Das Risiko fährt immer mit

Die christlichen Biker haben gestern in der Region Station gemacht. Was sie beschäftigt, ist der Umgang mit der ständigen Gefahr.

Glauchau.

Als die Rotorblätter durch die Luft hacken, gehen alle Blicke nach oben. Ein Hubschrauber über Glauchau. Vielleicht bringt er gerade einen Verletzten ins Krankenhaus, vielleicht nicht. Was die Frauen und Männer in ihrer Lederkluft auf dem Kirchplatz in dem Moment denken, ist schwer zu sagen. Jedenfalls beobachten viele von ihnen den Helikopter, bis er außer Sichtweite gerät. Die Predigt geht währenddessen weiter.

Schon zum dritten Mal haben sich gestern die christlichen Motorradfahrer Sachsens (CMS) vor der St.Georgenkirche zu einem Motorradfahrergottesdienst getroffen. Viele tragen eine Lederkutte mit rotem Kreuz, dem Logo der CMS. Während der Andacht stehen sie zwischen ihren Maschinen, einige rauchen. "Wenn ihr merkt, dass ihr in die falsche Richtung fahrt, dann kehrt um", predigt Simon Leistner. "Egal, wie weit ihr schon gefahren seit." Der Motorradfahrerseelsorger ist 1983 geboren, die meisten der Zuhörer könnten seine Eltern sein. Er predigt von der Ladefläche eines Lkw, dass Gott jeden auf einen ganz bestimmten Weg schicken wolle. In den Fürbitten heißt es: "Lass uns im Straßenverkehr aufeinander Rücksicht nehmen."

Immer wieder kommt die Gefahr zur Sprache. Jeder, der sich auf ein Motorrad setzt, steigt wieder ab. Die Frage ist wie. Jeder siebte Verkehrstote in Deutschland ist ein Motorradfahrer, dabei sind zehnmal so viele Autos in der Bundesrepublik zugelassen wie Motorräder. Laut ADAC sind Biker-Unfälle generell schwere Unfälle. Niemand weiß das besser als der Glauchauer Pfarrer Matthias Große. Als Notfallseelsorger hat er schon viele Unfallstellen gesehen, die ihn teils noch lange beschäftigt haben. "Häufig liegt es gar nicht an den Bikern selbst", sagt Große. "Wenn ein Auto einem die Vorfahrt nimmt, dann bist du als Motorradfahrer chancenlos." Laut Statistischem Bundesamt ist bei Unfällen mit Autos in der Regel der Motorradfahrer nicht der Schuldige.

Nach dem Gottesdienst in Glauchau machen sich die Biker auf zum Sachsenring. Rolf Löchel vom Glauchauer Bikerstammtisch, der die Ausfahrt organisiert, schärft den Teilnehmern ein, keine unnötigen Risiken einzugehen. "Eine rote Ampel ist eine rote Ampel", sagt Löchel. Auch wenn der eine oder andere Gefahr laufe, die Gruppe zu verlieren. "Wir treffen uns am Sachsenring. Wer nicht dorthin findet, ist nicht von hier." Auch später auf dem Ring soll keiner unbedacht am Gasgriff drehen. Statt eines Rennens gibt es eine geführte Ausfahrt.

Angst jagt das Risiko dem motorradfahrenden Pfarrer Große nicht ein. Er setzt sich trotzdem auf seine Maschine, würde sogar gerne noch öfter. "Ich könnte jetzt damit anfangen, dass mir ein Dachziegel auf den Kopf fallen kann, wenn ich aus dem Haus gehe", sagt er. Völlig risikofrei sei das Leben eben nie.


Meiste Unfälle auf Landstraße

Zwei Drittel aller tödlich verunglückten Biker kommen laut ADAC auf Landstraßen ums Leben. Schlechtes Wetter spielt dabei keine Rolle: 92Prozent verunglücken bei trockener Fahrbahn, 85 Prozent tagsüber.

Meist gibt es bei Unfällen keinen zweiten Beteiligten. In 57 Prozent der Fälle stürzen Motorradfahrer, ohne dass jemand auf sie einwirkt. Ist ein Auto am Unfall beteiligt, dann sind die Biker in 71 Prozent der Fälle nicht schuld. (ael)

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