Himbeere mit Prosecco holt die Krone

Eva Melzer bleibt deutsche Marmeladenkönigin. Zum dritten Mal hat die Hohenstein-Ernstthalerin den Casting-Pokal geholt.

Hohenstein-Ernstthal.

Den Prosecco in einen Topf, dann köcheln bis es nicht mehr prickelt, die Himbeeren dazu und zum Schluss die klein zerbröselte weiße Schokolade - fertig ist die Siegermarmelade. Für diese Marmeladenkreation, genannt "Himbeere mit Prosecco und weißer Schokolade" hat Eva Melzer von der Hohenstein-Ernstthaler Manufaktur "Holunder & Co." den Marmeladen-Casting-Siegerpokal abgesahnt.

Diesen bundesweiten Wettbewerb veranstaltet seit 2002 jährlich die Berliner Spezialitäten-Agentur Manufaktur Helden, die sich das Ziel gesetzt hat, dem Verbraucher nicht nur Lebensmittel von der "Stange" auf die Zunge zu bringen, sondern die Geschmacksnerven mit handgemachter Qualität zu entzücken. Agenturchefin Karin Raschinsky: "Für die Vorrunden waren 60 Marmeladen aus ganz Deutschland ins Rennen geschickt worden, 28 qualifizierten sich für die Endrunde. Und in dieser ging es verdammt eng zu. Immer wieder bekamen Produkte die Höchstnote 5,0." Eine erlesene Experten-Jury, deren acht Mitglieder allesamt über eine exzellente Sensorik hinsichtlich der Aromen verfügen, brauchten letztendlich vier Finalrunden, um die Siegermarmelade zu ermitteln. "Sie wussten beim Verkosten nicht, wer die Marmeladen produziert hat. In der letzten Runde setzte sich dann erneut ein Produkt von Frau Melzer durch", sagt Karin Raschinsky.

Zum dritten Mal hat Eva Melzer der Konkurrenz den Pokal weggeschnappt und gilt inzwischen als die ungekrönte Königin unter den deutschen Marmeladen-Profis. Auch den vierten Rang sahnte die Hohenstein-Ernstthalerin ab, und zwar mit ihren "Webergarn", eine eher außergewöhnliche Kreation mit historischem Bezug zur Region. In dem Fruchtaufstrich aus Birne finden sich dünne Fädchen aus Chili. Den fanden die Juroren "geschmacklich sehr speziell", aber sehr kreativ und äußerst interessant. Doch die Prosecco-Kreation mit ihrem fruchtig-sahnigen Geschmack und der exzellent nuancierten weißen Schokolade blieb der Kracher des Wettbewerbs.

Eva Melzer, die sich längst von der Hobby-Marmeladenköchin zur Firmenchefin gemausert hat, freute sich riesig über den Erfolg. Inzwischen beliefert die kleine Manufaktur, die sie mit Ehemann Frank betreibt, schon rund 40 Geschäfte. "Im vorigen Jahr habe ich um die 12.000 Gläser Marmelade produziert, in diesem Jahr werde ich wahrscheinlich auf 16.000 kommen", sagt sie.

Maschinell wird bei ihr gar nichts produziert. Zwei Kochplatten, zwei Töpfe, in beiden rührt sie gleichzeitig ständig um. Sie kreiert alles selbst, testet, feilt immer wieder an den Rezepturen. Die sind freilich - mit Ausnahme der Früchte - geheim. "Inzwischen verarbeite ich pro Jahr rund drei Tonnen Früchte", berichtet sie. Maximal vier Kilogramm Früchte werden in einem Kochgang verarbeitet. Alles geht ohne Gelierzucker ab. Normaler Zucker, Apfelpektin und Zitronensaft kommen zum Einsatz, je nach Säuregehalt der Früchte genau dosiert. Auch das Aufkleben der Etiketten ist Handarbeit. Das übernimmt meist Ehemann Frank. Er weiß: "Meine Frau gilt schon wieder als Favoritin fürs Marmeladen-Casting auf der Grünen Woche."

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