Radlerfrühling im Muldetal: Ministerpräsident radelt mit

Das Frühjahrsausfahrt mit den vielen Stopps ist jedes Jahr ein Höhepunkt in der Region. Doch der Besuch von Michael Kretschmer hat sie für die Remser noch besonderer gemacht.

Remse.

Michael Kretschmer ist viel zu früh da. Die Remser haben erst eine Stunde später mit ihrem Ehrengast zum diesjährigen Radlerfrühling gerechnet. Doch der sächsische Ministerpräsident scheint sich weder zu langweilen, noch vorzeitig abreisen zu wollen. Eine kleine Menschentraube hat sich um ihn gebildet. "Sprechen Sie ihn ruhig an, der Ministerpräsident spricht hier mit jedem", sagt ein junger Feuerwehrmann.

Knapp drei Stunden vorher konnte man einen ganz anderen Michael Kretschmer erleben. Im schicken Anzug trat er bei der 1.-Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbunds in Chemnitz auf. Dort hatte sich ein Großaufgebot von Rechtsextremen angekündigt. "Wir müssen den Rechtsextremismus aus der Mitte der Gesellschaft bekämpfen", sagte Kretschmer ins Mikrofon. Man dürfe solche Extremisten nicht das Image einer Stadt prägen lassen. Dann noch ein paar Sätze zur Wirtschaftspolitik des Freistaats und dem wichtigen Erhalt von Arbeitsplätzen. Dabei zitiert der CDU-Politiker sogar Karl Marx: "Das gesellschaftliche Sein, bestimmt das Bewusstsein der Menschen."

In Remse wirkt das Sein des Ministerpräsidenten völlig verändert. Mit grüner Sportjacke und einem Lächeln im Gesicht macht er einen gelösten Eindruck. "Der Termin in Chemnitz war sehr wichtig, aber der Erhalt solcher Traditionen wie dem Radlerfrühling in Remse ist genauso wichtig", sagt Kretschmer.

Dass er sich wenig später auf ein Fahrrad schwingen wird und diese Tradition selbst erlebt, ist vor allem einem glücklichen Zufall geschuldet. Die Remser Seniorengruppe hatte Anfang des Jahres Ines Springer (CDU) im sächsischen Landtag besucht. "Der Ministerpräsident ist an uns vorbeigelaufen und hat gefragt, was wir für eine lustige Truppe sind", berichtet Vereinsmitglied Dietmar Runst. "Dann haben wir ihm gesagt, dass er zum Radlerfrühling nach Remse kommen soll, da ist noch mehr los", sagt er. Kretschmer habe kurzerhand in sein Handy geschaut. Da er früh bereits in Chemnitz angekündigt war, sagte er sofort sein Kommen zu.

"Die Leute rechnen ihm hoch an, dass er sein Wort gehalten hat", sagt Ines Springer. Auf die Frage, ob sie Michael Kretschmer denn für einen besseren Ministerpräsidenten als den zurückgetretenen Stanislaw Tillich hält, sagt sie, dass sie Menschen nicht gern miteinander vergleicht. "Aber ich mag Michael Kretschmers sehr authentische Art", fügt die Landtagsabgeordnete hinzu. Auch sie setzt einen Fahrradhelm auf und fährt gemeinsam mit dem Landeschef nach Waldenburg.

Keine schlechte Strecke: Am Startpunkt vor dem Remser Feuerwehrhaus bekommen die Politiker gleich einen guten Eindruck, wie gefährlich das Radfahren entlang der Bundesstraße ist. Die Remser fordern seit etlichen Jahren, dass ein Radweg nach Weidensdorf und Glauchau gebaut wird. Passiert ist in dieser Hinsicht aber bisher noch nichts. Dabei zeigt sich jedes Jahr beim Radlerfrühling, wie gern sich die Menschen radelnd durch die Region bewegen. Besonders viel Einsatz hat der gebürtige Remser und Feuerwehrmitglied Lars Wunderlich gezeigt. Denn der 28-Jährige ist extra aus Leipzig gekommen und hat die rund 70 Kilometer ebenfalls mit Rad zurückgelegt.

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