Mitarbeiter von Schnellecke streiken und fordern mehr Lohn

Die Belegschaft des größten Arbeitgebers in Glauchau ist zum ersten Mal in den Ausstand gegangen. Es könnten weitere folgen.

Glauchau.

Es war eine Premiere auf dem Betriebsgelände der Firma Schnellecke. Und eine kalte dazu. Erstmals ist gestern Vormittag ein Teil der Belegschaft in den Warnstreik getreten. Elke Merkel war aber trotz der widrigen Temperaturen bei der Vorbereitung der Kundgebung frohen Mutes. Die Betriebsratvorsitzende ist seit über 25 Jahren im Unternehmen. "Für die Kollegen ist das auch mal ein Erlebnis und ein gutes Gefühl, wenn man selbst etwas zur Tariferhöhung beitragen kann", sagte sie, bevor sie auf die kleine Bühne ans Mikrofon trat und von einem "denkwürdigen und ehrwürdigen Tag für Schnellecke in Glauchau" sprach.

Rund 200 Mitarbeiter haben um 9.30 Uhr ihre Arbeit niedergelegt und sich zu einer Kundgebung der IG Metall und des Betriebsrates versammelt. Die Aktion folgte damit einem Aufruf der Gewerkschaft, die die Mitarbeiter von VW sowie einige ihrer Zuliefererbetriebe zum Streik aufrief. Sowohl im VW-Werk Mosel, dem VW-Bildungsinstitut, bei Radsysteme Mosel sowie bei SAS Autosystemtechnik schlossen sich Gewerkschaftsmitglieder an. Die Forderung: sechs Prozent mehr Geld, moderne Arbeitszeitmodelle sowie eine Angleichung der Arbeitszeiten in West- und Ostdeutschland.

Für die Schnellecke-Arbeiter steht vor allem ein höheres Entgelt im Fokus. Das Unternehmen -mit über 900 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in Glauchau - verfügt über einen Haustarif, der allerdings an den Flächenvertrag gekoppelt ist. "Irgendwann mussten wir ja auch mal hier etwas hinkriegen", sagte Thomas Knabel, Geschäftsführer der IG Metall Zwickau, auf der Kundgebung in Anspielung auf das Warnstreikdebüt.

Er kritisierte die geringe Bereitschaft der Arbeitgeber zur Tariferhöhung. "Auch bei Schnellecke hat man von einem guten und erfolgreichen Jahr gesprochen und sich bei der Belegschaft bedankt", sagte er. "Das ist gut, aber noch besser wäre es, wenn von dem, was erwirtschaftet wurde, auch wieder etwas in die Belegschaft zurückkommt."

In bestimmten Lebensphasen wie der Elternzeit sei zudem die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit wichtig - "aber auch das muss man sich leisten können", so Knabel.

Der Streik könnte nur der erste von mehreren sein. Knabel: "Das ist heute der erste größere Streiktag, aber wir können auch noch zulegen."

In den nächsten Wochen will die Gewerkschaft den Druck auf den Arbeitgeber erhöhen. Die Geschäftsführung von Schnellecke in Glauchau war gestern selbst nicht vor Ort und für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.


Metallgewerkschaft appelliert: Arbeitszeitmodelle müssen zum Leben passen

Weiße Nebelschwaden zogen sich gestern Vormittag durch die Muldenlandschaft. Im VW-Werk Mosel dagegen stieg roter Nebel auf. Und zwar aus einer Maschine, mit der sich IG-Metaller zur großen Kundgebung durchs VW-Werk Mosel aufgemacht hatten. Andere Gewerkschafter forderten auf Transparenten die 35-Stunden-Woche und auf einer zum Schwein stilisierten rosafarbenen Tonne fette sechs Prozent. Stefan Kademann, Erster Bevollmächtigter der IG-Metall Zwickau, sagte: "Die Ära der 38-Stunden-Woche ist auch im Osten vorbei." Man wolle wie im Westen die 35-Stunden-Woche. Zurzeit würden die Arbeiter hier einen Monat pro Jahr umsonst arbeiten. Man wolle Arbeitszeitmodelle, die zum Leben passen, und nicht umgekehrt. (vim)

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