Falkener Waldfriedhof-Idee macht Schule im Mülsengrund

Rund 40 Urnen sind seit der Eröffnung der Bestattungsfläche "Schönburger Land" dort beigesetzt worden. Eine weitere will Franz Freiherr von Rotenhan im Neuschönburger Wald einrichten.

Callenberg/Neuschönburg.

Ende des Jahres könnten die ersten Urnen im Waldfriedhof "Zwickauer Land" beigesetzt werden. Wenn alles klappt. Die erste Hürde hat das Vorhaben im Neuschönburger Wald genommen. Anfang Dezember stimmte der Mülsener Gemeinderat dem Vorhaben zu. "Wenn alle Unterlagen vorhanden sind, können wir im Februar oder März den Antrag ans Landratsamt stellen", sagt Initiator Franz Freiherr von Rotenhan.

Der 29-Jährige aus Issigau, inzwischen Wahl-Oberlungwitzer, hat 2014 den elterlichen Forstbetrieb in Callenberg übernommen und im vorigen Jahr den Waldfriedhof "Schönburger Land" am Goldforstweg in Falken angelegt. Der Erfolg gibt dem Projekt recht. Seit der Eröffnung Anfang September sind auf dem 13 Hektar großen Terrain im Eichenwäldchen 40 Urnen beigesetzt worden. "Das hat uns gezeigt, dass der Bedarf für diese alternative Form der naturnahen Bestattung vorhanden ist", sagt von Rotenhan.

Mit der Idee zu einem weiteren Waldfriedhof im Neuschönburger Wald im oberen Mülsengrund lief von Rotenhan beim Waldbesitzer Rupprecht Freiherr von Reitzenstein offene Türen ein. "Unsere Familien sind befreundet, das lag also nahe", sagt von Reitzenstein. 465 Hektar Forst gehören der Familie des 68-Jährigen. Er wird das Waldstück zur Verfügung stellen. Franz von Rotenhan fungiert mit seiner Forstverwaltung lediglich als Betreiber und Verwalter des Waldfriedhofes. Der wird mit 20 Hektar deutlich größer sein als das westsächsische Pilotprojekt in Falken. Das Terrain, auf dem vor allem Buchen wachsen, liegt am Weg hinter dem Forsthaus, direkt an einer Lichtung. "Im Volksmund wird der Wald auch Neudörfeler Wald oder Zschockener Wald genannt", sagt von Rotenhan. Er hat sich im Vorfeld mit der Historie des Mülsener Ortsteiles beschäftigt.

Spaziergänger haben von dem ausgewählten Terrain einen beeindruckenden Blick über Felder hinweg in Richtung Zwickau. In der Ferne ragen die letzten Gebäude des Viererschachtes im ehemaligen Zwickauer Steinkohlenrevier aus der Landschaft. In dem Waldstück sollen wie schon beim Vorbild in Falken gemulchte Wege entstehen, dazu ein Andachtsplatz mit massiven Bänken und einem Kreuz. Die Forstverwaltung hat im ersten Teilstück bereits störende Bäume entnommen. Noch vor Weihnachten wurden in dem Areal Probebohrungen gesetzt. Für die Genehmigung bedarf es eines hydrologischen und hydrogeologischen Gutachtens. "Da sich die Urnen zersetzen, darf das Wasser nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam versickern", sagt von Rotenhan.

Je nach gewähltem Baum, dessen Größe sowie Standort und der gewünschten Ruhezeit beginnen die Preise für die Grabstelle bei 480 Euro. Rupprecht Freiherr von Reitzenstein räumt auch die handfesten wirtschaftlichen Interessen des Projekts ein. "So ein Waldfriedhof ist ein zusätzliches Standbein. Das hilft, Arbeitsplätze in unseren Forstwirtschaftsbetrieben zu sichern."

Zwischen Waldenburg und Oberwiera soll auf einer Fläche von 45 Hektar ebenfalls ein Waldfriedhof entstehen.

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