih hat in Großbritannien inzwischen 25.000 DVDs in englischer Sprache verkauft. Wir haben schon vermutet, dass das Publikum in England unsere Satire versteht und unterhaltsam findet. Jetzt haben wir den Film auf Deutsch synchronisiert und schauen mal, wie er jetzt in Berlin aufgenommen wird.

Du hast schon 2003 mit gerade mal 15 Jahren deine Filmgruppe "Ghost Pictures" gegründet.

Für mich war sehr früh klar, dass ich meine eigenen Filme machen möchte. Michael Krug, mit dem ich diese Gruppe gegründet habe, ist immer noch Glauchauer und arbeitet als Einzelhandelskaufmann. Nebenbei ist er Schauspieler und hat schon 2009 bei meinem ersten Spielfilm "Dead Survivors" eine Hauptrolle übernommen.

Nächsten Monat beginnen die Dreharbeiten für Deinen dritten Film. Worum geht es?

"Paranormal Demons" handelt von einer Gruppe Filmstudenten, die in einer alten Heilstätte in Brandenburg Geistervideos als Fakes enttarnen wollen. Dort angekommen merkt die Gruppe schnell, dass sich in den alten Gemäuern ein blutiges Geheimnis versteckt. Der Film wurde von Fans finanziert, die sich zum Beispiel eine DVD vorbestellen konnten oder kleinere Rollen spielen. Er soll pünktlich zur Berlinale im Februar Premiere feiern.

David Brückner (28) arbeitet als Filmemacher, Kameramann, Produzent und Schauspieler in Berlin. Sein erster Film "Dead Survivors" wurde 2009 in Glauchau und Meerane gedreht, "Iron Wolf" 2012 im Schlachthof Glauchau.

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