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Ein Jäger und sein Jagdhund sondieren im Hirschgrund bei Oberlungwitz die Lage.

Foto: Andreas KretschelBild 1 / 2

Schweinepest: Jäger fürchten Ausbreitung der Seuche

Die Schwarzkittel stehen bestens im Futter. Weil die Population rasant wächst und eine Krankheit immer näher kommt, wird das Schwarzwild demnächst wohl mit Hilfe von Schalldämpfern und Nachtsichtgeräten erlegt.

Von Markus Pfeifer
erschienen am 13.01.2018

Gersdorf/Callenberg. Milde Winter und reichlich Nahrung, vor allem in den großen Maisfeldern, sorgen seit Jahren dafür, dass sich Wildschweine in Deutschland sauwohl fühlen. "Die Tiere vermehren sich extrem", sagt Jäger Marco Pfeiffer aus Gersdorf. In seinem Revier gibt es die Schwarzkittel vor allem in Richtung Plutostraße. In Nachbarrevieren, unter anderem zwischen Callenberg und Waldenburg, seien sie noch viel zahlreicher anzutreffen.

Neben den Schäden, die sie auf Feldern und wie im Falle des Wernsdorfer Fußballplatzes auch anderorts anrichten können, droht ein noch viel größeres Problem. In Tschechien und Polen wurden bereits Fälle der afrikanischen Schweinepest gemeldet, die sich offenbar aus Weißrussland immer weiter westwärts ausgebreitet hat. Das wird durch hohe Populationen gefördert und ist deshalb nur schwer aufzuhalten. Für Menschen ist diese Tierseuche ungefährlich, aber sie tötet schätzungsweise 90 Prozent der Schweine. Auch Nutztiere sind extrem bedroht, denn wenn in einem Gebiet ein infiziertes Wildschwein gefunden wird, müssen aufgrund entsprechender Vorschriften in einem bestimmten Umkreis alle Hausschweine getötet werden.

Während in Tschechien Meldungen zufolge deshalb sogar schon Scharfschützen der Polizei zur Wildschweinjagd geschickt wurden, laufen in Deutschland andere Maßnahmen erst an. Die Trichinenuntersuchung ist bei Wildschweinfleisch vorgeschrieben, damit es verkauft und gegessen werden darf. Die Gebühr dafür fällt nun weg. "Mit dieser Regelung soll die Abschussquote von Wildschweinen als ein Baustein zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest erhöht werden", erklärt Toby Pintscher, Leiter des Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt im Landkreis Zwickau.

Seit Anfang der 1990er-Jahre haben sich Wildschweinbestände nach Angaben des Landratsamtes etwa verdreifacht, womit auch das Seuchenrisiko wuchs. Natürliche Feinde haben die Tiere kaum, höchstens der Fuchs schnappt sich mal einen Frischling.

Jäger Marco Pfeiffer bezweifelt, dass die kostenlose Trichinenuntersuchung viel bringt. "Es werden ja schon jetzt deutlich mehr Schweine geschossen. Der Markt für das Fleisch ist gesättigt", weiß er. Sein kleines Kühlhaus in Gersdorf ist voll. Wichtig wäre es, dass der Freistaat eine Möglichkeit schaffe, die den Jägern die Abnahme garantiert. In Mecklenburg-Vorpommern wurden zudem Abschussprämien von 25 Euro pro Tier ausgelobt. Die Wildschweinjagd ist für die Jäger kompliziert, da sich aus den großen Gruppen selbst bei Drückjagden mit vielen Jägern jeweils nur ein paar Tiere erlegen lassen.

Gefordert wird von der Jägerschaft deshalb unter anderem die Erlaubnis von Nachtsichtzielgeräten und Schalldämpfern, um die Jagd zu erleichtern. Sie gilt ohnehin als sehr gefährlich, denn im vergangenen Jahr wurden laut Pfeiffer in der näheren Region drei Jagdhunde von Wildschweinen schwer verletzt, und es sind auch Fälle bekannt, in denen angeschossene Tiere Menschen angegriffen und verletzt oder sogar getötet haben.

Wie der Landtagsabgeordnete Jan Hippold (CDU) als Mitglied des Ausschusses für Umwelt und Landwirtschaft sowie umweltpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion mitteilte, beschäftigt sich die Landesregierung intensiv mit dem Problem. "Entsprechende Gesetzesänderungen werden derzeit vorbereitet", sagt er mit Blick auf die angestrebte Zulassung von Nachtsichttechnik und Schalldämpfern sowie andere Maßnahmen. Er selbst könne übrigens den Verzehr von Wildschweinfleisch nur empfehlen. "Es ist ja ein echtes Bioprodukt, schmeckt richtig gut, und derzeit hilft man so ja auch den Jägern, die das Fleisch verkaufen wollen", sagt er.

 
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