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Konrad Siemon wohnt mit seinen Eltern und zwei Brüdern in Dürrenuhlsdorf. Auch wenn seine körperlichen Voraussetzungen nicht die besten sind, treibt er viel Sport. l

Foto: Andreas Kretschel

Waldenburger fährt zum Down-Sportlerfestival

Konrad Siemon ist mit Trisomie 21 auf die Welt gekommen. Fähigkeiten, die für viele selbstverständlich sind, muss er sich hart erarbeiten. Und gegen manche Ignoranz im Alltag bestehen.

Von Christian Meyer
erschienen am 14.04.2018

Dürrenuhlsdorf. Er schwimmt gern, liebt das Fahrradfahren, singt im Chor seiner Schule, fährt mit der Familie in den Ski-Urlaub. Und auch eine Freundin hat er. Das Leben von Konrad Siemon aus dem Waldenburger Ortsteil Dürrenuhlsdorf scheint für einen 15-Jährigen erfreulich normal zu sein. Aber wer wie Konrad mit dem Downsyndrom zur Welt kam, für den sind viele Dinge nicht normal und erst recht nicht selbstverständlich.

Menschen mit Downsyndrom, auch als Trisomie 21 bekannt, haben eine genetische Veränderung. Das Chromosom 21 ist nicht zweifach, sondern dreifach belegt. Gene, die sich dort befinden, sind entsprechend dreimal ausgeprägt. Zellen im Körper teilen sich nicht so schnell wie normalerweise. "Es dauert bei ihm eben alles etwas länger", sagt sein Vater Uwe. Sein passiver Wortschatz sei vergleichbar mit dem eines Nichtbehinderten. Sprich: Verstehen kann er alles. Nur selbst sprechen kann eine Herausforderung sein. Manche Sätze artikuliert er undeutlich.

Außerdem kam er mit einem Herzfehler zur Welt. "Bei seiner Behinderung ist das recht häufig", so Mutter Annett. Als sie das sagt, rollt Konrad sein T-Shirt hoch und zeigt - fast ein wenig stolz - eine lange OP-Narbe, die sich senkrecht über seine Brust zieht. Auch mit dem Gleichgewichtssinn haben Menschen wie Konrad oft Schwierigkeiten. Dass er sportlich dennoch aktiv ist, liegt an seinen Eltern sowie auch an der Dr.-Päßler-Schule, eine Förderschule in Meerane, wo er in der Oberstufe lernt. Die Einrichtung hat ein umfangreiches Sportangebot. Konrad spielt im Fußballteam, geht schwimmen und tanzen. Auch wenn er das Laufen erst spät im Alter von drei Jahren lernte - "mit dem Laufrad war er schon wie ein Verrückter unterwegs", sagt Annett Siemon. Nachdem sie im Fernsehen einen Beitrag über eine Person mit Trisomie 21 sah, die nach vielen Jahren Skifahren lernte, war klar: Das schafft ihr Sohn auch. "Wir nehmen ihn überall mit", sagt sie. "Entweder alle oder keiner." Inzwischen fährt er die Blaue Piste. Wenn es nach Konrad geht, würde es nicht bei Skiern bleiben. "Auto fahren", sagt er auf die Frage, was er später noch gerne machen würde und setzt die Hände gleich gestisch zum Lenkrad an.

Wer sich mit Menschen mit Downsyndrom auseinandersetzt, denkt oft in Schubladen: Die "Downies", die können dieses schlechter und jenes vielleicht gar nicht. "Aber den Downsyndrom-Menschen gibt es im Grunde nicht", sagt Andreas Riese, der Konrad als Lehrer in der Dr.-Päßler-Schule betreut. "Manche sind sehr fit, andere nicht. Einige können sehr gut lesen und schreiben, andere gar nicht." Sie haben ihre Stärken, Schwächen und Vorlieben wie alle Menschen.

Doch im Alltag begegnet den Siemons das Schubladendenken vieler Mitmenschen häufig. "Er wird oft ignoriert", so Anett Siemon. Normal mit ihm zu sprechen trauen sich viele nicht. Und dann gibt es noch die falsche Toleranz. "Als Konrad mal beim Einkaufen in eines dieser Wackelautos wollte, hab ich ihm das untersagt, weil ich weiter wollte." Eine Passantin habe ihr zugeraunt: "Da ist er schon behindert und darf nicht mal in das Auto." In solchen Momenten gelassen zu bleiben, das falle nicht immer leicht. Schließlich muss auch Konrad lernen, dass er nicht immer im Mittelpunkt stehen kann.

Auch, um von diesem Alltag mal abzuschalten, fährt die Familie in zwei Wochen zum Deutschen Down-Sportlerfestival nach Frankfurt am Main, nach eigenen Angaben das weltweit größte Sportfest für Personen mit Downsyndrom. Dort nimmt Konrad an Wettkämpfen und Kursen teil. Weitsprung, Weitwurf, und als besondere Herausforderung die 1000 Meter. Letztes ist für jemanden mit Herzfehler keine Selbstverständlichkeit.

Der Leistungsgedanke ist zweitrangig. Unter den 600 Teilnehmern ist er dort einer von vielen. Anett Siemon: "Keiner dreht sich nach ihm um, und er wird einfach als Mensch behandelt" - und nicht nur als "Downie". Das Schubladendenken bleibt dann wenigstens für einen Tag geschlossen. Auch das ist nicht selbstverständlich.

 
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