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Chefarzt Dr. Dyrk Zedlick hat die Glauchauer Psychiatrie vor 20 Jahren aufgebaut. Mittlerweile hat sich die Klinik mit mehreren Bereichen zu einem Vorzeigeprojekt entwickelt.

Foto: Markus Pfeifer

Glauchauer Psychiatrie in Sachsen Spitzenreiter

Mit einem Modellprojekt ist es den Ärzten gelungen, die stationären Aufenthalte in der Klinik stark zu reduzieren. Dadurch können die Patienten leichter wieder in die Gesellschaft integriert werden.

Von Tanja Goldbecher
erschienen am 14.06.2018

Glauchau. Ambulanter vor stationärer Behandlung lautet das Credo des Modellprojekts. Denn dadurch können psychisch kranke Menschen behandelt und gleichzeitig wieder in das gesellschaftliche Leben integriert werden. Die Psychiatrie am Virchowklinikum Glauchau ist eine von zwei Behandlungszentren in Sachsen, die sich seit 2013 in Zusammenarbeit mit den gesetzlichen Krankenhassen daran beteiligt. Zum 20-jährigen Bestehen der Psychiatrie legt Chefarzt Dr. Dyrk Zedlick erste Ergebnisse vor.

Demnach konnte die durchschnittliche Anzahl an Tagen, die ein Patient vollstationär versorgt wird, erheblich reduziert werden. Durchschnittlich sind das in Sachsen 23 bis 25 Tage. In Glauchau wird aktuell die kürzeste Zeit mit elf bis 13 Tagen verzeichnet. Laut Zedlick liegt das an den fließenden Übergängen zwischen der stationären Behandlung, dem Aufenthalt in der Tagesklinik und einer zum Teil ambulanten Nachversorgung zu Hause. Zudem gibt es seit zehn Jahren eine Rehabilitationseinrichtung, die bei der Wiedereingliederung in den Alltag und in das Berufsleben hilft. "Wir wollen die Menschen ganzheitlich behandeln und vor allem Hilfe zur Selbsthilfe geben", sagt der Chefarzt. Wichtig sei dabei, dass die Ansprechpartner für die Patienten gleich bleiben sowie verschiedene Therapieformen, zum Beispiel mit Sport und Kunst, angeboten werden. Außerdem arbeiten die Mediziner mit rund 400 Betrieben von Limbach-Oberfrohna bis Meerane zusammen, sodass bis zu 60 Prozent der Patienten beispielsweise in Form von Praktika wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden können.

Das Modellprojekt hat aber noch andere positive Effekte. So können in der Psychiatrie pro Jahr mehr Menschen betreut werden, ohne die Anzahl an stationären Betten weiter erhöhen zu müssen. Denn der Bedarf ist gestiegen. Mehr suchtkranke Menschen werden heute im Vergleich zu den Anfangsjahren behandelt, die Ausbreitung der Droge Crystal Meth ist auch in Glauchau spürbar. Patienten, die an Depressionen, psychischen Krisen und Demenz leiden, werden ebenfalls verstärkt aufgenommen. Pro Jahr sind etwa 1800 Patienten in Behandlung.

"Die zunehmende Individualisierung und der erhöhte Leistungsdruck in der Gesellschaft sind ein Problem", sagt Zedlick. Man müsse diskutieren, inwieweit eine gesellschaftliche Verantwortung besteht, psychisch kranken Menschen entsprechend ihrer Belastbarkeit einen Platz einzuräumen - aber auch, wie viel Freiheit man den Menschen in ihrer Andersartigkeit lassen kann.

Das Modellprojekt an der Glauchauer Psychiatrie endet in zwei Jahren. Dann steht zunächst eine Auswertung auf Bundesebene an. Dyrk Zedlick hofft, dass das zugleich kostengünstigere Modell in eine Regelversorgung umgewandelt wird.

Das Fachsymposium anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Glauchauer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik findet am Freitag um 10 Uhr in der Aula des Georgius Agricola Gymnasiums statt. Um 16 Uhr wird zudem eine Kunstausstellung der Kunstgruppe "Makke" der Psychiatrischen Klinik im Funktionsgebäude eröffnet.

 
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