70-Jährige Frau sexuell belästigt

Auf offener Straße hat ein 29-Jähriger eine ältere Dame gegen deren Willen angefasst. Nun muss er Strafe bezahlen.

Hohenstein-Ernstthal.

Eigentlich will die Lichtensteiner Rentnerin am Morgen des 27. Juli 2017 zum Zahnarzt gehen. Offenbar ist sie gegen 8.30 Uhr zur falschen Zeit am falschen Ort. Die 70-Jährige schöpft keinen Verdacht, als sie von einem jungen Mann auf ihrem Weg durch die Güterbahnhofstraße in Lichten- stein angesprochen wird. "Er war höflich", erinnert sie sich. Doch Sekunden später traut sie ihren Ohren nicht. Der Mann will keine Auskunft, sondern Sex.

Jetzt stand er vor dem Amtsgericht in Hohenstein-Ernstthal. Die Staatsanwaltschaft warf dem jungen Mann sexuelle Belästigung vor.

Die Rentnerin, immerhin 41 Jahre älter als er, könnte durchaus seine Oma sein. Das scheint den 29-Jährigen nicht zu stören. Die verbalen Angebote sind unmissverständlich. Man könne miteinander doch viel Spaß haben. Er lerne gern etwas von älteren Frauen. Er habe sie immer wieder an der Schulter gestreichelt, während er sie verbal bedrängte, schließlich unsittlich berührt, gibt die Rentnerin vor Gericht wieder . "Dass man so etwas mit 70 Jahren noch erleben muss", gibt sich die Zeugin erbost. Mehrfach habe sie beteuert, dass sie kein Interesse hat und er sie in Ruhe lassen solle. Als sein Drängen zu keinem Erfolg führ- te, habe er von ihr abgelassen. Die schockierte Rentnerin erzählt ihrem Zahnarzt davon, der rät zur Anzeige.

Der Angeklagte fühlt sich missverstanden. Er verstehe die Entrüstung der Dame gar nicht. "Ich habe sie nur auf einen Kaffee eingeladen, um ein bisschen zu reden", berichtet er seine Version der Geschichte. Und er habe sie höchstens versehentlich berührt. Für Richter Manfred Weber und Staatsanwalt Ansgar Orlik klingt das mehr als unglaubwürdig. "Sie kannten sie doch gar nicht. Welchen Grund sollte eine 70-jährige Frau haben, die einen Zahnarzttermin wahrnehmen muss, einem völlig Unbekannten in dessen Wohnung zum Kaffeetrinken zu folgen?", hielt der Richter dem Angeklagten vor. Er glaube der Rentnerin hundertprozentig. "Der Zeugin ist es bestimmt kein Bedürfnis, in ihrem Alter vor Gericht zu erscheinen und das Erlebte hier öffentlich auszubreiten." Schon in der Polizeivernehmung, als die Erinnerung frisch war, hatte die Seniorin den Verlauf der Begegnung ganz genauso geschildert wie nun vor Gericht. Für Weber ein Zeichen dafür, wie tief sich der Vorfall ins Gedächtnis der Frau gegraben hat.

Richter Weber ging beim Urteil mit dem Antrag des Staatsanwalts mit, verurteilte den Mann wegen sexueller Belästigung zu einer Geldstrafe von 3150 Euro. Einen gut gemeinten Rat für den Angeklagten gab es obendrauf. "Sprechen Sie doch mal mit Ihrem Hausarzt über den Vorfall."

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