Hütern der Boxengasse entgeht nichts

Zehn Helfer sorgen am Sachsenring dafür, dass bei Rennveranstaltungen in der Boxengasse Ordnung herrscht. Zwei alte Hasen der Crew plaudern aus dem Nähkästchen.

Oberlungwitz.

Joachim Dell' Agnese und Thomas Fritzsche könnte man nachts wecken, und sie würden die Bedeutung der acht verschiedenen farbigen Flaggen der Streckenposten am Sachsenring fehlerlos herbeten. Das gehört zur Ausbildung der Männer in der grauen Kombi. Alle drei Jahre müssen sie beim DMSB-Lehrgang erneut ihr Wissen nachweisen, um die Lizenz zu bekommen.

Dell' Agnese sind seine 74 Lenze nicht anzusehen. Der Routinier ist einer der Erfahrensten der zehnköpfigen Boxengassen-Crew, steht seit 22 Jahren in dem Job seinen Mann. Thomas Fritzsche ist erst seit zehn Jahren auf dem Posten. "Er hat mich damals angeworben", sagt er und zeigt auf seinen Freund Joachim. Die beiden hüten quasi den Eingang der Boxengasse - "egal, ob 40 Grad Celsius herrschen oder strömender Regen vom Himmel kommt", so Thomas Fritzsche. Nur ein Sonnenschirm bringt bei beiden Witterungen etwas Entlastung.

"Jeder Fahrer muss an uns vorbei, wenn er von der Rennstrecke kommt. Sie fahren hier mit 60 Sachen rein. Das wird auch elektronisch kontrolliert. Darum brauchen wir uns nicht zu kümmern", sagt Joachim Dell' Agnese. Aber: "Wir müssen jeden Fahrer, der reinkommt, über Sprechfunk an die Rennleitung melden." Trotz Hightech verlässt man sich in dem Punkt noch immer auf die menschliche Komponente.

Dell' Agnese verdiente einst seine Brötchen als Zerspaner bei Heckert in Chemnitz, sagt er. Der 68-jährige Fritzsche war Kfz-Elektriker. Für beide Motorsport-Enthusiasten ist der Dienst in der Boxengasse zwar ein geliebtes Hobby, aber eines, dass sie sehr genau nehmen. Die Entschädigung von 20 Euro pro Renntag, manchmal für eine 13-Stunden-Schicht, ist für sie nicht das Motiv. "Wenn du am Sachsenring aufgewachsen bist, ist so ein ehrenamtlicher Job ein Lebensgefühl", sagt Dell' Agnese, dessen Sohn Ronny (52) genauso Dienst in der Boxengasse schiebt. "Viele Fahrer können wir sofort zuordnen, manche winken uns auch mal zu, wenn sie nicht ganz so im mentalen Tunnel des Rennens stecken", sagt Fritzsche. In ihrem Teilabschnitt sind die beiden quasi die Mädchen für alles, müssen Öl von der Strecke beseitigen, löschen, wenn ein Motor in Brand gerät, das sogenannte Crash-Tor in der Boxengasse öffnen und schließen, Leute, die an die Boxenmauer gehen wollen, auf ihre Berechtigung hin kontrollieren und bei Pitwalks für Ordnung sorgen. Das heißt auch, das strikte Rauchverbot in der Boxengasse durchzusetzen. Die Aufgaben sind vielfältig.

Bei ihren Renneinsätzen erleben die beiden manchmal auch Kurioses. "Voriges Jahr kam auf einmal Rossi zu Fuß die Boxengasseneinfahrt hoch. Ich durfte dann seine Maschine schieben", erinnert sich Joachim Dell' Agnese. Auch Thomas Fritzsche kann ein Erlebnis beisteuern. "Als sich Albert Prinz von Thurn und Taxis beim Rennen der GT Masters irgendwie versteuerte, krachte er unweit von uns in die Boxenmauer und blockierte die Einfahrt. Wir mussten den Unrat von der Piste kehren. Ein paar Splitterteile des Lamborghini habe ich als Souvenir mit nach Hause genommen. Die habe ich immer noch." Auch den Motor von Danilo Petruccis Ducati mussten sie schon löschen. Als Mitglieder des AMC gehören sie zu denen, auf die immer Verlass ist. Aber nicht nur beim Motorrad-GP oder den Classics stehen sie ihren Mann. Manchmal helfen sie auch beim Streckenaufbau für die Minibiker. Dell' Agnese war am Sonntag auch bei den Seifenkistenrennen als Streckenposten dabei.

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