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Der Linken-Politiker Jörn Wunderlich aus Limbach-Oberfrohna nimmt im Beruf nicht nur politische Gegner ins Visier. Auch in seiner Freizeit greift er gerne zu Pfeil und Bogen.

Foto: Mario Hoesel

Der Linke mit der schwarzen Vergangenheit

Wahl 2017: Die "Freie Presse" stellt Kandidaten vor, die sich im Wahlkreis 163 um ein Direktmandat für den Bundestag bewerben. Heute: Jörn Wunderlich (Die Linke).

Von Alexander Christoph
erschienen am 26.08.2017

Hohenstein-Ernstthal. "Ach, die zwei Jahre", hebt Jörn Wunderlich an und hält inne. Dann greift der 57-Jährige zum Köcher, zieht einen Pfeil heraus, legt an, visiert das Ziel in 20 Metern Entfernung an und trifft ins Gold. "Das war eine Jugendsünde", antwortet er auf die Frage des Journalisten, warum sich ein Linkenpolitiker einst bei der Nachwuchsorganisation der CDU engagierte. Heute, gut vierzig Jahre später, kann der verheiratete Familienvater über die Episode in der Jungen Union Ende der 1970er-Jahre nur lachen. Das sei seinerzeit mehr geselliges Beisammensein mit seinen Schulkameraden gewesen als politische Arbeit, bemerkt er.

Längst hat Wunderlich die Seiten gewechselt - von schwarz auf tiefrot. 1999 war es, als er in die damalige PDS eintrat. "Das Wahlprogramm der CDU kannte ich ja", winkt er ab. "Ich habe die Programme von SPD, den Grünen und der PDS gelesen. Und mit meinem christlich-humanistischen Menschenbild und meinem Gerechtigkeitsempfinden hatte ich mit der PDS die meisten Schnittmengen." Und der Grund für sein Engagement? Die Halbwahrheiten, die führende Politiker des Landes seiner Meinung nach erzählten, hatten den im nordrhein-westfälischen Gladbeck geborenen Juristen maßlos geärgert. Auch heute noch hält er es für unredlich, wenn Verantwortliche wie Bundeskanzlerin Angela Merkel nur das Positive bei Gesetzen betonen, aber über die Nebenwirkungen und Risiken schweigen. "Wenn man den Leuten die Gesetze und deren Folgen erklärt, dann verstehen die das auch", ist Wunderlich überzeugt.

Zu seinem Gegenüber ehrlich sein - ein Credo, das Jörn Wunderlich bereits vor seiner Tätigkeit als Abgeordneter hatte. "Als Richter habe ich den Angeklagten meine Urteile vernünftig und nachvollziehbar erklärt", betont der Politiker, der die Region seit 2005 im Bundestag vertritt. "Darauf habe ich Wert gelegt." Sagt er, greift sich auf dem Bogenschießplatz in Seelitz erneut einen Pfeil und schießt. "Probleme können nur gelöst werden, wenn sie klar benannt werden."

Auf Probleme hinzuweisen und somit in der Wunde zu stochern - mehr bleibt einem Politiker in der Opposition meist auch nicht übrig. Denn die Verantwortung tragen andere; seit 2013 auf Bundesebene die CDU und die SPD. Dennoch oder gerade deshalb stellt Jörn Wunderlich regelmäßig parlamentarische Anfragen, ein Instrument, um die Regierung zu kontrollieren. Ein weiterer Hauptteil seiner Arbeit: sich in Gesetzesvorlagen, Gutachten und Stellungnahmen zu vertiefen.

Während Wunderlich auf dem Schießplatz ganz nebenbei davon erzählt, schweift sein Blick unvermittelt in die Ferne, hinüber zum Rochlitzer Berg. "Bogenschießen, das ist ein Sport zum Abschalten. Normalerweise denke ich hier nicht an die Politik", fährt er fort und schwärmt von der Landschaft und den netten Leuten, die man hier treffe. "Dieser Ausgleich hat mir dieses Jahr gefehlt."

In wenigen Wochen, wenn der Wahlkampf nach dem 24. September vorbei ist, könnte der Berufspolitiker neue Schwerpunkte setzen müssen und mehr Freiraum für sein Hobby haben. Wunderlich verfügt diesmal über keinen aussichtsreichen Listenplatz. Und die Chancen, als Direktkandidat erneut ins Parlament einzuziehen, sind für den Linkenpolitiker gering, legt man die Ergebnisse zur Wahl 2013 zugrunde: Damals errang CDU-Platzhirsch Marco Wanderwitz einen triumphalen Sieg.

Dieser Situation ist sich der 57-jährige Jurist bewusst. Darüber lässt er während des Gesprächs keinerlei Zweifel aufkommen. Schließlich nimmt er den letzten Pfeil aus dem Köcher. Erneut trifft er in die Mitte der Zielscheibe. Dann geht er los und sammelt nach und nach seine Pfeile ein. "Ich werde in der Politik verwurzelt bleiben", sagt er dann und kehrt zur Abschusslinie zurück. Seit 2014 sitzt Wunderlich im Stadtrat von Limbach-Oberfrohna.

 
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