"Denn man sah nichts als Elend"

Die Wanderausstellung zur Bergbaukatastrophe in Lugau macht in Gersdorf Station. Was vor 150 Jahren geschah, ist eine einzige Tragödie.

Gersdorf.

Manchmal muss erst etwas Schlimmes passieren, damit die Regierung schärfere Gesetze erlässt und bei Kontrollen genauer hinsieht. Das war auch vor 150 Jahren so, als in Lugau einer der schlimmsten Grubenunfälle Deutschlands 101 Menschen das Leben kostete.

"Denn man sah nichts als Elend." Mit den Worten eines Zeitungsartikels von 1867 wurde die Ausstellung im Vereinshaus der Hessenmühle in Gersdorf eröffnet. Die ein Dutzend Stellwände mit Texten und Bildern sind noch bis 26. November dort zu sehen, bevor es nach Hohndorf geht. Die Ausstellung wurde als Revierprojekt von den vier Kommunen der Steinkohlenweg AG finanziert: Lugau, Gersdorf, Oelsnitz und Hohndorf.

Der Steinkohlebergbau war damals ein lukratives Geschäft und trug entscheidend zur Industrialisierung Sachsens bei. "Diese Bergbaukatastrophe hat in ganz Deutschland Aufsehen erregt", sagt Heino Neuber. Er ist Mitarbeiter des Bergbaumuseums in Oelsnitz im Erzgebirge und hat die Ausstellung erarbeitet. Mit der Resonanz ist er zufrieden: "Die Gäste stellten viele Fragen zum Unglückshergang."

Den kennt Neuber gut, denn er hat die schriftlichen Berichte von damals gelesen. Demnach war die Holzverkleidung des Schachts durch Wasser im Gestein umspült worden, bis sie dem Druck des Gerölls von außen nicht mehr standhalten konnte. Die Bergarbeiter wurden in 430 Metern Tiefe von den Geröllmassen eingesperrt und erstickten. "Rettungshelfer versuchten vergeblich, eine eiserne Röhre durch die Geröllmassen zu schieben", erzählt Neuber. Zehn Tage später gaben die Helfer auf. Dabei war das Grubenunglück in Lugau nur eines aus einer ganzen Reihe von ähnlichen Unfällen, mit teilweise noch höheren Opferzahlen. "Ein Missstand war, dass die Behörden damals die Schächte nur selten überprüften", sagt Neuber.

Der Tod so vieler Menschen hatte Folgen: "Es wurde neu über Sicherheitsbestimmungen nachgedacht", sagt der Museologe. Dennoch dauerte es noch einmal 18 Jahre, bis im damaligen Königreich Sachsen ein Gesetz erlassen wurde, dass jeder Untertagebau zwei voneinander unabhängige Ausgänge haben muss. Doch eine Frage kann Neuber nicht beantworten: Wurden die Grubenbetreiber zur Verantwortung gezogen? "Es ist nichts darüber bekannt, da keine Akten vorhanden sind", erklärt er. Nur so viel ist sicher: Der Betreiber Zwickau-Lugauer Steinkohlenbauverein ging in Konkurs.

"Diese Geschichte berührt mich noch immer. Da hängt mein Herz dran", sagt Gottfried Mehlhorn. Der ehemalige Bergmann ist ein Nachkomme eines der Verunglückten. "Ich bin froh, dass es die Veranstaltung gibt", sagt der Lugauer.

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