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Diego Schmidt auf seinem Pony Blitz - für das ist er schon bald zu groß.

Foto: Markus PfeiferBild 1 / 2

Nachmittags bei den Robinis

Bis Sonntag gastiert der Zirkus in Oberlungwitz. In der achten Generation setzt der sechsjährige Diego die Familientradition fort. Doch die Zukunft ist ungewiss.

Von Ulrike Abraham
erschienen am 06.10.2017

Oberlungwitz. Diego ist sechs, sein Zimmer nicht aufgeräumt. Plastik-Dinos und Matchbox-Autos liegen kreuz und quer. Ein vertrauter Anblick - nur wohnt Diego in einem Wohnwagen, und in zwei Stunden wird er auf Pony Blitz durch die Manege reiten. Diego ist Zirkuskind, wie alle seine Geschwister, Eltern, Großeltern. Nomadenleben in achter Generation. Doch ob es eine Zukunft hat, ist ungewiss: Wie alle Zirkusse in Deutschland muss auch der Zirkus Robini kämpfen.

Seit gestern gastiert er in Oberlungwitz. Diegos Vater Silvano Schmidt, Handstandakrobat, stand von klein auf vor Publikum - regelmäßig auch in Oberlungwitz. Kurz verliert er sich in der Erinnerung, spricht von ausverkauften Vorstellungen, von Kindern aus dem Ort, die sich darum gerissen haben, die Tiere versorgen und beim Zeltaufbau helfen zu dürfen. "Ich hatte 20, 30 Freunde hier", erzählt er Tochter und Nichte, die höflich zuhören - wie einem Märchenonkel. Schmidt ist 31, doch diese Zeiten sind vorbei. Kinder kommen kaum noch zum Spielen - und oft auch nicht zur Vorstellung.

Die Elefanten haben sie vor zehn Jahren an Zoos verkauft, geblieben sind Ziegen, Kamele, Pferde und Hunde. Die haben Auslauf, sind nicht wie früher angepflockt. Sie versuchen, mit der Zeit zu gehen. Doch die Zeit, so scheint es, ist schneller. Der Zirkus ist von vielem abhängig: von der Zustimmung der Behörden, dass sie ihr Zelt aufschlagen dürfen. Vom Veterinäramt, das Stall und Auslaufgröße prüft, sobald sie den Landkreis wechseln.

Mit Zynismus überspielen sie die Angst vor der Zukunft: "Sie sehen ja, wie schlecht es den Tieren geht - traumatisiert, unterernährt", sagt Romana Schmidt und deutet auf das beleibte Pony Blitz, das gleich von Diego eingeritten wird. Eine Stunde bis zum Auftritt.

Ein anderes als ihr Zirkusleben können sich Kinder der achten Robini-Generation nicht vorstellen. Damit es zumindest theoretisch möglich ist, achten spezielle Zirkuslehrer darauf, dass die kleinen Nomaden beim Schulstoff nicht den Anschluss verlieren, auch wenn sie jede Woche die Schule wechseln.

Zwei Minuten noch, rund 80 Gäste sitzen im Zelt. 700 würden höchstens hineinpassen, doch damit sind die Artisten mittlerweile zufrieden. Wie eine zweite Haut haben Diego, Eltern und Tanten die Kostüme übergestreift. Und die Scheinwerfer gehen an.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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