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Jochen Fichtner (r.) absolvierte gestern als stellvertretender Leiter der Streckensicherung seinen letzten Einsatz im Kontrollzentrum.

Foto: Andreas KretschelBild 1 / 3

Zielflagge für den Mann im Kontrollturm

Ein Rennen der ADAC Formel 4 setzte gestern Nachmittag den Schlusspunkt des GT Masters am Sachsenring. Kurios: Die Nachwuchs-Piloten beendeten damit die Helfer-Laufbahn eines alten Hasen am Traditionskurs.

Von Andreas Tröger
erschienen am 18.09.2017

Hohenstein-Ernstthal. Jochen Fichtner sitzt in der Mitte der ersten Reihe in der sogenannten Race Control, dem Rennstrecken-Kontrollzentrum am Sachsenring. Der 61-jährige Hohenstein-Ernstthaler ist stellvertretender Leiter der Streckensicherung. Die Race Control ist gewissermaßen die Regiezentrale bei allen Motorsportrennen am rund 3,6 Kilometer langen Traditionskurs. Von da aus überwachen Renndirektoren und -leiter nicht nur das Einhalten des sportlichen Reglements. Auch Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdiensten werden koordiniert. Und die Streckenposten - 130 dieser Helfer waren am Wochenende im Einsatz - erhalten per Funk und Telefon Kommandos.

23 Jahre lang hat sich Jochen Fichtner für die Sicherheit am Kurs verantwortlich gefühlt. Gestern hat sein Verein, der Automobil- und Motorrad-Club Sachsenring (AMC) für ihn sozusagen die Zielflagge geschwenkt. Fichtner hängt "sein Hobby" an den Nagel. "Es war 'ne schöne Zeit. Die möchte ich nicht missen", sagt er. Aber irgendwann müsse mal Schluss sein. Rennwochenenden wie dieses schlauchen, erzählt der gelernte Kfz-Schlosser. In der Regel war er zwölf Stunden lang am Ring. Der Aufenthalt im Kontrollzentrum erfordere Konzentration. Die fast 40 Monitore, die das Geschehen auf und an der Strecke widerspiegeln, darf man nicht aus dem Blick verlieren. Da sei man abends dann ziemlich knülle. "Klar hat man sich im Lauf der Jahre eine gewisse Routine angeeignet. Aber ein bisschen Aufregung ist stets dabei. Wir erleben immer wieder Situationen, die so noch nie da waren", sagt Jochen Fichtner. Da verunglücken Autos an Stellen, an denen man es nie vermuten würde. Wie etwa ein Porsche vor ein paar Jahren in einer leichten Linkskurve. Der habe bei dem Crash Betonteile von zwei bis drei Tonnen Gewicht bis an die Karthalle geschoben. "Da sieht man, was da für Kräfte wirken." Das Positive: Der Fahrer sei dann einfach ausgestiegen. "Die Autos sind eben sicher." Aber die Leute von der Streckensicherung um Jochen Fichtners Chef Thomas Putsche (62) aus Langenchursdorf haben auch Schlimmeres verkraften müssen. Den tödlichen Unfall bei der Seitenwagen-WM 2014 zum Beispiel. An der Sachsenkurve war ein Gespann bei Tempo 200 durchs Kiesbett gerast und in die Leitplanke geknallt. Der Beifahrer starb. "So etwas prägt sich ein."

Jochen Fichtner, der beruflich derzeit noch als Kraftfahrer bei der Hohenstein-Ernstthaler Spedition Gericke unterwegs ist, erlebte gestern seinen letzten Helfertag am Sachsenring. Und natürlich sagte ihm der AMC um Chef Olsen Hänel gebührend "Danke!". "Ohne Leute wie ihn wäre Motorsport am Sachsenring nicht möglich", so der Vorstandsvorsitzende.

Den Kurs wird Fichtner natürlich nicht aus den Augen verlieren. "Von Kindesbeinen an war ich am Sachsenring. Erst zum Pfandflaschen sammeln. Aber dann hat mich der Rennsport gefesselt." Daran wird sich nichts ändern. Mit Sicherheit.

 
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