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Am Bahnhofsvorplatz in Glauchau sollen Drogen den Besitzer gewechselt haben. Im Hintergrund das Polizeirevier.

Foto: Andreas Kretschel

Drogen-Party in Oberlungwitz

Im Kinderzimmer wurde kräftig gefeiert: mit Cannabis. Nun stehen zwei Teilnehmer vor Gericht. Einer als Angeklagter, einer als Zeuge.

Von Hans-Peter Kuppe
erschienen am 12.04.2018

Hohenstein-Ernstthal. Der kleine Park am Glauchauer Bahnhof ist gerichtsbekannt. Kaum 100 Meter entfernt vom Polizeirevier, quasi unter den Augen der Gesetzeshüter, wechseln dort offenbar regelmäßig Drogen ihren Besitzer. Jetzt stand ein junger Mann vor dem Amtsgericht in Hohenstein-Ernstthal, der dort Cannabis an einen minderjährigen Jugendlichen verkauft haben soll.

Zehnmal soll der heute 26-Jährige laut Anklage im Zeitraum Januar bis März 2017 jeweils ein Gramm an den Jungen abgegeben haben. Zehn Euro kostete ein Gramm. Weil Verkäufer und Käufer in Streit gerieten, flog der verbotene Handel auf. Zum gestrigen Prozess sahen sich die beiden wieder, der eine auf der Anklagebank, der andere als Zeuge.

Der Angeklagte bestritt, was ihm Oberstaatsanwältin Marion Hohmann vorwarf. "Ich habe nie etwas mit Drogen zu tun gehabt und nie welche genommen", versicherte er im Brustton der Überzeugung. Dass er den Zeugen kennt, stellte er nicht in Abrede. Dessen Anschuldigungen stellte er aber als einen Racheakt hin, weil sie sich gestritten hatten. Die Polizei hatte den minderjährigen Jugendlichen bereits längere Zeit im Fokus. In seinem Kinderzimmer in Oberlungwitz hatte er nach Aussage einer Polizeihauptkommissarin, die als Zeugin auftrat, regelrechte Drogenpartys veranstaltet. "Eines der Mädchen musste sich danach so heftig übergeben, dass sie zwei Tage nicht zur Schule gehen konnte", berichtete die Ermittlerin. Darauf hin flog der Junge von der Pestalozzioberschule. Inzwischen wohnt er in Zwickau. Im Zuge der Ermittlungen gab er schließlich bereitwillig die Namen seiner Drogenlieferanten preis, darunter auch den des Angeklagten. Belastend nun: Auf einem Foto von einer der Partys im Kinderzimmer war auch der Angeklagte zu sehen. "Es war ein Zufall, dass ich dort war. Ich saß einfach nur dabei", rechtfertigte sich der Angeklagte, der im Moment keinen festen Wohnsitz hat. "Ich bin bei einem Freund in Glauchau untergekommen", sagte er. Die Tischlerlehre hat er abgebrochen, er lebt zurzeit von Arbeitslosengeld II.

Die ganz harten Beweise gegen ihn - konkrete Bestellungen und Verabredungen - sind mit dem alten Handy des Zeugen verloren gegangen. Die Chats im neuen Handy aber lassen viel Spielraum für Auslegungen. Wird dem Angeklagten die Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige nachgewiesen, droht ihm eine Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr. Richter Manfred Weber machte dem Angeklagten und seinem Verteidiger Jan Lohwasser ein Angebot: Da es sich um "weiche Drogen" handele und der Angeklagte nicht vorbestraft sei, könne er von einem minderschweren Fall ausgehen. Das heißt: drei Monate auf Bewährung. Doch der Angeklagte beharrte auf seiner Unschuld. Der Prozess geht weiter.

 
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