Erster Waldfriedhof im Landkreis soll noch in diesem Jahr öffnen

Im September könnten die ersten Urnen in der neuen Andachtsstätte in Callenberg in den Boden. Einen Platz gibt es ab 400 Euro aufwärts.

Falken.

Eichen, unzählige Brombeersträucher, kreuz und quer Äste und Gestrüpp - überall Stolperfallen. Doch schon bald wird im kleinen Eichenwald am Goldforstweg südöstlich von Falken ein gemulchter Weg zu einem eigens angelegten Andachtsplatz mit Altar und Kreuz führen. Noch in diesem Herbst sollen im ersten Waldfriedhof des Landkreises Zwickau Urnenbeisetzungen stattfinden.

Nach knapp einem Jahr Behördenmarathon liegt der Gemeinde Callenberg jetzt die Genehmigung des Landkreises vor. Bürgermeister Daniel Röthig (CDU) zeigt sich erleichtert: "Seit die Pläne bekannt geworden sind, haben wir ständig Anfragen. Auch einige dringende, da warten Angehörige bereits darauf, die Urnen mit der Asche ihrer Verstorbenen endlich in die Erde zu bringen." Initiator der alternativen Ruhestätte ist Franz Freiherr von Rotenhan. Der 29-jährige Betriebswirtschaftler aus Issigau in Oberfranken, der 2014 den elterlichen Forstbetrieb in Callenberg übernommen hat, lief mit der Idee offene Türen ein. "Ich bin noch immer begeistert, dass alle Behörden von Beginn an so mitgezogen haben. Es war ein perfektes Arbeiten mit den Ämtern, quasi ein Paradebeispiel für unkomplizierten Behördenumgang", lobt er. Da waren immerhin von der Gemeindeverwaltung bis hin zu Oberbergamt, Landesamt für Geologie und Landwirtschaft sowie dem Landkreis einige beteiligt. Der Waldfriedhof am Goldforstweg ist der erste neue Friedhof seit 1990, für den das Landratsamt eine Genehmigung erteilt hat. Gibt auch der Gemeinderat am 27. Juni erneut seinen Segen, dann ist das der endgültige Startschuss für die Rotenhansche Forstverwaltung zum Umsetzen der Pläne. "Nach dem Mulchen der Wege wird das Gelände mit einer Art Holzgeländer eingezäunt. Es bleibt also frei zugängig", erklärt Revierförster Frank Günther.

13 Hektar Eichenwald gehören zu dem Terrain, aber nur neun Hektar sind für Urnenbeisetzungen vorgesehen. Allein im ersten Abschnitt, etwa ein Drittel der Gesamtfläche, können 2000 bis 3000 Urnen Platz finden. Ausgespart wird das Biotop im hinteren Bereich des Waldstreifens. Annike Günther ist die künftige Waldbetreuerin. Sie weiß, wie alles funktioniert: "Interessenten melden sich bei der Gemeinde- oder Forstverwaltung. Sie suchen sich dann im Wald einen Baum aus, an dem auch eine kleine Marke mit den Daten des Verstorbenen angebracht wird. Es ist ein einmaliger Betrag (ab 400 Euro) zu zahlen, der sich nach Größe und Attraktivität des Baumes richtet." Nach der Urnenbeisetzung übernimmt die Natur die "Grabpflege".

Das Angebot "Waldfriedhof" als Alternative zur herkömmlichen Bestattung richtet sich vor allem an Naturliebhaber. Franz von Rotenhan kennt einen zweiten Grund, warum Leute diese Bestattungsart wählen. "Immer mehr Menschen möchten ihren Hinterbliebenen nicht die Grabpflege aufbürden. Beide Gründe halten sich in etwa die Waage", sagt er. Alle bürokratischen Hürden sind noch nicht genommen. Ein Austausch- und Nutzungsvertrag sowie eine Friedhofssatzung sind zu erarbeiten, ebenso die Grunddienstbarkeiten festzuschreiben. Ziel bleibt aber: Die erste Beisetzung soll im September stattfinden.

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