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Die freiberufliche Hebamme Doreen Kühnert untersucht eine Hochschwangere. Ihr Arbeitspensum ist in den vergangenen Monaten extrem angestiegen.

Foto: Andreas Kretschel

Glauchauer Hebamme ist am Limit

Von ursprünglich drei freiberuflichen Geburtshelferinnen ist derzeit nur noch eine in der Stadt verblieben. Die Praxis muss bis zu zehn Frauen pro Monat abweisen.

Von Tanja Goldbecher
erschienen am 02.11.2017

Glauchau. Beim Blick in ihren Terminkalender atmet Doreen Kühnert tief aus. Zeit für ein Interview hat sie eigentlich nicht. "Wenn Sie heute noch vorbei kommen, schiebe ich Sie zwischen zwei Termine", sagt die Hebamme am Telefon. Wenige Stunden später öffnet sie die Tür zu ihrer Glauchauer Hebammenpraxis an der Marienstraße. In einem Nebenzimmer hört man ein Baby schreien. Kühnert wird gebraucht, das Kind trinkt immer noch nicht genug Milch.

So wie diese Mutter würden sich gern viele weitere Frauen von Doreen Kühnert vor und nach der Schwangerschaft beraten lassen. Doch die Hebamme muss pro Monat bis zu zehn Anfragen ablehnen. Ihre Kapazitäten sind restlos erschöpft. Laut Kühnert betreut eine Hebamme in der Vor- und Nachsorge sechs bis acht Frauen pro Monat. Ihre Quote liegt mittlerweile bei elf bis 18 im gesamten Umkreis von Glauchau, Meerane und Waldenburg. Genau zwei freie Betreuungsplätze kann sie ab Juni kommenden Jahres noch vergeben.

Die Lage der freiberuflichen Hebammen hat sich seit Längerem zugespitzt. Ein Grund dafür ist die erhöhte Berufshaftpflichtversicherung in der Geburtshilfe. Deshalb betreuen viele Hebammen Frauen zwar in der Schwangerschaft, die Geburt findet aber in einer Klinik statt. "Wir beobachten, dass immer mehr Kolleginnen die Geburtshilfe aufgeben", sagt Katharina Jeschke vom Deutschen Hebammenverband. Etwa 18.000 freiberufliche Hebammen wurden laut GKV-Spitzenverband im vergangenen Jahr in Deutschland gezählt, davon führen 5300 die Geburtshilfe aus. Die Anzahl an Hebammen hat sich seit 2009 sogar erhöht, zugleich gibt es aber auch wieder mehr Geburten. Wurden vor acht Jahren 670.000 registriert, waren es 2015 etwa 740.000. Die Anzahl an Geburtshäusern ist in dieser Zeit stabil geblieben.

Für die Glauchauer Praxis ist die Haftpflichtversicherung jedoch nicht der Knackpunkt. Doreen Kühnert hat sich in ihrer freiberuflichen Arbeit von Anfang an auf die Vor- und Nachsorge konzentriert. Bei ihr sind andere erschwerende Umstände hinzugekommen. So hat sich das Team Anfang des Jahres von einer Kollegin getrennt. Eine weitere Hebamme fällt krankheitsbedingt bereits seit mehreren Monaten aus. Übrig geblieben ist nur noch Doreen Kühnert.

Sie betont, dass zum Glück die Zusammenarbeit mit der Glauchauer Klinik sehr gut funktioniere. In den Kreißsälen des Krankenhauses werden pro Jahr rund 450 Geburten betreut. Die dortige Geburtenstation ist rund um die Uhr mit Hebammen besetzt. Die Klinik bildet seit drei Jahren Hebammen und männliche Entbindungspfleger aus. Zwei Geburtshelfer konnten bisher übernommen werden. Die Klinikleitung sucht derzeit trotzdem nach weiterem Personal in der Abteilung.

Konkurrenzdenken gebe es zwischen der Klinik und der Hebammenpraxis laut Kühnert nicht. Dafür sei die Nachfrage zu groß. "Es ist sehr frustrierend, Frauen abzulehnen, da ich nicht weiß, wo ich sie noch hinschicken soll", sagt die Hebamme. Zu ihrem Beruf gehöre mittlerweile viel Enthusiasmus - den hat Kühnert. Vor allem die Besuche bei den Familien, nachdem ein Kind geboren wurde, sind ihr wichtig. Sie beobachtet, dass Eltern heutzutage zwar viel mehr Informationen im Internet finden. Widersprüchliche Ratschläge würde diese aber zum Teil sehr verunsichern. "Ich sage dann oft, dass sie auf ihr Bauchgefühl hören sollen", sagt Kühnert. Sie hofft nun darauf, dass sie bald wieder eine Kollegin in Glauchau an ihrer Seite hat.

 
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