Das Erfolgsgeheimnis der Marmeladenmanufaktur

Online ist die Zukunft der Einzelhändler, heißt es. Die Geschichte des Hohenstein-Ernstthaler Unternehmens, das in Berlin einen Preis einheimste, spricht gegen diese These.

Hohenstein-Ernstthal.

Sie kocht gerne Marmelade, schon von Kindheit an. Eines Tages beschlossen Eva und Frank Melzer die süße Paste auf Märkten zu verkaufen. Es war ein voller Erfolg und von da an besuchte das Paar aus Hohenstein-Ernstthal regelmäßig mit vielen Marmeladentöpfchen im Gepäck die Märkte in der Region, gründete das Unternehmen "Holunder und Co."

Das Produkt kommt gut an, die Palette an Sorten ist groß und die Zutaten sind erstklassig. Keine zwei Wochen ist es her, dass das Paar in Berlin auf der Grünen Woche den dritten Preis für ihre Marmeladenkreation "Scharfer Hohensteiner", einem Fruchtaufstrich aus Sauerkirsche, Schoko und Chili, einheimste.

Doch das reicht nicht aus, um ein Geschäft am Florieren zu halten.

Eine Geschäftsstrategie und ein Image müssen her. Seit längerer Zeit sehen Experten die Zukunft des Handels im World Wide Web. Online ist unverzichtbar für jeden, der überleben will. Oder? "Ja, wir haben einen Online-Shop", bestätigt Eva Melzer. Nach ein paar Sekunden fügt die 53-Jährige hinzu: "Wirklich angenommen wird er nicht." Sicher, man könne ihn ausbauen, sich mehr bemühen. Aber eigentlich braucht die Marmeladenfaktur ihn gar nicht zum Überleben.

Im Gegenteil: Je nachdem, wie intensiv man den Online-Handel betreibt, könnte es dem Produkt sogar schaden. "Wir vertreiben ein besonderes Fachhandelsprodukt. Wenn wir das zum Beispiel bei Amazon verkaufen würden, würde es diesen Hauch von Exklusivität verlieren", so Eva Melzer. Die Feinkostläden in der Region, die die Marmelade des Paars anbieten, wären davon, so glauben die Melzers, auch nicht angetan. "Gäbe es unsere Marmelade plötzlich überall - das wäre doch nicht dasselbe", findet Frank Melzer. Die Exklusivität des Produktes rührt nicht allein vom Geschmack, sondern auch von den pfiffigen Ideen der Melzers her.

So manch süße Kost aus dem Hause Melzer repräsentiert die Region. Eine Sorte namens "Webergarn" etwa, kreiert für das Textil- und Rennsportmuseum, aus Birnen mit Chilifäden. Der "Silberschatz" mit dem Logo des Karl-May-Hauses besteht aus Johannisbeeren mit essbarem Blattsilber. Das findet man nicht überall. Und schon gar nicht als Massenware im Internet.

Der Manufakturladen "Holunder und Co" in der Herrmannstraße 52 ist montags und mittwochs von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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